Ira Aldridge
Ira Frederick Aldridge (* 24. Juli 1807 in New York; † 7. August 1867 in Łódź, Kongresspolen, Russisches Kaiserreich) war ein britischer Schauspieler, der für seine Darstellungen von Shakespeare-Figuren bekannt war. Aldridge war einer der bedeutendsten afroamerikanischen Schauspieler seiner Zeit und war der erste Schwarze, der in Großbritannien den Othello spielte.
Herkunft
Aldridge stammte von den Anführern des Stammes der Fuhla, die an den Ufern des Senegal beheimatet waren. Dort wurde ein amerikanischer Missionar auf seinen Vater Daniel Aldridge († 27. September 1840) aufmerksam und nahm diesen mit in die Vereinigten Staaten, wo er auf ein College in Schenectady geschickt wurde, um dort christlich erzogen zu werden. Kurz nach ihrer Abreise aus dem Senegal, war es zu einem Aufruhr gekommen und seine zurückgelassene Familie wurde komplett ausgelöscht. Erst nach dem Tod des Anführers des Aufstandes kehrte er als evangelischer Missionar mit seiner jungen Frau Luranah († 1818), die er in Amerika geheiratet hatte, in seine Heimat zurück, um sein Geburtsrecht als Häuptling an der Spitze des Stammes durchzusetzen und das Christentum unter ihnen zu verbreiten. Dort soll Ira Aldridge einen Monat nach der Ankunft geboren worden sein. Doch die Streitigkeiten brachen erneut aus und er war gezwungen sich mit seiner Familie zu verbergen. Erst neun Jahre später gelang ihnen die Flucht zurück in die Vereinigten Staaten, wo der Vater wieder als Missionar für die Bevölkerung seiner Hautfarbe tätig war. Die Angaben über den Ort seiner Geburt variieren daher, doch Aldridge selbst soll von einem Vorfall berichtet haben, an den er sich erinnerte, als er als achtjähriger im Senegal gelebt hatte. Aldridge hatte einen Bruder, der in New Orleans von einem Weißen erstochen wurde.[1]
Schauspielkarriere
Aldridge besuchte die New Yorker African Free School. Obwohl ihn sein Vater zum Priester ausbilden lassen wollte, interessierte er sich mehr fürs Theater und gewann Preise im Vortragen von Deklamationen. Da er fest entschlossen war Schauspieler zu werden und ihm dies als Schwarzem im Land der unbegrenzten Möglichkeiten unmöglich war, emigrierte aufgrund des anhaltenden Rassismus 1824 in das Vereinigte Königreich. Er immatrikulierte sich an der Universität Glasgow und erhielt mehrere Auszeichnungen sowie die Medaille für lateinische Komposition. Nach seinem Abschluss begann Aldridge damit sich auf seine Bühnenkarriere vorzubereiten und debütierte 1826 am kleinen Royality–Theater im Londoner Osten als Othello. Am Royal Coburg Theatre spielte er den Oroonoko, den Gambia, den Zarambo und andere Rollen und trat in Edinburgh, Glasgow, Manchester und anderen Provinzstädten in Stücken von Shakespeare auf. Aldridge wurde am Drury Lane Theatre und am Covent Garden Theatre engagiert, wo er als „afrikanischer Roscius“ gefeiert wurde.
Bis 1852 spielte Aldridge in den Provinzstädten Großbritanniens, unternahm darauf mit einer von ihm geleiteten Schauspielergesellschaft eine Reise auf das Festland, besuchte Amsterdam, Brüssel, Hamburg, Berlin, Wien, Pest, Königsberg etc. und fand überall großen Beifall. 1857 wurde er als Mitglied des Covent Garden engagiert, fand dort jedoch keinen Anklang und ging daraufhin nach Sankt Petersburg und Moskau, dann nach Polen und Ungarn und wiederholt nach Deutschland.
Im Jahr 1863 wurde er als britischer Staatsbürger eingebürgert.
Er trat 1866 auch in Frankreich auf und reiste dann wieder nach Russland, starb aber unterwegs im August 1867 im polnischen Łódź. Das Spiel Aldridges erinnerte in der Darstellung leidenschaftlicher Erregtheit an die oft übertriebene Manier der englischen Schauspieler seiner Zeit, doch beherrschte er auch den Ausdruck weicherer Seelenstimmungen.
Rollen (Auswahl)
Aldridge galt als einer der größten Schauspieler mit afroamerikanischen Wurzeln in seiner Zeit. Er wurde insbesondere für seine Darstellungen in den Stücken William Shakespeares, wie Macbeth oder Richard III. gefeiert.
