Internationale Rolle des US-Dollar

Der US-Dollar ist seit Mitte des 20. Jahrhunderts die dominierende Währung im globalen Finanzsystem. Er dient als wichtigste Reservewährung der Zentralbanken weltweit und rund 60 % der globalen Währungsreserven (2022) entfallen auf den Dollar.[1] Der Dollar ist auch die führende Handels- und Transaktionswährung im Welthandel. Ein großer Teil des internationalen Waren- und Zahlungsverkehrs wird in US-Dollar abgewickelt.[2] Diese internationale Vorherrschaft des Dollars beruht auf der wirtschaftlichen Stärke der USA, der Tiefe und Liquidität der US-Finanzmärkte, der freien Konvertierbarkeit der Währung sowie dem Vertrauen in die politischen und rechtlichen Institutionen der Vereinigten Staaten. Gleichzeitig verschafft der Dollarkurs den USA ein „exorbitantes Privileg“ (so bezeichnet vom französischen Finanzminister Valéry Giscard d’Estaing in den 1960er-Jahren) – nämlich erhebliche wirtschaftliche Vorteile. Allerdings wird die Dominanz des US-Dollars auch als geopolitisches Machtinstrument genutzt, etwa bei Finanzsanktionen, was international in einigen Staaten zu Bemühungen geführt hat, die Abhängigkeit vom Dollar zu verringern.

Geschichte

Nach dem Zweiten Weltkrieg löste der US-Dollar das britische Pfund Sterling als wichtigstes internationales Zahlungsmittel ab. 1944 wurde im Bretton-Woods-Abkommen ein Währungssystem etabliert, in dem viele Währungen an den Dollar gekoppelt waren, während der Dollar selbst fest an Gold gebunden wurde (Goldstandard). Dadurch wurde der Dollar de facto zur Weltleitwährung mit direkter Goldeinlösegarantie. Dieses System endete 1971, als die USA unter Präsident Nixon die Goldbindung des Dollars aufhoben („Nixon-Schock“). Dennoch behielt der US-Dollar dank des anhaltenden Vertrauens in die US-Wirtschaft und mangels einer gleichwertigen Alternative seine zentrale Rolle. In den 1970er-Jahren schlossen die USA Abkommen mit ölproduzierenden Staaten (insbesondere Saudi-Arabien), sodass Erdöl weltweit fast ausschließlich in Dollar gehandelt wurde – der sogenannte Petrodollar war geboren. Diese Kopplung des Öl- und Rohstoffhandels an den Dollar sicherte eine konstante Nachfrage nach US-Dollar und festigte seine Dominanz im internationalen Handel und Finanzwesen weiter.[3]

Während der Dollar im Bretton-Woods-System nahezu konkurrenzlos war, schwankte sein Anteil an den weltweiten Währungsreserven in den folgenden Jahrzehnten erheblich. Anfang der 1970er Jahre entfielen fast 80 % der globalen Devisenreserven auf den Dollar; bis 1990 sank dieser Anteil auf unter 50 %. Mit der Einführung des Euro 1999 und anderen Faktoren stieg der Dollar-Anteil kurzzeitig wieder auf über 70 % an, ging jedoch seither tendenziell zurück. Im Jahr 2024 lag der Dollaranteil an den Reserven bei etwa 58 %, weit vor dem Euro (ca. 20 %) und anderen Währungen wie Yen oder Pfund. Trotz Phasen der Schwäche (etwa unmittelbar nach dem Ende von Bretton Woods) verteidigte der US-Dollar seine Stellung als wichtigste internationale Währung über das gesamte späte 20. Jahrhundert hinweg. Herausforderer wie der Euro oder in jüngerer Zeit der chinesische Renminbi konnten diese Stellung bislang nicht ernsthaft gefährden.[3]

