Isabella Fyvie Mayo
Isabella Fyvie Mayo, Pseudonym Edward Garrett (* 10. Dezember 1843 in West End, London; † 13. Mai 1914 in Aberdeen) war eine schottisch-britische Schriftstellerin, Dichterin, Frauenrechtlerin und Reformerin.[1][2] Mit Hilfe von Freunden veröffentlichte Fyvie Mayo unter dem Pseudonym „Edward Garrett“ Gedichte und Erzählungen.[1] Sie verbrachte den größten Teil ihres Lebens in Aberdeen, wo sie als erste Frau in ein öffentliches Gremium, das Trades Council gewählt wurde.[3] Fyvie Mayo wurde als „ethische Anarchistin, Pazifistin, Antiimperialistin und Antirassismusaktivistin“ beschrieben;[4][5] ihr Zuhause galt als „Zufluchtsort für Indische Amerikaner“.[6]
Leben
Fyvie Mayo war die jüngste von vier Töchtern und acht Kindern der schottischen Eltern George Fyvie und Margaret Thomson, die eine Bäckerei in London führten. Fünf ihrer Geschwister, darunter alle Brüder, starben im Kindesalter. Der Vater starb 1851 und die Familie geriet in finanzielle Not, da die Mutter alleine mit dem Geschäft überfordert war.[1] Nach Fyvie Mayos Autobiografie Recollections of what I saw, what I lived through, and what I learned, during more than fifty years of social and literary experience war sie ab 1860 davon in Anspruch genommen, die Schulden der Familie in Höhe von 800 Pfund zu begleichen.[7]
Die Familie ihres Vaters gehörte der Scottish Episcopal Church an, ein Vorfahr war Bischof gewesen. Die Vorfahren ihres Vaters mütterlicherseits stammten aus dem Grenzgebiet und gehörten alle den Nonkonformisten an. Zu ihren nahen Verwandten zählten die Brüder Alexander Hislop, ein Pastor der Free Church of Scotland, und Stephen Hislop, ein Missionar und Wissenschaftler in Indien. Mütterlicherseits gehörte die Familie ihrer Mutter zu einer alten Aberdeener Familie der Church of Scotland.[8] Fyvie Mayo selbst war ihr Leben lang eine nicht-konfessionelle Christin; sie schrieb, dass „der beste Ausdruck lebendigen Christentums“ die „Brüderlichkeit der Menschheit, die Sache des internationalen Friedens und die Anerkennung der Rechte der Tiere“ sei.[1]
Als Kind erzählte ihr Vater ihr die Legenden von Buchan, eines inzwischen zu Aberdeen gehörender Teil des Königreichs Alba, und Geschichten über die Farm ihres Großvaters, die seit dreihundert Jahren im Besitz der Familie war. Da sie um viele Jahre jünger war als der Rest der Familie, wurde sie in einer privaten koedukativen Schule in London unterrichtet, wo sie mehrere Auszeichnung erhielt.[8] Die Ausbildung ermöglichte ihr, die wachsende Zahl weiblicher Arbeitsvermittlungsagenturen in der Stadt zu nutzen, um in den 1860er Jahren ihren Lebensunterhalt zu verdienen, unter anderem als Schreibkraft und Sekretärin sowie in einer der Vermittlungagenturen.[1][7]
Daneben fand Fyvie Mayo jedoch Zeit, Gedichte und Erzählungen zu schreiben, und dank der Bemühungen mehrerer literarischer Förderer wurde 1867 ihr erster Roman von Alexander Strahan als Fortsetzungsroman veröffentlicht. The Occupations of a Retired Life ist die Geschichte der Geschwister Ruth und Edward Garrett und verschaffte ihr ihren Künstlernamen sowie die erhebliche Summe von 300 Pfund. Bis 1870 hatte sie die Schulden der Familie beglichen.[1]
In den folgenden zwei Jahrzehnten gab Fyvie Mayo eine Sammlung von Äsops Fabeln heraus und schrieb By Still Waters (1874), The Capel Girls (1874), Family Fortunes (1881), Thoughts and Stories for Girls (1884) und Her Object in Life (1884). Das letzte war die Geschichte einer jungen Frau, deren Bemühungen um finanzielle Unabhängigkeit immer wieder durch die Handlungen ihres unfähigen Bruders untergraben werden. A Black Diamond, or, The Best and the Worst of It (1894) wurde möglicherweise von den Erfahrungen eines älteren schwarzen Dieners von Fyvie Mayo inspiriert, der aus der Sklaverei in Amerika geflohen war und Selbstmord beging.[1]
Am 9. Juli 1870 heiratete sie den Anwalt John Ryall Mayo (1844/5–1877).[7] Fyvie Mayos Ehemann war gesundheitlich angeschlagen, was zu einer Kanada-Reise führte, gefolgt von einem Aufenthalt in Surrey, von dem einige ihrer Geschichten einen Eindruck vermitteln. 1877 wurde Fyvie Mayo Witwe und blieb mit einem Sohn zurück. Im folgenden Jahr verließ sie selbst erkrankt London. Nach ihrem Umzug nach Aberdeen verbesserte sich ihr Gesundheitszustand.[9] Mayo verbrachte einen Großteil ihres weiteren Lebens in Aberdeen, reiste jedoch viel und besuchte das Heilige Land, Ägypten und Griechenland.[1]
