Iver Iversen

Iver Peder Iversen (* 25. August 1884 in Fåborg (Varde Kommune); † 18. Januar 1968 in Kongens Lyngby[1]) war ein dänischer Maschinist[2][3], der als freiwilliger Begleiter des Polarforschers Ejnar Mikkelsen auf der Alabama-Expedition in Grönland Bekanntheit erlangte.[4] Er war der Sohn des Gastwirts und Kirchengemeinderatsvorsitzenden Niels Iversen und dessen Frau Ane Marie Mortensen.[1] Der Nunatak Kap Iversen im Nordosten Grönlands ist nach ihm benannt.[3] Auf einer Karte aus dem Jahr 1991 ist zudem eine Halbinsel an der Küste von Kilen im Nordosten Grönlands als Iver Pynt nach ihm benannt, letzterer ist jedoch kein vom grönländischen Ortsnamenausschuss akzeptierter offizieller Name.[5]

Über seine Biographie ist wenig bekannt. In einem Interview beschrieb Naja Mikkelsen, die Enkelin von Ejnar Mikkelsen, Iver Iversen als gutmütigen und fröhlichen Mann.[6] Seine Ausbildung zum Maschinisten erhielt Iversen in einer Maschinenwerkstatt in Esbjerg.[7] Im Sommer 1909 war er als Maschinist an Bord des dänischen Marineschiffes Islands Falk in Island, als der dänische Polarforscher Ejnar Mikkelsen mit seiner Alabama-Expedition dort nach einem Ersatz für den ursprünglichen Maschinisten der Expedition H. Aagaard suchte, der krankheitsbedingt die Expedition verlassen musste.[8]

Die Alabama-Expedition 1909–1912

Als dessen Ersatz-Maschinist kam Iver Iversen an Bord der Alabama, dem namensgebenden Schiff der Expedition, nachdem er von der Marine freigestellt wurde.[9] Hauptziel der Alabama-Expedition war es, die Tagebücher und weitere Aufzeichnungen der Polarforscher Ludvig Mylius-Erichsen und Niels Peter Høeg-Hagen zu finden, die zwei Jahre zuvor in Grönland während der Danmark-Expedition ums Leben kamen. Bis dahin waren lediglich die Leiche und die Aufzeichnungen deren Begleiters Jørgen Brønlund 1908 gefunden worden. Die noch vermissten Aufzeichnungen von Mylius-Erichsen und Høeg-Hagen waren von großer Bedeutung, da die Danmark-Expedition den damals noch letzten unbekannten Küstenverlauf im Nordosten Grönlands erkundete und kartierte, und damit Dänemarks Souveränität über das Gebiet untermauerte.[10][11]

Im Oktober 1909 unternahmen Ejnar Mikkelsen, Carl H. Jørgensen und Iver Iversen einen ersten Versuch, Mylius-Erichsen und Høeg-Hagen und deren Tagebücher zu finden, jedoch erfolglos. Sie erreichten zwar die Hütte der vorherigen Danmark-Expedition, fanden jedoch lediglich Brønlunds Skizzenbuch. Auf dem Rückweg zur Alabama erfror sich Jørgensen die Füße, so dass er für den Rest der Expedition ausfiel und Mikkelsen bei einem erneuten Versuch im Frühjahr 1910 nicht mehr begleiten konnte.[12] Nachdem Iver Iversen der einzige war, der sich freiwillig meldete, verließen Mikkelsen und Iversen am 4. März 1910 erneut die Alabama in Richtung Norden. Ihr Ziel war nun der Danmark Fjord, da sie aus den gefundenen Aufzeichnungen Brønlunds wussten, dass sich Mylius-Erichsen und seine Begleiter dort im Sommer 1907 aufhielten.[12] Am 22. Mai 1910 fanden Mikkelsen und Iversen eine erste Nachricht von Mylius-Erichsen und wenige Tage später weitere Aufzeichnungen, die belegten, dass Grönland aus einer Landmasse besteht, und nicht wie zuvor vom amerikanischen Polarforscher Robert Peary behauptet, durch einen Kanal in eine südliche und eine nördliche Hälfte geteilt ist. Zu dem Zeitpunkt befanden sich die beiden 890 Kilometer von der Alabama entfernt und traten von hier die Rückreise an. Die Rückreise wurde durch aufbrechendes Meereis im Sommer erschwert. Zudem erkrankte Mikkelsen auf der Rückreise, vermutlich an Skorbut, konnte zeitweise nicht mehr selbst gehen und hätte ohne Iversens Hilfe die Rückkehr wohl nicht geschafft.[13] Erst am 25. November erreichten sie den Ankerplatz der Alabama, fanden dort aber kein Schiff mehr vor, sondern lediglich noch das Wrack des vom Eis zerdrückten Schiffes und eine aus Wrackteilen zusammengezimmerte Hütte. Diese war jedoch leer, nachdem die restliche Mannschaft der Alabama im Juli 1910 von einem Robbenfänger an Bord genommen worden war. Mikkelsen und Iversen verbrachten nun den Winter in dieser Hütte[14], bevor sie sich im Frühjahr nochmals auf den Weg nach Norden machten, nach Skærfjorden. Dort hatten sie auf der Rückreise im Jahr zuvor ihre wertvollen Tagebücher und Aufzeichnungen zurückgelassen, ungewiss ob sie es zurück bis zum Ankerplatz der Alabama schaffen würden. Einen Teil der deponierten Dokumente konnten sie wiederfinden, jedoch war zwischenzeitlich das Depot von einem Eisbären zerstört worden und ein Großteil von Mikkelsens Tagebüchern verschwunden. Da jedoch Iversens Tagebücher den fehlenden Zeitraum abdeckten, war der Verlust nicht allzu groß.[9] Zurück in der Hütte am ehemaligen Ankerplatz der Alabama verbrachten sie dort einen weiteren Winter, ehe sie am 19. Juli 1912 vom norwegischen Kapitän Paul Lillenes mit seinem Robbenfänger Sjöblomsten entdeckt und mit nach Ålesund genommen wurden.[15]