US-Dollar als Währung außerhalb der USA

Über die Vereinigten Staaten hinaus ist der US-Dollar in vielen Regionen der Welt als Zahlungsmittel präsent. Dollarisierung bezeichnet die Übernahme des Dollars als offizielles Zahlungsmittel in anderen Ländern. Einige Staaten haben den US-Dollar vollständig oder parallel zu einer lokalen Währung eingeführt – Beispiele sind Panama (neben dem Balboa), Ecuador (seit 2000), El Salvador (seit 2001) sowie Osttimor, Liberia, Simbabwe und mehrere pazifische Inselstaaten und karibische Überseegebiete. Daneben zirkuliert der Dollar inoffiziell in zahlreichen Volkswirtschaften mit instabilen eigenen Währungen als Parallelwährung und Wertaufbewahrungsmittel (z. B. Libanon, Myanmar, Kambodscha). In Ländern mit hohen Inflationsraten oder schwachem Vertrauen in die Landeswährung nutzen Bürger und Unternehmen oft US-Dollar für Sparanlagen und größere Transaktionen. Daneben wird der US-Dollar häufig auch in Gebieten als Zahlungsmittel akzeptiert, die wirtschaftliche eng an die USA angebunden sind, wie z. B. Mexiko, Kanada, Zentralamerika und der Karibik.[4] Viele Staaten halten ihre Währungen außerdem fest an den US-Dollar gekoppelt oder orientieren die Wechselkurspolitik am Dollar. Schätzungen zufolge hatten 2019 über die Hälfte aller Länder ihre Währung direkt oder indirekt an den US-Dollar angebunden.[5] Durch solche Dollar-Pegsysteme – besonders verbreitet in kleineren Volkswirtschaften, in der Golfregion oder in Teilen Asiens – bleibt der Dollar de facto auch dort ein entscheidendes monetäres Bezugssystem, wo er nicht offizielles ist.

Auf den globalen Finanzmärkten fungiert der US-Dollar ebenfalls als wichtigste Referenz- und Transaktionswährung außerhalb der USA. Ein großer Teil der internationalen Kredite, Einlagen und Anleihen wird in US-Dollar denominiert. Ende 2021 waren über 60 % der weltweiten ausstehenden Auslandsschulden in Dollar ausgewiesen, und mehr als die Hälfte der grenzüberschreitenden Bankkredite war auf US-Dollar laufend.[1] Die Bankenstatistiken der BIZ zeigen, dass rund 55 % der internationalen Bankforderungen (Auslandskredite) und etwa 60 % der Auslandseinlagen auf den US-Dollar entfallen (2024).[5] Diese umfangreiche Dollarnutzung außerhalb der Vereinigten Staaten wird durch das dichte Netzwerk an Offshore-Dollar-Märkten (etwa der Eurodollar-Markt) ermöglicht, in dem Banken außerhalb der USA Dollar halten und verleihen. Darüber hinaus halten viele Zentralbanken Dollar-Banknoten als Reserve, und ein erheblicher Teil der weltweit im Umlauf befindlichen US-Bargeldbestände wird außerhalb der USA gehalten (vor allem größere Stückelungen wie 100-Dollar-Noten dienen international als Wertaufbewahrungsmittel).

US-Dollar als Reservewährung

Die anhaltende Rolle des Dollars als Reservewährung beruht auf mehreren Faktoren: Zum einen bieten die USA einen äußerst tiefen und liquiden Finanzmarkt für Dollar-Anlagen. Insbesondere der Markt für US-Staatsanleihen (T-Bills) ist der größte der Welt, was es Zentralbanken ermöglicht, große Beträge jederzeit relativ leicht anlegen oder umschichten zu können.[1] Zum anderen genießen Dollar-Vermögenswerte den Ruf hoher Sicherheit und Stabilität – gestützt durch verlässliche Rechtssicherheit und die historische Kreditwürdigkeit amerikanischer Schuldtitel. Viele Staaten halten Dollarreserven auch zur Absicherung eigener Währungen: Länder mit fixen oder stabilisierten Wechselkursen zum Dollar benötigen Dollarbestände, um ihre Parität zu verteidigen. Darüber hinaus ist der Dollar wegen seiner Rolle im Handel attraktiv – wer wichtige Importe wie Öl in Dollar bezahlen muss, hält logischerweise Dollarreserven. Die Dominanz des US-Dollars als Reservewährung hat somit sowohl wirtschaftliche als auch geopolitische Gründe und verfestigt sich selbst durch den Netzwerkeffekt.

