Itege
Itege (amharisch እቴጌ ǝtege, auch ǝte, ite, ǝtey, ǝteyye, iteyye und ǝtäge) war der Titel einer gekrönten Gemahlin des Negus Negest (Kaisers) von Äthiopien und etwa gleichbedeutend mit Kaiserliche Hoheit.[1] Der vom Kaiser verliehene Titel konnte nur von einer einzigen Frau getragen werden und ging erst nach ihrem Tod auf eine andere über.[2] Mitunter wurde die Kurzform Ite auch von den nächsten Verwandten des regierenden Kaisers verwendet.
Geschichte
Itege wurde am äthiopischen Kaiserhof wahrscheinlich als Ersatz für den Hauptfrauentitel Baltihat eingeführt, der mit Eleni (um 1431–1522), Frau von Zara Yaqob (reg. 1434–1468), verschwand. Der Titel ist erst im 16. Jahrhundert nachweisbar, wurde in den Quellen aber auch auf frühere Zeiten angewandt.[3]
Gemäß der Hofordnung nahm die Itege rechts neben dem Kaiserthron auf einem kleinen Thron Platz. Der Tradition nach wurde sie drei Tage nach dem Kaiser gekrönt. Die Krönung von Menelik II. und Taytu Betul im Jahr 1889 fand zum ersten Mal gleichzeitig statt.
Die einzige äthiopische Monarchin suo jure, Kaiserin Zauditu (reg. 1916–1930) trug den Titel Negiste Negest („Königin der Könige“).[4] Jedoch sind Fälle überliefert, in denen die Gemahlin des Kaisers nach dessen Tod mit dem Titel Itege regierte – etwa Mentewab (um 1706–1773), die Mitregentin ihres Sohnes Iyasu II. (reg. 1730–1755) und ihres Enkels Iyoas I. (reg. 1755–1769) war.[5]
Etymologie
Das Wort Itege setzt sich aus dem etymologisch unerschlossenen Bestandteil It, dem Personalsuffix -e, das ansonsten Würdenträger des Kaisers kennzeichnet, und dem suffigierten Element -ge („Ort, Platz“) zusammen, das semantische Ähnlichkeit zu arabischen Titelformen aufweist.[6] Joseph-Émile Baeteman gibt in seinem Dictionnaire Amarigna-Français (1929) als Wortherkunft altäthiopisch እግዝእተ፡ጌ ǝgǝzǝǝtä ge, deutsch ‚Herrin der Erde‘ an.[7]
Trägerinnen (Auswahl)
- Mentewab (um 1706–1773), Frau von Asma Sagad
- Taytu Betul (um 1851–1918), vierte Frau von Menelik II. (Itege seit 1889)
- Menen Asfaw (1889–1962), zweite Frau von Haile Selassie
Siehe auch
Literatur
- Hanna Rubinkowska: Ǝtege. In: Encyclopaedia Aethiopica. Band 2: D–Ha. Harrassowitz, Wiesbaden 2005, ISBN 3-447-05238-4, S. 392.
Einzelnachweise
- ↑ Andrzej Bartnicki, Joanna Mantel-Niećko: The Role and Significance of the Religious Conflicts and People’s Movements in the Political Life of Ethiopia in the Seventeenth and Eighteenth Centuries. In: Rassegna di Studi Etiopici. Band 24, 1969, S. 5–39, hier: S. 23 (Fn. 2), JSTOR:41299587.
- ↑ Chris Prouty Rosenfeld: Eight Ethiopian Women of the “Zemene Mesafint” (c. 1769–1855). In: Northeast African Studies. Band 1, Nr. 2, 1979, S. 63–85, hier: S. 63, JSTOR:43660013.
- ↑ Margaux Herman: Towards a History of Women in Medieval Ethiopia. In: Samantha Kelly (Hrsg.): A Companion to Medieval Ethiopia and Eritrea. Brill, Leiden 2020, ISBN 978-90-04-43027-3, S. 365–394, hier S. 388–389, doi:10.1163/9789004419582_014.
- ↑ Jakob Zollmann: Ethiopia. In: 1914-1918-online. International Encyclopedia of the First World War. 26. August 2020, abgerufen am 20. September 2025.
- ↑ Donald Crummey: Land and Society in the Christian Kingdom of Ethiopia. From the Thirteenth to the Twentieth Century. University of Illinois Press, Urbana/Chicago 2000, ISBN 0-252-02482-6, S. 94 (archive.org).
- ↑ Manfred Kropp: «Antiquae restitutio legis». Zur Alimentation des Hofklerus und einer Zeugenliste als imago imperii und notitia dignitatum in einer Urkunde des Kaisers Zär˒a Ya˓qob im Condaghe der Hs. BM Or. 481, fol. 154. In: Denis Nosnitsin (Hrsg.): Varia Aethiopica. In Memory of Sevir B. Chernetsov (1943–2005) (= Scrinium. Revue de Patrologie, d’Hagiographie Critique et d’Histoire Ecclésiastique. Band 1). Byzantinorossica, Sankt Petersburg 2005, ISBN 5-88483-058-0, S. 115–147, hier: S. 132 (Fn. 51), doi:10.1163/18177565-90000131 (Nachdruck: Gorgias Press, Piscataway 2009).
- ↑ Joseph Baeteman: Dictionnaire Amarigna-Français, suivi d’un vocabulaire Français-Amarigna. Imprimerie St. Lazare, Dire-Daoua 1929, Sp. 659 (uni-hamburg.de).