Irma Bandiera

Irma „Mimma“ Bandiera (* 8. April 1915 in Bologna; † 14. August 1944 ebenda) war eine italienische Partisanin.

Biographie

Irma Bandiera war eine Tochter von Angelo Bandiera, einem Bauleiter und Antifaschisten; ihre Mutter war Argentina Manferrati. Sie hatte eine ältere Schwester namens Nastia.[1][2]

Nach dem Waffenstillstand von Cassibile im September 1943 geriet Bandieras Freund als Soldat auf Kreta in deutsche Gefangenschaft und kam ums Leben, nachdem das Schiff, auf dem er sich befand, vor dem Hafen von Piräus bombardiert und versenkt wurde. Irma Bandiera begann, demobilisierte italienische Soldaten zu unterstützen, und trat der Kommunistischen Partei Italiens bei. Sie schloss sich der Resistenza an, die gegen die deutsche Besetzung Italiens und die italienischen Faschisten Widerstand leistete, und kämpfte unter dem Namen „Mimma“ in der VII. GAP-Brigade in Bologna. Am 5. August 1944 töteten die Partisanen einen deutschen Offizier und einen SS-Kommandanten, was am nächsten Tag in Funo zu einem Vergeltungsschlag führte: Drei Partisanen wurden verhaftet und inhaftiert.[1]

Am 7. August 1944 transportierte Bandiera Waffen zum Stützpunkt ihrer Gruppe in Castel Maggiore. Am Abend wurde sie zusammen mit zwei weiteren Partisanen im Haus ihres Onkels verhaftet. Sie wurden in der Schule von San Giorgio eingesperrt. Bandiera wurde von ihren Kameraden getrennt und nach Bologna gebracht, wo ihre Bewacher hofften, von ihr weitere Informationen über den Widerstand zu erhalten. Während ihre Familie in Gefängnissen und Kasernen nach ihr suchte, wurde Bandiera eine Woche lang von Schwarzhemden der „Compagnia Autonoma Speciale“ (CAS) unter Hauptmann Renato Tartarotti gefoltert:[1] Zuerst soll sie geschlagen worden und ihr die Fingernägel ausgerissen worden sein, und als sie sich immer noch weigerte zu reden, sei ihr Gesicht entstellt worden.[3]

Schließlich erschossen die Faschisten Bandiera am 14. August, unweit des Hauses ihrer Eltern. Ihre Leiche stellten sie zur Abschreckung einen Tag lang auf einem Bürgersteig in der Stadt zur Schau. Dann wurde der Körper in das örtliche Institut für Gerichtsmedizin gebracht, wo ein Wächter, ein Freund der Resistenza, Fotos von ihrem durch die Folter entstellten Gesicht anfertigte. Irma Bandiera wurde schließlich auf dem Cimitero Monumentale della Certosa di Bologna im Beisein ihrer Familie und von Freunden beigesetzt.[1] Sie wurde 29 Jahre alt.

Die Historikerin Martina Biavati weist darauf hin, dass sich die Darstellungen von Bandiera Aktivitäten und ihres Todes unterscheiden, da es keinerlei schriftliche Quellen gebe und die Schilderungen aus zweiter Hand stammten. Ihr Tod sei über die Jahrzehnte hinweg erzählt und neu interpretiert worden, um den Bedürfnissen verschiedener Erzähler gerecht zu werden. So werde sie in manchen Berichten fälschlicherweise als „fürsorgliche Hausfrau und Mutter“ dargestellt. Laut der Beweiserhebung und Zeugenaussagen in dem Prozess gegen einen anderen faschistischen Täter, Pietro Torri, im Jahre 1947 wurde sie während der Verhöre nicht gefoltert, aber vergewaltigt. Dafür spreche, dass die Leiche vollständig bekleidet war, aber ihre Unterwäsche fehlte. Auch im Polizeibericht werden keine Spuren von Folter erwähnt. Nach ihrem Tod seien aber Flugblätter verteilt worden, in denen ihr Martyrium dargestellt wurde, um ein idealisiertes Bild der kommunistischen Frau zu entwerfen.[4]

Im Sommer 1944 benannte sich die in Bologna operierende Erste Garibaldi-Brigade nach ihr „Irma Bandiera“. Auch eine in den nördlichen Vororten Bolognas operierende SAP-Brigade (Squadre di Azione Patriottica) sowie eine Frauenverteidigungsgruppe wurden nach ihr benannt. Der Anführer der Schwarzhemden, die Bandiera ermordet hatten, Renato Tartarotti, wurde nach einem Gerichtsprozess am 2. Oktober 1945 in Bologna durch ein Exekutionskommando hingerichtet.[5]

Ehrungen

Nach Kriegsende wurde Irma Bandiera posthum mit der Medaglia d’oro al valor militare ausgezeichnet.[6]

In zahlreichen italienischen Städten sind Straßen nach Irma Bandiera benannt,[1] in Bologna selbst eine Straße am Arco del Meloncello, dem Ort, an dem sie ermordet wurde. Dort befindet sich auch eine Gedenktafel zu ihrem Andenken.[7]

Anlässlich des 72. Jahrestages der Befreiung Bolognas am 24. April 2017 schufen der Verein „Cheap Street Poster Art“ und das Street-Art-Duo „Orticanoodles“ ein großflächiges Wandbild von Irma Bandiera an der Fassade der Bombicci-Schule, die sich als „demokratische und antifaschistische Schule“ versteht.[8]

Literatur

  • Martina Biavati: Commemorating Irma Bandiera and the women of the Resistance: the monumental memoryscape of Bologna. In: Modern Italy. ISSN 1469-9877, S. 1–17 (reading.ac.uk [PDF]).
Commons: Irma Bandiera – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. a b c d e Bandiera Irma detto/a Mimma. In: storiaememoriadibologna.it. Abgerufen am 15. Dezember 2025 (italienisch).
  2. Biavati, Commemorating Irma Bandiera, S. 5.
  3. Dan A. D'Amelio: Italian Women in the Resistance, World War II. In: Italian Americana. Band 19, Nr. 2, 2001, S. 132 (englisch).
  4. Biavati, Commemorating Irma Bandiera, S. 5/6.
  5. Tartarotti Renato. In: Storia e Memoria di Bologna. Abgerufen am 14. Dezember 2025 (italienisch).
  6. Bandiera, Irma (1915–1944). In: gedenkorte-europa.eu. 30. Oktober 1944, abgerufen am 15. Dezember 2025.
  7. Lapide alla Partigiana Irma Bandiera. In: pietredellamemoria.it. 18. Mai 2015, abgerufen am 15. Dezember 2025 (italienisch).
  8. Sabine Bade: Irma Bandiera und die Erinnerung an den Widerstand in Bologna. In: resistenza.eu. 22. Mai 2022, abgerufen am 15. Dezember 2025.