Zentralbanken rund um den Globus halten einen Großteil ihrer Währungsreserven in Form von US-Dollar, meist in sicheren und liquiden Anlagen wie US-Staatsanleihen. Dies verschafft den USA die einzigartige Position, ihre Auslandsschulden in der eigenen Währung aufnehmen zu können. In den späten 1990er Jahren waren über 70 % der gemeldeten Zentralbankreserven weltweit in US-Dollar investiert.[1] Seither ist dieser Anteil zwar langsam gesunken – parallel zum Rückgang des US-Anteils an der Weltwirtschaft – liegt aber weiterhin deutlich über 50 %. Im Jahr 2024 entfielen etwa 58 % der globalen Devisenreserven auf den US-Dollar, gegenüber rund 20 % für den Euro und jeweils unter 5 bis 6 % für den japanischen Yen und das britische Pfund. Der chinesische Renminbi (Yuan) macht trotz des steigenden Gewichts Chinas in der Weltwirtschaft bislang nur knapp 3 % der weltweiten Reserven aus.[3]

US-Dollar im Welthandel

Der US-Dollar fungiert als Leitwährung des Welthandels. Viele globale Handelsgeschäfte werden in Dollar abgerechnet, selbst wenn die USA weder Exporteur noch Importeur sind. Da so viele Akteure den Dollar nutzen, ist es effizient, sich der etablierten Dollar-Infrastruktur anzuschließen.[2] Zwischen 1990 und 2014 wurden im Schnitt 40 % des Welthandels in US-Dollar abgerechnet.[1] In einigen Bereichen ist der Dollar nahezu alleinige Rechnungseinheit – vor allem bei Rohstoffen. Die Preise zentraler Rohstoffe wie Erdöl, Erdgas oder Gold werden traditionell in US-Dollar notiert und an den internationalen Börsen in Dollar gehandelt. Auch viele andere Grundstoffe und landwirtschaftliche Produkte werden am Weltmarkt in Dollar abgerechnet, ungeachtet der Herkunft oder Destination.

Die breite Verwendung des Dollars im Handel reduziert für Unternehmen das Wechselkursrisiko und vereinfacht transnationale Geschäfte. Indem Verkäufer und Käufer sich auf den Dollar als gemeinsame Währung einigen, entfallen komplexe Wechselkursumrechnungen.[2] Besonders in Regionen ohne eigene starke Währung wird der Dollar bevorzugt. In Lateinamerika und großen Teilen Asiens werden schätzungsweise drei Viertel der grenzüberschreitenden Exportrechnungen in Dollar gestellt, während in Europa (insbesondere innerhalb der Eurozone) eher der Euro dominiert. Insgesamt wickelt das internationale Zahlungssystem laut SWIFT-Daten etwa die Hälfte aller grenzüberschreitenden Überweisungen (zu denen auch z. B. Auslandsüberweisungen gehören) in US-Dollar ab. Zählt man nur Zahlungen zwischen unterschiedlichen Währungsräumen (also inklusive Euro-Dollar-Transaktionen, aber exklusive innereuropäischen Euro-Zahlungsverkehr), steigt der Dollar-Anteil sogar auf 60 %.[5]

Der Dollar als Sanktionswaffe der USA

Die Vormachtstellung des US-Dollars verleiht den Vereinigten Staaten ein mächtiges außenpolitisches Instrument: Durch ihre Kontrolle über das Dollar-Finanzsystem können die USA andere Länder wirtschaftlich unter Druck setzen. Insbesondere nutzen sie den Dollar als „finanzielle Sanktionswaffe“ gegen Staaten, Unternehmen oder Personen, die gegen US-Außenpolitik oder Völkerrecht verstoßen. Da fast alle internationalen Dollar-Transaktionen letztlich über Banken laufen, die Zugang zum US-Finanzsystem haben, können die USA diese Transaktionen überwachen und bei Bedarf blockieren.[6] Ein markantes Beispiel hierfür sind die Sanktionen gegen Iran, Syrien und Nordkorea sowie jüngst gegen Russland. Im Zuge der Russischer Invasion der Ukraine 2022 froren die USA, die EU und Verbündete etwa 300 Mrd. US-Dollar an russischen Zentralbankreserven ein. Dieser beispiellose Schritt entzog der russischen Notenbank fast über Nacht die Möglichkeit, ihre Währung zu stützen, was zu einem massiven Wertverlust des Rubels führte. Zusätzlich untersagten die USA amerikanischen Banken, Zins- und Tilgungszahlungen auf russische Staatsanleihen abzuwickeln, wodurch Russland faktisch vom Zugang zu Dollar-Finanzierungen abgeschnitten wurde.[1]