In Aberdeen beteiligte sich Fyvie Mayo an den Debatten innerhalb der Frauenwahlrechtsbewegung zwischen den Mitgliedern der National Union of Women's Suffrage Societies, die sie als „Suffragistinnen der alten Schule“ bezeichnete, und der militanteren Women’s Social and Political Union (WSPU) sowie den „besonders kraftlosen“ lokalen Aktivistinnen, die mit der Women’s Liberal Association verbunden waren und sich auf „eine einzige politische Meinung“ beschränkten.[9] Fyvie Mayo befürwortete das Frauenwahlrecht,[9] aber ihre Herangehensweise an die Kampagne änderte sich im Laufe der Jahrzehnte von 1860 bis 1912.[10] Ihre Schriften spiegelten die Veränderungen in der Bewegung wider und warfen Fragen zum Geschlecht und zur Rolle der Frau auf. Es wird gesagt, dass ihre Schriften und die von Elizabeth Mayhew Edmonds ihren viktorianischen Lesern bewusst machten, welche führende Rolle Frauen zum Beispiel im griechischen Unabhängigkeitskrieg spielten.[11] Sie kritisierte die Wahlrechtsbewegung auch, wobei sie oft darauf hinwies, dass die Aktivistinnen aus der Mittelschicht Entscheidungen trafen, die sich ärmere Frauen nicht leisten konnten.[1] Fyvie Mayo könnte mit Mahatma Gandhi, mit dem sie korrespondierte,[2] über die Taktik der Frauenbewegung gesprochen haben.[10] Als Organisatorin von lokalen WSPU-Veranstaltungen stand Fyvie Mayo in regem Austausch mit Emmeline Pankhurst, Teresa Billington-Greig und Helen Fraser.[9] Eine Sammlung einiger ihrer Briefe befindet sich im Archiv zum Frauenwahlrecht der Universität Aberdeen.[12]
1887 hatte Fyvie Mayo die Schriften von Lew Nikolajewitsch Tolstois Schriften für sich entdeckt. Bis 1903 redigierte sie Wladimir Grigorjewitsch Tschertkows Übersetzungen von Tolstoi, fügte ihre eigenen Anmerkungen hinzu und wandte Tolstois Analyse auf das Vereinigte Königreich an. Über Tschertkow bekam sie den Korrespondenzkontakt zu Gandhi. In Folge nahm Fyvie Mayo viele von Tolstois Themen auf: Antimilitarismus, Antirassismus, Antiimperialismus, Ablehnung der Industriellen Revolution und menschliche Brüderlichkeit. Sie begann, für verschiedene Publikation in diesem politischen Spektrum zu schreiben.[7]
1893 wurde die britische Anti-Lynch-Gesellschaft, die Society for the Recognition of the Brotherhood of Man, bei einem Treffen in Fyvie Mayos Haus gegründet, an dem die antirassistische Reformerin Catherine Impey und die schwarze amerikanische Journalistin und Aktivistin Ida B. Wells teilnahmen. In der Folge zerstritten sich Impey und Fyvie Mayo, als unerwartet einen Heiratsantrag an George Ferdinands machte, einen Sri Lanker, der bei Fyvie Mayo wohnte und den sie wie einen Sohn betrachtete. Ferdinands blieb bis zu ihrem Tod bei Fyvie Mayo, aber das Zerwürfnis schadete der neuen Gesellschaft und der von ihr herausgegebenen Zeitschrift Fraternity.[4][5][7]
Fyvie Mayo engagierte sich als deren Sekretärin für die Scottish Society for the Prevention of Vivisection und war Herausgeberin von ihr herausgegebenen Zeitschrift Our fellow mortals.[1]
1910 bis 1911 veröffentlichte sie noch eine sechsbändige Sammlung von Geschichten und Sprichwörtern aus Großbritannien und dem Nahen Osten, Old Stories and Sayings of many Lands (1910–11), Bis zu ihrem Tod schrieb sie, immer unter ihrem Pseudonym Edward Garrett,[8] weiterhin Rezensionen, Artikel über Geschichte und Reisen sowie biografische Essays für eine Reihe von Zeitschriften.[1]
Mayo starb am 1914 in Aberdeen an Krebs und hinterließ George Ferdinands ihr Vermögen.[1][10]
Werke (Auswahl)
Fyvie Mayos („Edward Garrett“) Erzählungen und Skizzen sind charmant und detailreich und zeigten, dass sie ein breites Spektrum an Interessen hatte. Ihre Erzählungen sind kraftvoll und präzise geschrieben. Ihre Balladen und Sonette zeichnen sich durch Einfachheit und „direkte Gedankenführung, tiefgründige Fantasie und künstlerische Vollendung“ aus.[8]
- Occupations of a Retired Life, Tinsley Brothers, London 1868 (Online)
- The Crust of the Cake, Tinsley Brothers, London 1869 (Online).
