Jörg-Hofmann-Haus

Das Jörg-Hofmann-Haus in Zeil am Main (Hauptstraße 3) – auch als Jörg-Hoffmann-Haus bezeichnet – ist ein denkmalgeschütztes Anwesen, das aus einem Vorderhaus von 1689 und einem Hinterhaus aus der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts besteht. Das Vorderhaus wurde vom Zeiler Zimmermeister Jörg Hofmann errichtet und gilt mit seinem reich verzierten Fachwerk als eines der bedeutendsten Beispiele barocker Zimmermannskunst in der Stadt, während das Hinterhaus zu den ältesten erhaltenen privaten Gebäuden Zeils zählt.

Lage und Aufbau

Wie schon beim Nachbarhaus Hauptstraße 1, dem ehemaligen Gasthof „Zum roten Ross“, handelt es sich auch hier um zwei eigenständige Baukörper. Das vordere, traufständig zur Hauptstraße ausgerichtete Gebäude gilt als das bekannteste und bedeutendste Fachwerkhaus der Stadt. Das hintere, giebelständige Gebäude ist nur von einem Hof in der Langen Gasse sichtbar und deutlich älter: Aufgrund seiner Fachwerk-Ständerbauweise wird es dem Spätmittelalter zugerechnet und dürfte um 1500 entstanden sein. Damit zählt es zu den ältesten erhaltenen privaten Wohn- und Lagergebäuden in Zeil am Main.[1.1]

Architektur

Vorderhaus (1689)

Das Vorderhaus besitzt ein massives Erdgeschoss und einen reich verzierten Fachwerkoberstock. Das Erdgeschoss wurde im 20. Jahrhundert durch den Einbau einer Bank stark verändert; die ursprüngliche Tordurchfahrt wurde zu einem Schaufenster umgestaltet, kleine Fenster zu größeren Öffnungen zusammengefasst und ein zusätzlicher Eingang eingebaut. Erhalten blieb die rundbogige Einfahrt mit spätgotischem Profil und der Inschrift „H 1689 R“. Ursprünglich befanden sich geohrte Fenster anstelle der heutigen Tür- und Schaufensteranlagen. Im Fachwerk des Obergeschosses sind drei Inschriften zu erkennen: die über die gesamte Breite verlaufende Jahreszahl „1689“, das Kürzel „HRDI“ sowie „IHZ“. Letzteres verweist eindeutig auf den Zimmermann Jörg Hofmann, der sich hier selbstbewusst verewigt hat und durch mehrere ähnliche Bauten in Oberfranken bekannt wurde. „HRDI“ wird heute allgemein als Hinweis auf Hans Rügheimer den Jüngeren gedeutet, einen Schwager Hofmanns, der als Bauherr in Frage kommt. Bauherr und Baujahr erscheinen zudem im Scheitelstein der ehemaligen Tordurchfahrt. Berühmt ist das Haus vor allem wegen seiner farbig gefassten Fachwerkschnitzerei im Obergeschoss: Neidköpfe, Tierdarstellungen und Weinreben sind kunstvoll mit ornamentalen Elementen verschlungen. Die Brüstungsfelder zeigen Masken, Frauenköpfe und Pferde, die Konsolen tragen Eierstabmotive. Ursprünglich besaß das Innere stuckierte Decken und eine repräsentative Raumaufteilung, die jedoch durch Umbauten in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts weitgehend zerstört oder überformt wurden.[1.1][1.2][1.3]

Der Stil von Jörg Hofmann zeichnete sich dadurch aus, dass er die bis dahin flächenhafte Gestaltung des Fachwerks durch plastische Formen aufbrach und damit eine dekorative Wirkung erzielte, die bislang nur im Steinbau möglich war. Besonders auffällig sind die rebenumschlungenen Fensterpfosten, unter denen eine geschnitzte Drossel dargestellt ist, die Trauben stiehlt. Die Ornamentik verweist zugleich auf den lokalen Weinbau und die frühere Nutzung als Gastwirtshaus.[1.1][1.2][1.3] Das Jörg-Hofmann-Haus gilt als Erstlingswerk des Zeiler Zimmermeisters und zeigt im Vergleich zu seinen späteren Bauten noch stilistisch „anfängerhafte“ Züge. Dennoch markiert es einen wichtigen Schritt in der Entwicklung seiner Kunst. Bemerkenswert sind die ungewöhnlichen Fratzen und Gesichter, die in der Region selten vorkommen und vermutlich auf Eindrücke zurückgehen, die Hoffmann während seiner Militärzeit oder auf handwerklicher Wanderschaft gesammelt hatte. Damit verbindet das Haus lokale Tradition mit überregionalen Einflüssen und dokumentiert den Beginn einer neuen Phase fränkischer Fachwerkbaukunst.[2]