Bereits zuvor hatten die Vereinigten Staaten ihre Finanzmacht eingesetzt, um etwa den Handel europäischer Firmen mit dem sanktionierten Iran zu unterbinden. Banken, die trotz US-Sanktionen Dollartransfers für iranische Geschäfte ausführten, wurden mit hohen Strafen belegt: So musste etwa die französische Großbank BNP Paribas 2014 eine Geldbuße von 9 Milliarden US-Dollar zahlen, weil sie gegen US-Sanktionsvorschriften im Dollargeschäft mit dem Iran verstoßen hatte. Auch die deutsche Commerzbank wurde mit einer Strafe von 1,45 Mrd. Dollar belegt.[2] Diese extraterritorialen US-Sanktionen sind nur deshalb wirksam, weil das globale Finanzsystem so stark dollarbasiert ist. Jede Bank, die vom Clearing in Dollar ausgeschlossen wird (z. B. durch den Entzug des Zugangs zum New Yorker Clearing-System oder zu SWIFT), ist de facto vom Großteil des internationalen Zahlungsverkehrs abgeschnitten.

Die Nutzung des Dollars als politische Waffen hat jedoch auch zu kritischen Stimmen geführt. Der frühere US-Finanzminister Jack Lew warnte 2016 davor, dass eine übermäßige Politisierung des Dollars als Sanktionsmittel langfristig andere Länder dazu motivieren könnte, nach Alternativen zu suchen.[2]

Wirtschaftliche Vorteile für die USA

Die internationale Dominanz des US-Dollars bringt den Vereinigten Staaten beträchtliche ökonomische Vorteile. Zum einen können die USA ihre Haushaltsdefizite und Leistungsbilanzdefizite (twin deficit) viel leichter finanzieren, da die Nachfrage aus dem Ausland nach Dollar-Anlagen hoch ist.[3] Ausländer – seien es Zentralbanken, Banken oder Investoren – sind bereit, umfangreiche Beträge in Dollar zu halten, was den USA ermöglicht, sich im Ausland in der eigenen Währung zu verschulden. Staat und Unternehmen in den USA können Dollar-Schuldtitel emittieren, die weltweit als sicher gelten. Dadurch fließt kontinuierlich Kapital ins Land, und die Zinskosten für amerikanische Schuldner bleiben geringer, als sie ohne den Reservewährungsstatus wären. Die starke Nachfrage nach US-Staatsanleihen drückt deren Renditen: Für den amerikanischen Staat bedeutet dies geringere Zinsausgaben, letztlich ein Vorteil für den Steuerzahler.[7] Die Möglichkeit, Handels- und Budgetdefizite über die Notenpresse bzw. Anleihen in eigener Währung zu finanzieren, wird auch als „exorbitantes Privileg“ der USA eingestuft.[1]

Zum anderen genießt die US-Wirtschaft durch den globalen Einsatz des Dollars einen erleichterten Außenhandel. Da viele internationale Geschäfte ohnehin in Dollar denominiert sind, können US-Unternehmen Exporte und Importe oft in ihrer Heimatwährung abrechnen, ohne Wechselkursrisiken tragen zu müssen. Dies vereinfacht den Handel und reduziert Transaktionskosten für amerikanische Firmen. Auch der New Yorker Finanzplatz profitiert: Als Drehscheibe für Dollar-Transaktionen ziehen die USA einen stetigen Strom an Gebühren, Bankeinlagen und Finanzdienstleistungen aus aller Welt an. Die Rolle des Dollars sichert der Wall Street gewissermaßen ein globales Kundenmonopol im Devisen- und Kapitalmarktgeschäft. Darüber hinaus generieren die Vereinigten Staaten Seigniorage-Gewinne dadurch, dass ausländische Akteure Dollar-Banknoten halten: Diese erhalten keinen Zins, während die USA im Gegenzug reale Güter oder Vermögenswerte für die ausgegebenen Scheine bekommen.