Rückkehr nach Dänemark

Zurück in Dänemark wurden beide Polarforscher mit der dänischen Verdienstmedaille (fortjenstmedaljen) in Gold geehrt.[16] Während Mikkelsen nach seiner Rückkehr aus Grönland mehrere Bücher veröffentlichte, seine Karriere als Polarforscher fortsetzte und weiterhin auch eng mit Grönland verbunden blieb[17], nahm Iversen den Dienst bei der dänischen Marine im August 1912 wieder auf und diente auf dem Marineschiff Lossen.[9][3] Über sein weiteres Leben ist wenig bekannt. 1913 heiratete Iversen Dagmar Schou[18] und arbeitete nun als Maschinist bei der Dansk Gardin & Textil Fabrik in Lyngby. Zudem ist bekannt, dass er Landwirtschaft betrieb auf den Höfen Brandegården bei Varde, und Furesøgård bei Holte, nördlich von Lyngby gelegen.[3] Iversen und Mikkelsen blieben bis an sein Lebensende 1968 befreundet.[6]

Literatur und Verfilmungen

Das Expeditionstagebuch von Iver Iversen wurde 1962 veröffentlicht.[9]

Die Ereignisse in Grönland um Mikkelsen und Iversen wurden 1972 in dem Dokumentarfilm To mænd i ødemarken von Jørgen Roos erzählt.[19] Auch das Filmdrama Against the Ice des dänischen Regisseurs Peter Flinth aus dem Jahr 2022 erzählt die Geschichte der beiden Polarforscher. Der Film basiert auf den von Ejnar Mikkelsen verfassten Reiseerinnerungen Farlig tomandsfærd.[8] Iversen wird im Film vom britischen Schauspieler Joe Cole gespielt.

Einzelnachweise

  1. a b Kirchenbuch. In: rigsarkivet.dk. 18. Januar 1968, abgerufen am 23. Oktober 2025 (dänisch).
  2. Ejnar Mikkelsen: Iver P. Iversen. In: Tidsskriftet Grønland. Nr. 4, 1968, S. 127 f. (dänisch, tidsskriftetgronland.dk [PDF; 145 kB]).
  3. a b c d Østgrønlandske Stednavne. In: arktiskinstitut.dk. 24. Juli 2024, abgerufen am 23. Oktober 2025 (dänisch).
  4. Ejnar Mikkelsen. In: Dansk Biografisk Leksikon. 23. April 2023, abgerufen am 22. Oktober 2025 (dänisch).
  5. Anthony K. Higgins: Exploration history and place names of northern East Greenland. In: GEOLOGICAL SURVEY OF DENMARK AND GREENLAND BULLETIN. Band 21. De Nationale Geologiske Undersøgelser for Danmark og Grønland (GEUS), 2010, ISBN 978-87-7871-292-9, S. 206.
  6. a b Den yderste grænse. (pdf) In: Vores Tid - Nationalmuseets mediehus. Abgerufen am 23. Oktober 2025 (dänisch).
  7. Ejnar Mikkelsen: Lost in the Arctic. George H. Doran, New York 1913, S. 126 (englisch, archive.org).
  8. a b Ejnar Mikkelsen: Farlig tomandsfærd. Gyldendal, 2022, ISBN 978-87-02-33299-5 (gyldendal.dk).
  9. a b c d Ejnar Mikkelsen. In: www.aerenlund.dk. Abgerufen am 23. Oktober 2025 (dänisch).
  10. Mikkel Bøgholm Frederiksen: Videnskaben som motiv? Danmark-Ekspeditionens interesser i indlemmelse og suverænitet. Masterarbeit, Universität Aalborg, Aalborg 2019, (PDF; 732 kB).
  11. Spencer Apollonio: Lands that Hold One Spellbound. University of Calgary Press, 2008, ISBN 978-1-55238-240-0, S. 101–120.
  12. a b Spencer Apollonio: Lands that Hold One Spellbound. University of Calgary Press, 2008, ISBN 978-1-55238-240-0, S. 124 ff.
  13. William James Mills: Exploring Polar Frontiers: A Historical Encyclopedia. Bloomsbury Publishing, 2003, ISBN 978-1-57607-423-7, S. 428.
  14. Spencer Apollonio: Lands that Hold One Spellbound. University of Calgary Press, 2008, ISBN 978-1-55238-240-0, S. 133.
  15. Spencer Apollonio: Lands that Hold One Spellbound. University of Calgary Press, 2008, ISBN 978-1-55238-240-0, S. 134–135.
  16. Søren Andreasen: Ejnar Mikkelsen og oprettelsen af kolonien Scoresbysund. Bachelorarbeit, Institut für Kultur- und Sozialgeschichte, Universität von Grönland, Nuuk 2009 (dänisch, da.uni.gl [PDF; 251 kB]).
  17. Ejnar Mikkelsen. In: SNL – Store Norske Leksikon. 25. November 2024, abgerufen am 23. Oktober 2025 (norwegisch).
  18. Kirchenbuch. In: rigsarkivet.dk. 29. Oktober 1913, abgerufen am 23. Oktober 2025 (dänisch).
  19. To mænd i ødemarken. In: Det Danske Filminstitut. 1972, abgerufen am 23. Oktober 2025 (dänisch).