Hinterhaus (erste Hälfte 16. Jahrhundert)

Das giebelständige Gebäude entstand vermutlich im frühen 16. Jahrhundert. Es weist typische Merkmale spätmittelalterlicher Bauweise auf, darunter Kreuzstreben, ein liegender Dachstuhl und die Kombination von Zapfen- und Blattverbindungen. Ursprünglich besaß es einen eigenen Giebel, heute sind die Dächer von Vorder- und Hinterhaus miteinander verbunden. Die große Halle im Inneren war nicht beheizbar und diente wahrscheinlich als Lagerraum, was auf einen Bauherrn aus dem Kaufmannsstand schließen lässt.[1.2]

Bau- und Besitzgeschichte

Der ursprüngliche Bauherr des Hinterhauses ist nicht bekannt. Das Vorderhaus von 1689 deutet auf einen wohlhabenden Auftraggeber hin. Das Monogramm „HRDI“ wird heute als Hinweis auf Hans Rügheimer den Jüngeren verstanden, während „IHZ“ den Zimmermann Jörg Hofmann bezeichnet. 1730 befand sich das Anwesen im Besitz der Familie Weinmann. Um 1740 erwarb es Johann Friedrich Rosenzweig, Ingenieur im Dienst des Fürstbistums Bamberg und zeitweise Stadtschreiber in Zeil. 1750 ging das Haus an Hans Conrad Popp über, den Eigentümer des benachbarten Gasthofs „Zum roten Ross“. Seitdem ist es im Besitz der Familie Popp. In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts war im Gebäude die Volksbank untergebracht.[1.1][1.2][1.3]

Bedeutung

Das Jörg-Hofmann-Haus gilt als eines der bedeutendsten Beispiele für die Fachwerkbaukunst des 17. Jahrhunderts in Zeil am Main und zugleich als eines der ältesten erhaltenen privaten Gebäude der Stadt. Nur wenige Häuser – etwa Marktplatz 4 und Lange Gasse 3 – sind älter. Das reich ausgestattete Vorderhaus unterstreicht die repräsentative Funktion des Anwesens, während das Hinterhaus ein seltenes Zeugnis spätmittelalterlicher Ständerbauweise darstellt. Die Annahme, es handle sich um eine „Morgengabe“ des Zimmermanns Jörg Hofmann an seine Frau, wird von der Forschung als unbegründet angesehen.[1.2]

Mit seiner Kunst beschritt Jörg Hofmann neue Wege und war seinen Handwerksgenossen weit voraus. Er erfüllte damit den Wunsch nach einem „Steinbau in Holz“, was nicht nur der dekorativen Wirkung diente, sondern auch der Verminderung der Feuersgefahr und dem zunehmenden Holzmangel Rechnung trug. Für ein Fachwerk dieser Größe wurden rund 80 bis 100 Baumstämme benötigt.[1.3]

Commons: Jörg-Hofmann-Haus (Zeil am Main) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Jörg-Hoffmann-Haus. In: denkmal-zeil.de. Abgerufen am 23. November 2025.
    1. a b c d Hauptstraße 3
    2. a b c d e Das Bürgerhaus im östlichen Unterfranken
    3. a b c d Leisentritt: Spaziergang durch Zeil
  2. Brigitte Krause, Heinrich Weisel: Der Zimmermann Jörg Hofmann, ein historisches Verwirrspiel. In: hbrech.tripod.com (im Internet Archive). 1997, abgerufen am 23. November 2025.

Koordinaten: 50° 0′ 34,9″ N, 10° 35′ 41,7″ O