Islah Hassniyyeh
Islah Saied Mahmoud Hassniyyeh (geb. 29. Oktober 1949 in Gaza; gest. 22. September 2025 ebenda) war eine palästinensische Juristin und Feministin. Sie war die erste Anwältin im Gazastreifen und setzte sich über Jahrzehnte für Frauenrechte ein.
Biographie
Islah Hassniyyeh machte ihren Abschluss in Jura 1975 an der Ain-Schams-Universität in Kairo. Zurück in Gaza arbeitete sie beim Menschenrechtsanwalt Faraj al-Sarraf und eröffnete 1978 die erste von einer Frau geführte Anwaltskanzlei im Gazastreifen. Hassniyyeh war außerdem die erste Frau im Gazastreifen, die – nach einem Rechtsstreit – durchsetzte, vor Scharia-Gerichten als Anwältin auftreten zu dürfen; oft war sie dabei die einzige Frau im Gerichtssaal.[1] Auch verteidigte sie Menschen aus benachteiligten Gruppen, darunter politische Gefangene und von Unterdrückung betroffene Frauen. In den 1970er und 80er Jahren vertrat sie pro bono palästinensische Gefangene in israelischen Gefängnissen; dabei arbeitete sie mit prominenten israelischen Anwälten und Anwältinnen wie Felicia Langer zusammen. Als Feministin setzte sie sich dafür ein, Frauen über ihre Rechte – besonders rund um die Themen Erbe, Scheidung und das Personenstandsgesetz – aufzuklären, und sprach öffentlich über deren soziale Ängste.[2]
2002 ließ sich Hassniyyeh bei den Wahlen zur Palästinensischen Anwaltskammer aufstellen und wurde als erste Frau in die Kammer gewählt. Ihre Wahl schuf einen Präzedenzfall und mündete in eine dauerhafte Frauenquote in der Gaza-Abteilung des Verbandes. Auch war sie Mitglied des Rechtsausschusses der „Generalunion palästinensischer Frauen“ (GUPW). Als die Hamas nach ihrem Sieg bei der Parlamentswahl 2006 die Kontrolle über die Büros der Union übernahm, gründete sie gemeinsam mit Kolleginnen das „Frauenzentrum für Rechtsberatung und Rechtsschutz“ (CWLRCP), um ihre Unabhängigkeit zu bewahren.[2] Das Zentrum ist als NGO anerkannt.[3]
Im Zuge der Bombardements während des Krieges in Israel und Gaza seit 2023 wurde das Haus von Hassniyyeh stark beschädigt. Sie floh in den Süden des Gazastreifens, wo sie in Zelten lebte. Im Januar 2025 kehrte sie nach Gaza-Stadt zurück und bestand darauf, zwischen den Ruinen zu leben, da sie sich nicht erneut vertreiben lassen wolle.[2] Sie litt an chronischen Erkrankungen wie Diabetes und Bluthochdruck. Ohne ausreichenden Zugang zu Medikamenten und unter prekären humanitären Bedingungen verschlechterte sich ihr Gesundheitszustand rapide. Sie starb am 22. September 2025 im Alter von 75 Jahren in einem Krankenhaus. In einem Nachruf zitiert die renommierte Juristin und Publizistin Jannina Schäffer einen Kollegen von Hassniyyeh mit den Worten: „Sie war nicht nur eine Anwältin, sie war das Gewissen des Rechts in Gaza.“[1]
Einzelnachweise
- ↑ a b Jannina Schäffer: Tod von Islah Hassniyyeh: Die erste Rechtsanwältin im Gaza-Streifen. In: rsw.beck.de. 8. Oktober 2025, abgerufen am 7. November 2025.
- ↑ a b c Riham Halaseh: Feministin und Anwältin Islah Hassniyyeh: Die feministische Rechtspionierin aus Gaza. In: qantara.de. 7. November 2025, abgerufen am 7. November 2025.
- ↑ Center for Women's Legal Research & Counseling and Protection. In: cwlrc.ps. 4. August 2022, abgerufen am 7. November 2025 (englisch).