Iwan Kutschuhura-Kutscherenko
Iwan Kutschuhura-Kutscherenko (ukrainisch Іван Кучугура-Кучеренко, englisch Ivan Kuchuhura-Kucherenko; * 7. Juli 1878 in Murafa (Bohoduchiw), Gouvernement Poltawa; † 24. November 1937 in Charkiw) war ein ukrainischer Kobsar, Bandurist und einer der letzten authentischen Vertreter der lebendigen Kobsaren-Tradition, die in den 1930er Jahren infolge der stalinistischen Repressionen nahezu vollständig zerstört wurde. Kutschuhura-Kutscherenko wurde 1937 vom NKWD hingerichtet.
Leben und Wirken
Kutschuhura-Kutscherenko verlor in seiner Kindheit sein Augenlicht und wandte sich früh dem Kobsarismus zu. Seine erste Ausbildung erhielt er bei Stepan Bidyla und Pawlo Haschtschenko.[1] Bereits in jungen Jahren galt er als herausragender Sänger und Interpret der Dumy, traditioneller ukrainischer epischer Lieder.
Kutschuhura-Kutscherenko nahm 1902 am von Hnat Chotkewytsch organisierten Auftritt ukrainischer Kobsaren auf dem XII. Archäologischen Kongress in Charkiw teil.[2] 1906 erhielt er auf Empfehlung von Dmytro Jawornyzkyj Unterricht im Banduraspiel bei Opanas Slastion in Myrhorod. Anschließend reiste er nach Galizien.[3] Von 1908 bis 1910 unterrichtete er auf Einladung Mykola Lyssenkos das Fach Kobsa an dessen Musikschule in Kyjiw.[4] 1912 gastierte Kutschuhura-Kutscherenko in Warschau sowie weiteren Städten Polens und nahm dort ukrainische Lieder für Schallplatten auf. Filaret Kolessa hat die von ihm vorgetragenen Dumas aufgezeichnet und sie 1910 sowie 1913 in Lwiw veröffentlicht.[5] 1913 unternahm Kutschuhura-Kutscherenko eine dreimonatige Reise nach Sankt Petersburg, bei der er rund 40 Auftritte absolvierte, gefolgt von Konzerten in Moskau. 1917 tourte er durchs Kuban-Gebiet.
Nach der Ausrufung der Unabhängigkeit der Ukraine von Russland unterstützte Kutschuhura-Kutscherenko den Aufbau des neuen ukrainischen Staates. Zusammen mit dem Rezitator Pawlo Tsymbal und Kost Danylenko bildete er ein Trio, das durch die Ukraine reiste, Proswita-Vereine gründete und Kobsa-Konzerte gab.[6] Kutschuhura-Kutscherenkos Repertoire umfasste mehr als 500 Lieder, darunter zahlreiche eigene Kompositionen. 1925 wurde Kutschuhura-Kutscherenko der Titel „Volkskünstler der USRR“ verliehen.
Nach dem sogenannten Fall der Union zur Befreiung der Ukraine im Jahr 1930 wurde ihm das öffentliche Auftreten untersagt.[7] Am 8. November 1937 beschloss die Troika des NKWD, Kutschuhura-Kutscherenko zum Tode durch Erschießen zu verurteilen. Um die tatsächlichen Umstände zu verschleiern, verbreiteten die Behörden später das Gerücht, er sei lediglich deportiert worden und 1942 von der deutschen Besatzungsmacht ermordet worden.[8]
Weblinks
Siehe auch
Einzelnachweise
- ↑ У народнього артиста-кобзаря І.Й. Кучугури-Кучеренка. In: Всесвіт. Nr. 33. Charkiw 1929 (karazin.ua).
- ↑ Гнат Хоткевич: До історії кобзарської справи. In: Червоний шлях. Nr. 5(50). Державне видавництво України, Charkiw 1927 (ostromir.xyz).
- ↑ Jaroslav Poleschuk: Іван Йович Кучугура-Кучеренко. In: Херсонська обласна універсальна наукова бібліотека імені Олеся Гончара. 7. Juli 2023, abgerufen am 23. November 2025 (ukrainisch).
- ↑ Сумський історичний портал: Кобзар І. І. Кучугура-Кучеренко [до його виступу в Сумах]. 9. November 2016, abgerufen am 23. November 2025 (ukrainisch).
- ↑ Філарет Колесса: Мелодії українських народних дум. (org.ua [PDF]).
- ↑ Інна Можейко: Кобзар з Харківщини vs влада: як Іван Кучугура-Кучеренко Україну захищав. In: Слобідський край. 25. September 2025, abgerufen am 23. November 2025 (ukrainisch).
- ↑ Wiktor Mischalow: Діяч із бандурою. In: Україна Молода. 8. Juli 2008, abgerufen am 23. November 2025 (ukrainisch).
- ↑ УІНП: 1878 - народився Іван Кучугура-Кучеренко, кобзар. Abgerufen am 23. November 2025 (ukrainisch).