Ivy Pinchbeck
Ivy Pinchbeck (* 9. April 1898 in Derby, Derbyshire; † 10. Mai 1982 in Exmouth, Devon) war eine englisch-britische Wirtschafts- und Sozialhistorikerin, spezialisiert auf Frauengeschichte.[1] Ihr Buch von 1930, Women Workers and the Industrial Revolution, 1750–1850, war eine bahnbrechende Arbeit in der Frauengeschichte und in den folgenden fünfzig Jahren von großem Einfluss. Sie kam zu dem Schluss, dass Frauen durch die Industrielle Revolution insgesamt mehr gewannen als verloren, verglichen mit den Gefahren sowie den unhygienischen und harten Arbeitsbedingungen der vorherigen Epoche.[2]
Leben
Pinchbeck war die Tochter von Elizabeth Hanson und Henry Pinchbeck, einem Verischerungsagenten. Sie studierte an der University of Nottingham und schloss 1920 mit einem Bachelor of Arts ab. Danach unterrichtete sie mehrere Jahre Geschichte an der Queen Mary’s High School in Walsall. Sie begann ein weiterführendes Studium der Wirtschaftsgeschichte an der London School of Economics and Political Science (LSE), wo sie 1927 den Magister of Arts. und 1930 später den Doktortitel erwarb. Danach erhielt sie eine Dozentenstelle am Department of Sociology, Social Studies and Economics am Bedford College, einem Frauen-College der University of London seit seiner Gründung 1849 bis zur Zulassung von Männern 1965. Pinchbeck behielt die Position während ihres gesamten Berufslebens. Sie wurde Reader in Wirtschaftsgeschicht, bevor sie 1961 in den Ruhestand trat.
Pinchbecks Forschung wurde zunächst von Lilian Knowles betreut und stark beeinflusst, die Wirtschaftsgeschichte an der LSE von 1904 bis zu ihrem Tod 1926 lehrte, und später von Eileen Power, die den Lehrstuhl übernahm. Zu ihren Zeitgenossinnen gehörten Dorothy Marshall, Alice Clark und Dorothy George. Pinchbecks bleibender Beitrag zur Wirtschafts- und Sozialgeschichte zeigt sich in zwei bedeutenden Monografien, die jeweils eine vernachlässigte Gruppe untersuchten und eine Lücke in der historischen Literatur schlossen.
Ihr erstes Werk Women Workers and the Industrial Revolution, 1750–1850, das auf ihrer Dissertation basiert, gehört zu den Klassikern der Wirtschafts- und Sozialgeschichte, die in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts von Frauen verfasst wurden. Pinchbeck argumentierte, dass die Industrielle Revolution langfristig die Beschäftigungsmöglichkeiten für Frauen erhöhte, ihre soziale und wirtschaftliche Stellung verbesserte und daher ein befreiender Faktor war. Diese Schlussfolgerung stand im Gegensatz zur früheren Ansicht von Alice Clark, die glaubte, dass der industrielle Kapitalismus für den Ausschluss von Frauen aus der bezahlten Arbeit verantwortlich sei und somit eine entscheidende Rolle bei der Unterdrückung moderner Frauen gespielt habe.
Pinchbecks zweite bedeutende Monografie, Children in English Society ist eine detaillierte, politikorientierte Untersuchung der Geschichte von Kindern und Kinderarbeit von der Tudorzeit bis in die 1950er Jahre. Sie beschriebt die Lebensbedingungen armer und verwaister Kinder vom 16. bis zum 20. Jahrhundert und erörtert, wie sich gesetzliche und freiwillige Reaktionen auf diese Bedingungen im Laufe der Zeit veränderten. Die Arbeit beschäftigte sie fast zwanzig Jahre und wegen anhaltenden gesundheitlichen Problemen wurde sie nur Hilfe von Margaret Hewitt, einer ehemaligen Studentin und späteren Senior Lecturer an der Universität Exeter, fertiggestellt und erschien schließlich 1969. Die Arbeit entstand aus einer Reihe von Vorlesungen für Postgraduierte im Bereich der Kinderfürsorge. Teile erschienen Mitte der 1950er Jahre in Artikelform im British Journal of Sociology.
Pinchbeck lebte in Long Crendon, Buckinghamshire, zog aber kurz vor ihrem Tod nach Exeter. Sie starb unverheiratet 1982 in einem Pflegeheim in Exmouth. Ihr Leichnam wurde eingeäschert.
Werke (Auswahl)
- Women workers and the industrial revolution, 1750–1850 (= Studies in economic and social history. Band 1). Routledge, London 1930.
- Social Attitudes to the Problem of Illegitimacy. In: British Journal of Sociology. Band 5, Dezember 1954, S. 309–323.
- State and the Child in Sixteenth-Century England. In: British Journal of Sociology. Band 7, Dezember 1956, S. 273–285.
- State and the Child in Sixteenth-Century England (continued). In: British Journal of Sociology. Band 8, März 1957, S. 59–74.
- Mit Margaret Hewitt: Children in English Society: From Tudor times to the eighteenth century, Band 1. Routledge & K. Paul, London 1969.
- Mit Margaret Hewitt: Children in English Society: From the Eighteenth Century to the Children Act 1948, Band 2. Routledge & K. Paul, London 1969.
Einzelnachweise
- ↑ Sofern nicht explizit anders angegeben folgt die Darstellung Katrina Honeyman: Pinchbeck, Ivy (1898–1982). In: H. C. G. Matthew und Brian Harrison (Hrsg.): Oxford Dictionary of National Biography. Oxford 23. September 2004, doi:10.1093/ref:odnb/74424.
- ↑ Margaret Shkimba: Pinchbeck, Ivy. In: Kelly Boyd (Hrsg.): Encyclopedia of Historians and Historical Writing, Band 2. Taylor & Francis, London 1999, ISBN 978-1-884964-33-6, S. 921 f. (google.com).