Irene Block
Irene Block, geborene Gasse (geboren 1915 in Leipzig; gestorben 1993 in Köln) war eine deutsche Juristin, Steuerberaterin und Helferin von Jüdinnen und Juden während des Zweiten Weltkriegs. Sie wurde als Gerechte unter den Völkern geehrt.
Leben
Irene Gasse wuchs mit drei Geschwistern in Leipzig in einer liberalen Familie auf.[1] 1935 begann sie ein Jurastudium an der Universität Frankfurt, wo sie auch promovierte. Bereits als Studentin interessierte sie sich für die politische Entwicklung in Deutschland und stand dem NS-Staat ablehnend gegenüber. 1938 erhielt die 23-Jährige als „Mischling zweiten Grades“ keine Zulassung mehr zum 2. Staatsexamen. Sie spezialisierte sich stattdessen auf Steuer- und Devisenrecht. Außerdem heiratete sie und führte fortan den Nachnamen Block. Durch ihre Tätigkeit als selbständige Juristin in Frankfurt kam sie in Verbindung mit zahlreichen jüdischen Familien und Geschäftsleuten. Deren Konten waren gesperrt worden und sie benötigten auf der Devisenstelle dringend Unterstützung für ihre Ausreise – wie etwa die Beschaffung von Auswanderungsdokumenten.[2]
Engagement im Zweiten Weltkrieg
Irene Block unterstützte bis 1942 etwa 200 jüdische Klienten und Klientinnen, unter Mithilfe ihrer Sekretärin. Manchmal zahlte sie deren Anwalts- oder Arztkosten oder half denjenigen, die nicht gut Deutsch konnten, bei der Bearbeitung ihrer Anträge. Viele Hilfesuchende trugen den „Judenstern“, wenn sie in ihre Praxis kamen. Das fiel der Gestapo auf und Irene Block wurde daraufhin die Genehmigung für ihre Steuerpraxis entzogen. Irene Block hatte nun kein Einkommen mehr, dennoch versuchte sie weiterhin, jüdische Personen vor der Deportation zu bewahren.[3]
In ihre Kanzlei kam auch die jüdische Bildhauerin Maria Fulda, geboren am 24. April 1891 in Frankfurt am Main, die sie bezüglich ihrer Probleme wegen der Bürgersteuer bis 1942 vertrat. Als Maria Fulda deportiert werden sollte, entfernte Irene Block den „Judenstern“ von Fuldas Mantel und nahm sie mit nach Ziegenhain bei Kassel, wo sie für den Notfall ein Zimmer angemietet hatte. Der Vermieterin stellte sie Maria Fulda als ihre erkrankte Tante aus Berlin vor. Danach versteckte Irene Block Maria Fulda zweieinhalb Jahre in ihrer Wohnung, wobei die beiden Frauen sich eine Lebensmittelkarte teilen mussten. Während des großen Luftangriffs auf Frankfurt am 22. März 1944 wurde auch Blocks Haus zerstört. Sie nutzte die Gelegenheit und fuhr mit Maria Fulda nach Ziegenhain, meldete beide als ausgebombte Frankfurterinnen an und beantragte neue Papiere mit neuem Namen für Maria Fulda. Als Maria Fischer erhielt Fulda eigene Lebensmittelmarken und lebte nun offiziell unter neuer Identität bei Irene Block.[3]
„Ich habe nicht gewusst, was im Lager passieren würde, aber ich wusste, dass ich entweder gehenkt würde oder dass eben mein Leben zu Ende ist. Das wusste ich eigentlich immer. Wenn das rauskommt. Wir haben damit gerechnet, zu 90 Prozent. Aber mit zehn Prozent denkt man immer, man kommt drum rum.“
Nachkriegszeit
Maria Fulda überlebte den Zweiten Weltkrieg und starb 1966. Irene Block lebte nach dem Krieg bis zu ihrem Tod in Köln in der Heribertusstraße 4.[2] Sie starb 1993 an einem Krebsleiden.[2]
Ehrungen
Am 4. März 1992 anerkannte Yad Vashem Irene Block als Gerechte unter den Völkern.[4] Kurz nach ihrem Tod wurde sie posthum am 1. Juni 1993 in der israelischen Botschaft in Bonn geehrt. Den Preis nahmen stellvertretend ihre Schwester und deren Mann, Therese und Dieter Poser, entgegen.[1]
Literatur
- Herbert Straeten: Andere Deutsche unter Hitler. Hase und Koehler, Mainz 1997, S. 111–115. ISBN 978-3-7758-1362-4
Weblinks
- Hoffnungsträger Dr. Irene Block
- Blogartikel vom Historischen Museum Frankfurt
- Deutschlandfunk Kultur: Stille Helden
- Artikel vom Frankfurter Frauenzimmer
- Ehrung Yad Vashem
Einzelnachweise
- ↑ a b Herbert Straeten: Andere Deutsche unter Hitler. Hase und Koehler, Mainz 1997, S. 111.
- ↑ a b c Ursula Kern: Dr. Irene Block geb. Gasse (1915–1993). In: Frankfurter Frauenzimmer. Abgerufen am 18. Oktober 2025.
- ↑ a b Hoffnungsträger Dr. Irene Block. Ardi Goldman Kunst- & Kulturstiftung, abgerufen am 19. Oktober 2025.
- ↑ Block Irene (Gasse). Yad Vashem, abgerufen am 19. Oktober 2025 (englisch).