Jörg Fischer (Journalist)
Jörg Fischer (später Jörg Fischer-Aharon; * 24. März 1969 in Hürth[1]; † 2025)[2] war ein deutscher Neonazi-Aussteiger, Buchautor und Journalist.
Leben und Wirken
Jörg Fischer wuchs in Nürnberg auf und war durch einen Diabetes seit seiner Kindheit gesundheitlich beeinträchtigt. Im Alter von 13 Jahren beantragte er deshalb beim Versorgungsamt einen Schwerbehindertenausweis. Der zuständige Sachbearbeiter, ein NPD-Mitglied, verwickelte Fischer in ein Gespräch über Politik und lud ihn zu einem Kameradschaftsabend ein. Dieser ging hin und war empfänglich für die dort vertretene Ideologie. Er wurde Teil der rechtsextremen Szene und nacheinander Mitglied der NPD, der DVU sowie der REP-Abspaltung Deutsche Liga für Volk und Heimat. In den jeweiligen Parteizeitungen veröffentlichte er zahlreiche Artikel. Die Gewalttaten von Hoyerswerda, Rostock-Lichtenhagen und Mölln bewirkten jedoch ein Umdenken und letztendlich den Ausstieg aus der rechtsextremen Szene. Ein weiteres Motiv dafür war das Verhältnis dieser Szene zur Homosexualität, zu der Fischer selbst sich später bekannte.
Nach seinem Ausstieg wollte der Verfassungsschutz ihn bei der rechtsextremen Zeitschrift Nation und Europa einschleusen, was Fischer jedoch ablehnte. Er arbeitete zunächst als Versicherungsvertreter, dann als Altenpfleger. Seit Mitte der 1990er-Jahre ging er mit seiner Geschichte an die Öffentlichkeit und war als freier Journalist tätig. Zeitweise engagierte Fischer sich in der Antifa und war Mitglied der PDS.[3][4] 1999 veröffentlichte er den autobiographischen Bericht Ganz Rechts, 2001 erschien Das NPD-Verbot.[5] Im zweiten Buch spricht er sich klar für dieses Verbot aus und bezweifelt außerdem die Wirksamkeit von Aussteiger-Programmen.[6]
Zu einem nicht näher bestimmbaren Zeitpunkt erfuhr Fischer von seiner Mutter, dass einer seiner Großväter Jude und Opfer des Holocaust gewesen war. Daraufhin beschäftigte er sich intensiv mit dem Judentum, auch eine Konversion soll er erwogen haben. Fischer engagierte sich weiter im Kampf gegen Rechtsextremismus, nunmehr aber auch gegen Islamismus[7][8] und linken Antizionismus.[9] Zeitweise lebte er in eingetragener Partnerschaft mit einem Israeli, von dem er den Beinamen Aharon annahm.[10]
Publikationen
- Ganz Rechts. - Mein Leben in der DVU, Rowohlt, ISBN 3-499-22597-2.
- Das NPD-Verbot, Espresso-Verlag, Berlin 2001, ISBN 978-3-88520-800-6.
Weblinks
Einzelnachweise
- ↑ Johannes Bottländer: Der Sechs-Monate-Einstieg des jugendlichen Rechtsextremisten Jörg Fischer: zur orientierungsmusterbezogenen Sichtweise biographischer Verlaufsformen. In: BIOS - Zeitschrift für Biographieforschung, Oral History und Lebensverlaufsanalysen, 26(1), 53-76. , 2013, abgerufen am 5. Januar 2026.
- ↑ Ein Leben für die Wahrheit: Zum Abschied von Jörg Fischer-Aharon. In: haOlam, 28. Februar 2025, abgerufen am 4. Januar 2026.
- ↑ Bernd Siegler: „Die Geister, die ich rief...“ In: taz.de, 16. Februar 1996, abgerufen am 4. Januar 2026.
- ↑ Pascal Beucker: Ein Aussteiger steigt mal wieder aus. In: taz.de, 12. Dezember 2003, abgerufen am 4. Januar 2026.
- ↑ Karlsruher Gespräche 2009. Jörg Fischer-Aharon, Referent. In: Archiv des ZAK, abgerufen am 4. Januar 2026.
- ↑ Eintrag bei Perlentaucher.
- ↑ Jörg Fischer im Interview über haKadima und die Schnittmengen von Rechtsextremisten und Islamisten. In: ENDSTATION RECHTS, 21. April 2009, abgerufen am 4. Januar 2026.
- ↑ Peter Nowak: Gemeinsam gegen Islamismus. In: taz.de, 26. August 2011, abgerufen am 4. Januar 2026.
- ↑ Jörg Fischer: Die PDS und Islamofaschisten: „Hamas raus aus den Köpfen!“ In: haGalil, 30. Oktober 2006, abgerufen am 4. Januar 2026.
- ↑ Gerald Beyrodt: Vom Neonazi zum Israel-Erklärer. In: Deutschlandfunk Kultur, 21. Januar 2011, abgerufen am 4. Januar 2026.