Inversionstektonik

Als Inversionstektonik wird in der Geologie die Umkehrung von Abschiebungs-, Aufschiebungs- und Horizontalverschiebungsprozessen bezeichnet.[1][2] Sie entsteht durch Veränderungen im tektonischen Spannungsfeld, also in Orientierung und Magnitude der Hauptspannungen an Plattenrändern und im Inneren der Lithosphere. So können in Kollisionszonen alte Extensionsstrukturen passiver Kontinentalränder kompressiv überprägt und im Intraplattenbereich frühere Gräben wieder zusammengeschoben werden.[1] Ehemalige Auf- und Überschiebungszonen können in einem späteren Dehnungsmilieu erneut reagieren, und auch Blattverschiebungen und alle resultierenden Mischformen lassen sich jeweils in ihr Gegenteil umwandeln. Die Gesteinsabfolge wird bei der tektonischen Inversion normalerweise nicht umgekehrt.[1]

Arten

Wird eine durch Dehnung entstandene Abschiebung durch späteren Zusammenschub in eine Aufschiebung überführt, spricht man von einer positiven Inversion. Bei einer negativen Inversion wird eine frühere Aufschiebung erneut als Abschiebung aktiviert. Auch Horizontalverschiebungen können durch die Umkehr ihres Bewegungssinns invertieren, sodass ehemalige Zerrgräben komprimiert werden oder zuvor angehobene Bereiche absinken. Eine Beckeninversion bezeichnet die Hebung eines Extensionsbeckens, also eines durch Abschiebungen gebildeten und begrenzten Sedimentbeckens.[1]

Literatur

  • Claus-Dieter Reuther: Grundlagen der Tektonik. In: Spektrum Akademischer Verlag. 2012, ISBN 978-3-8274-2065-7, Inversionstektonik – Reaktivierung präexistenter Krustenstrukturen, doi:10.1007/978-3-8274-2724-3_9.

Einzelnachweise

  1. a b c d Claus-Dieter Reuther: Inversionstektonik — Reaktivierung präexistenter Krustenstrukturen. In: Grundlagen der Tektonik. Spektrum Akademischer Verlag, Heidelberg 2012, ISBN 978-3-8274-2065-7, S. 95–100, doi:10.1007/978-3-8274-2724-3_9 (springer.com [abgerufen am 13. November 2025]).
  2. M. A. Cooper, G. D. Williams: Inversion Tectonics. Geological Society, 1989, ISBN 978-0-632-02502-2 (google.de [abgerufen am 13. November 2025]).