- Seen and Heard, Alexander Strahan & Co., London 1871 (Online).
- Premiums Paid to Experience: Incidents in my Business Life, Alexander Strahan & Co., London 1872 (Online).
- Crooked Places, Dodd & Meat, New York City 1873 (Online).
- Gold and Dross, Dodd & Meat, New York City 1874 (Online).
- By Still Waters: A Story for Quiet Hours, Henry S. King & Co., Brighton 1874 (Online).
- Doing and Dreaming: A Tale for the Young, W. P. Nimmo, Edinburgh 1876 (Online).
- At Any Costs, Oliphant, Anderson, and Ferrier, Edinburgh 1885 (Online).
- Not by Bread Alone, Religious Tract Society, London 1890.
- Her Day of Service, Oliphant, Anderson, and Ferrier, Edinburgh 1892.
- Rab Bethuene's Double, Oliphant, Anderson, and Ferrier, Edinburgh 1894 (Online).
- Daughter of the Klephts; or, a Girl of Modern Greece, W. & R. Chambers, London 1897.
- Other People's Stairs, Religious Tract Society, London 1898.
- Chrystal Joyce: the Story of a Golden Life, S. W. Partridge, London 1899.
- Recollections of Fifty Years, John Murray, London 1910 (Online).
- Old Stories and Sayings of many Lands, C. W. Daniel, London 1910/11.
Weblinks
- Isabella Fyvie Mayo auf der Website von Scottish Women Writers on the Web.
- Isabella Fyvie Mayo auf der Website von The Online Book Page.
- Suchergebnis Isabella Fyvie Mayo im Internet Archive
- Suchergebnis Isabella Fyvie Mayo im Project Gutenberg
Einzelnachweise
- ↑ a b c d e f g h i j k l Emma Plaskitt: Mayo [née Fyvie], Isabella [pseud. Edward Garrett] (1843–1914). In: H. C. G. Matthew und Brian Harrison (Hrsg.): Oxford Dictionary of National Biography. Oxford 23. September 2004, doi:10.1093/ref:odnb/55957.
- ↑ a b Ian Petticrew: Isabella Fyvie Mayo. In: Minor Victorian Poets and Authors. Private Website, abgerufen am 23. November 2025.
- ↑ William Diack: History of the Trades Council and the Trade Union Movement in Aberdeen. Aberdeen Trades Council, Aberdeen 1939, S. 56 f. (google.com).
- ↑ a b Caroline Bressey: Geographies of Early Anti-Racist Protest in Britain, Ida B. Wells’ 1893 Anti-Lynching Tour in Scotland. In: Afeosemime U. Adogame und Andrew G. Lawrence (Hrsg.): Africa in Scotland, Scotland in Africa: historical legacies and contemporary hybridities. Brill, Boston, MA 2014, ISBN 978-90-04-27690-1, Kap. 6, S. 137–149.
- ↑ a b Lindy Moore: The reputation of Isabella Fyvie Mayo: interpretations of a life. In: Women’s History Review. Band 19, Nr. 1, Februar 2010, S. 71–88, doi:10.1080/09612020903444676.
- ↑ Alfreda M. Duster (Hrsg.): Crusade for Justice: The Autobiography of Ida B Wells. 2. Auflage. The University of Chicago Press, Chicago, IL 2020, ISBN 978-0-226-69142-8, S. 75 (upenn.edu [PDF]).
- ↑ a b c d e Elizabeth Ewan, Sue Innes, Siân Reynolds und Rose Pipes (Hrsg.): The Biographical Dictionary of Scottish Women: From the Earliest Times to 2004. Edinburgh University Press, Edinburgh 2007, ISBN 978-0-7486-2660-1, S. 261 f. (google.de).
- ↑ a b c d David Herschell Edwards: One Hundred Modern Scottish Poets: With Biographical and Critical Notices. D. H. Edwards, Brechin 1988, S. 126–133 (archive.org).
- ↑ a b c d Sarah Pedersen: The Scottish Suffragettes and the Press. Palgrave Macmillan, London 2017, ISBN 978-1-137-53834-5, S. 95 f. (google.com).
- ↑ a b c Lindy Moore: Isabella Fyvie Mayo (1843–1914). Exploring Surrey's Past, abgerufen am 23. November 2025.
- ↑ Efterpi Mitsi: Revolutionary Greece in Victorian popular literature. In: Literature Compass. Band 19, Nr. 9, August 2022, doi:10.1111/lic3.12679 (researchgate.net).
- ↑ Women's Suffrage. 9. Februar 1907, abgerufen am 26. November 2025.