- Othello in Othello (Shakespeare)
- Shylock in Der Kaufmann von Venedig
- Fiesco in Die Verschwörung des Fiesco zu Genua (Friedrich Schiller)
- Oroonoko in Oroonoko (Thomas Southerne [1660–1746], nach dem Roman Oroonoko oder Der königliche Sklave von Aphra Behn)
- Gambia in The Slave (Thomas Morton [1764–1838])
Familie
Seit dem 27. November 1825 war Aldridge mit Margaret (geborene Gill; 1864) verheiratet, einer Engländerin aus Yorkshire. Sie war die Tochter eines Webers aus einer armen Familie und nicht, wie er behauptete, die Tochter eines Mitglieds des Parlaments aus einer angesehenen Familie. Mit ihr war er fast 40 Jahre verheiratet, sie hatten jedoch keine gemeinsamen Kinder. Als sich ihr Gesundheitszustand verschlechterte, begann er eine Beziehung mit der schwedischen Sängerin Amanda Brandt, die für sich oder ihren Erfolg eigens ihre Familiengeschichte erfunden hatte und sich als Baronin ausgab. Sie wurde 1865 seine zweite Ehefrau, mit der er mehrere teilweise uneheliche Kinder hatte:[2]
- Ira Daniel Aldridge (* 1847), er schlug, nach einem gescheiterten Versuch als Schauspieler, in Australien eine kriminelle Laufbahn ein.
- Irene Luranah Aldridge (1860–1932) trat als Sängerin in Wagner-Opern auf. Nach vielen Erfolgen und Misserfolgen nahm sie sich schließlich das Leben.
- Ira Frederick Olaff Aldridge, Jr. (1862–1886) wurde Musiker und stürzte sich später aus dem Fenster.
- Amanda Christina Elizabeth Aldridge (10. März 1866 – 9. März 1956) wurde Sängerin und Lehrerin. Sie verlebte ein bescheidenes Leben in der Londoner Musikszene.[3]
- Rachel Margaret Frederika Aldridge (Anfang 1868 – 1869)
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Ira Aldridge als Othello
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Lubanah Aldridge
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Amanda Aldrigde
Auszeichnungen
- 1979: Aufnahme in die American Theater Hall of Fame
Literatur
- Feuilleton –Ira Aldridge. In: Dresdner Journal. Nr. 223, 18. September 1852, S. 931–933 (digital.slub-dresden.de).
- Ira Aldridge: Leben und Künstler-Laufbahn des Negers Ira Aldridge. Allgemeine Deutsche Verlagsanstalt, Berlin 1853 (archive.org).
- Ira Aldridge. In: William Wells Brown: The Black Man New York 1863, S. 118–124 (englisch, Volltext [Wikisource]).
- Aldridge, Ira. In: Meyers Konversations-Lexikon. 4. Auflage. Band 1, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig/Wien 1885–1892, S. 309.
- Rachel Kranz: Aldridge, Ira Frederick. Hrsg.: Rachel Kranz, Philip J. Koslow. Facts on File, New York 1999, ISBN 0-8160-3903-8, S. 4–5 (englisch, Textarchiv – Internet Archive – Leseprobe).
- Martin Hoyles: Ira Aldridge., celebrated 19th century actor. Hansib Books, London 2008, ISBN 978-1-906190-03-3.
- Bernth Lindfors: Ira Aldridge. The African Roscius. University Press, Rochester, N.Y. 2007, ISBN 978-1-58046-258-7.
- Bernth Lindforsː Ira Aldridge. The Last Years, 1855–1867. University Press, Rochester, N.Y. 2015.
- Herbert Marshall: Ira Aldridge. The Negro tragedian. University Press, Washington, D.C. 1993, ISBN 0-88258-150-3. (Nachdruck der Ausgabe New York 1958).
- Mary Malone, Eros Keith: Actor in exile; the life of Ira Aldridge. Crowell-Collier Press, New York 1969 (englisch, Textarchiv – Internet Archive – Leseprobe).
- Mortimer Owen: Speak of me as I am. The story of Ira Aldridge. Selbstverlag, Wangaratta, Vict. (Australien) 1995, ISBN 0-646-08370-8.
Weblinks
- Aldridge, Ira Frederick in der Encyclopedia of Ukraine (englisch)
- Ira Aldridge: Shakespearean Actor & Biography schoolworkhelper.net (englisch)
- Ira Frederick Aldridge – British actor. In: Encyclopædia Britannica. (englisch).
- Ira Aldridge: Theatrical Trailblazer chesapeakeshakespeare.com (englisch)
Einzelnachweise
- ↑ Ira Aldridge: Leben und Künstler-Laufbahn des Negers Ira Aldridge. Allgemeine Deutsche Verlagsanstalt, Berlin 1853, S. 7–10 (Textarchiv – Internet Archive).
- ↑ Gunner Sjögren: 5 Ira Aldridge’s Swedish Wife. In: Ira Aldridge : the African roscius. University of Rochester Press, Rochester, NY 2007, ISBN 978-1-58046-703-2, S. 68–72, doi:10.1515/9781580467032-008, JSTOR:j.ctvc16nfp.10 (englisch).
- ↑ Amanda Ira Aldridge musicbywomen.org (englisch).