Yamawaki Iwao

Yamawaki Iwao (japanisch 山脇 巌, wirklicher Name: Iwao Fujita, * 29. April 1898 in Nagasaki, Japan; † 8. März 1987 in Minato, Tokio) war ein japanischer Fotograf und Architekt, der am Bauhaus in Dessau ausgebildet wurde.[1]

Leben

Iwao Yamawaki wurde 1898 in Nagasaki geboren. Von 1921 bis 1926 studierte er Architektur an der heutigen Tokyo University of the Arts (ehemals Tokyo School of Fine Arts). Nach seinem Abschluss arbeitete er als Architekt bei der Yokogawa Construction Company in Tokio. In dieser Zeit begann er, Fotografien von Gebäuden und Stadtansichten anzufertigen, die in architekturbezogenen Publikationen veröffentlicht wurden. Parallel dazu engagierte er sich in der Avantgarde-Theaterszene Tokios und gründete 1926 gemeinsam mit Senda Koreya das Theater Ningyō-za. Zudem war er Mitglied der Künstlergruppe Tan-i sanka, die sich experimentellen Ausdrucksformen widmete.[1][2]

1928 heiratete er Michiko Yamawaki, die Tochter eines wohlhabenden Unternehmers, und nahm ihren Familiennamen an. Dank der finanziellen Unterstützung ihrer Familie konnten beide ein Studium am Bauhaus in Dessau aufnehmen. Im Herbst 1930 reisten sie nach Deutschland und belegten zunächst den Vorkurs bei Josef Albers. Während Michiko im April 1931 in die Webereiwerkstatt wechselte, ging Iwao in die Fotoklasse von Walter Peterhans. Er pflegte enge Kontakte zu Bauhaus-Künstlern, darunter Kurt Kranz, der ihn in die Technik der Fotomontage einführte. In dieser Zeit fertigte Yamawaki zahlreiche Fotografien des Bauhaus-Gebäudes in Dessau sowie moderner Architektur in Berlin, Amsterdam und Moskau an. 1932 entstand seine Fotomontage Der Schlag gegen das Bauhaus, mit der er auf die politischen Angriffe gegen die Institution reagierte.[3] Nach der Schließung des Bauhauses kehrten Iwao und Michiko im Jahr 1932 nach Japan zurück.[2]

In Tokio lehrte Iwao Yamawaki am Shinkenchiku Kōgei College, das häufig als „Japanisches Bauhaus“ bezeichnet wurde. 1934 errichtete er für sich und seine Frau ein Wohnhaus, dessen Gestaltung sich an den Meisterhäusern in Dessau orientierte und das mit Möbeln aus Deutschland, darunter Marcel BreuersWassily“-Sessel, ausgestattet war. In den späten 1930er Jahren widmete sich Yamawaki wieder stärker der Architektur. Für die New Yorker Weltausstellung von 1939–1940 entwarf er die Innenausstattung des japanischen Pavillons. Nach dem Zweiten Weltkrieg war Yamawaki weiterhin als Architekt tätig und setzte sich gemeinsam mit seiner Frau für die Vermittlung der Bauhaus-Ideen in Japan ein. 1954 und 1971 organisierten die Yamawakis Bauhaus-Ausstellungen in Japan. 1995 veröffentlichte Michiko Yamawaki das Buch Das Bauhaus und die Tee-Zeremonie, in dem sie die Rezeption der Bauhaus-Lehre in Japan reflektierte.[4][2]

Werk

Iwao Yamawaki ist vor allem für seine fotografischen Arbeiten aus der Bauhaus-Zeit bekannt, in denen er die Prinzipien des Neuen Sehens aufgriff. Seine Fotografien zeigen moderne Architektur aus ungewöhnlichen Blickwinkeln, beispielsweise in Form von extremen Nahaufnahmen, Schrägansichten und Mehrfachbelichtungen. Damit verdeutlicht er den Einfluss von László Moholy-Nagy und Walter Peterhans. Neben Architekturfotografien schuf Iwao Yamawaki auch Stillleben, Porträts, Produktaufnahmen und experimentelle Kompositionen.[5] In seinen Werken verband er westliche Gestaltungskonzepte des Bauhauses mit Elementen der japanischen Bildtradition. In seiner späteren architektonischen Tätigkeit entwickelte Iwao Yamawaki einen Stil, der westliche Moderne und japanische Formensprache vereinte. Seine Arbeiten gelten als wichtiger Beitrag zur Etablierung moderner Architektur- und Designprinzipien in Japan in der Zwischenkriegs- und Nachkriegszeit.

Literatur

  • Mariko Takagi: Yamawaki Michiko – eine japanische Bauhausgeschichte. form + zweck Verlag, Berlin, 2019.
  • Folke Dietzsch: Die Studierenden am Bauhaus. Eine analytische Betrachtung zur strukturellen Zusammensetzung der Studierenden, zu ihren Studien und Leben am Bauhaus sowie zu ihrem späteren Wirken, Diss. A, Hochschule für Architektur und Bauwesen, Weimar 1991, 2 Bde.
  • Karl Lagerfeld (Hrsg.): Iwao Yamawaki (Editions 7L). Steidl Verlag, Göttingen 1999.
  • Michiko Yamawaki: バウハウスと茶の湯 / Bauhausu to chanoyu. Shinchōsha, Tōkyō, 1995.
Commons: Iwao Yamawaki – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. a b Personenlexikon Bauhaus / Bauhaus Biographies - Forschungsstelle Bauhaus Community. Abgerufen am 3. November 2025.
  2. a b c Folke Dietzsch: Die Studierenden am Bauhaus. Eine analytische Betrachtung zur strukturellen Zusammensetzung der Studierenden, zu ihren Studien und Leben am Bauhaus sowie zu ihrem späteren Wirken. Hrsg.: Hochschule für Architektur und Bauwesen. Weimar, S. 1991.
  3. „Der Schlag gegen das Bauhaus“. Abgerufen am 3. November 2025 (deutsch).
  4. Michiko Yamawaki: : バウハウスと茶の湯 / Bauhausu to chanoyu. Tōkyō 1995.
  5. Iwao Yamawaki - Iwao Yamawaki. Abgerufen am 3. November 2025 (englisch).