Nicht zuletzt verleiht die Dollar-Hegemonie den USA auch politische und strategische Vorteile. Wie im vorherigen Abschnitt dargestellt, ermöglicht erst die einzigartige Stellung des Dollars als Weltwährung die harte Durchsetzung internationaler Finanzsanktionen. Ebenso stärkt der Dollar-Status die globale Führungsrolle der USA in Institutionen wie dem Internationalen Währungsfonds und der Weltbank, die historisch eng mit dem Dollarstandard verknüpft sind.[8]

Wirtschaftliche Nachteile für die USA

Obgleich der Dollar-Status der US-Wirtschaft nützt, gibt es auch Schattenseiten und Risiken. Einige Ökonomen argumentieren, dass die weltweite Nachfrage nach Dollar zu einer dauerhaften Überbewertung der US-Währung führt. Weil Zentralbanken und Investoren rund um den Globus Dollar horten, liegt der Dollarkurs tendenziell über dem Wert, der sich aus den handelspolitischen Fundamentaldaten ergeben würde. Dies hat Konsequenzen: Amerikanische Exportgüter werden im Vergleich teurer, während Importe für die USA billig sind. Die Folge sind chronische Handelsbilanzdefizite der Vereinigten Staaten und ein zunehmender Wettbewerbsdruck auf die heimische Industrie. Industriezweige verlieren Marktanteile an günstigere ausländische Konkurrenten, was zur Deindustrialisierung beitragen kann. In Rezessionszeiten verstärkt sich dieser Effekt noch, da der Dollar in Krisenphasen oft als sicherer Hafen aufwertet, die US-Exporte werden dann zusätzlich gebremst.[7]

Ein weiterer Nachteil liegt in dem vom Ökonomen Robert Triffin formulierten Triffin-Dilemma: Als Herausgeber der Weltreservewährung müssen die USA tendenziell Zahlungsbilanzdefizite aufbauen, um der Welt genügend Dollarliquidität bereitzustellen. Dies führt einerseits zu hohen Auslandsschulden der USA und andererseits zu globalen Ungleichgewichten. Die USA werden dadurch abhängig vom Vertrauen des ausländischer Gläubiger. Sollte das Vertrauen in den Dollar ernsthaft erschüttert werden, etwa durch Vertrauensverlust in die Zentralbank oder politische Konflikte, könnten rasche Kapitalabzüge und ein Wertverfall des Dollars drohen, was die Finanzierung der US-Wirtschaft gefährden würde.[9] Zudem sind die geldpolitischen Entscheidungen der US-Notenbank (Fed) durch die Dollar-Doppelrolle mitunter konfliktbehaftet: Eine Politik, die der heimischen Konjunktur dient, kann global Instabilitäten auslösen (beispielsweise schadeten in den 1980ern drastisch steigende US-Zinsen hoch verschuldeten Entwicklungsländern erheblich).[10] Zwar richtet die Fed ihre Entscheidungen primär an inländischen Zielen aus; dennoch können internationale Rücksichten die Entscheidungsfreiheit einengen, da Turbulenzen im Dollar-System letztlich auch auf die USA zurückschlagen.

Ein praktisches Risiko ist auch, dass die USA durch die ständige hohe Nachfrage nach Dollar-Vermögenswerten zu fiskalischer Disziplinlosigkeit verleitet werden könnten. Das komfortable Finanzieren von Defiziten mag kurzfristig schmerzfrei sein, führt aber zu steigender Gesamtverschuldung. Insbesondere nach der Aufhebung der Golddeckung des Dollars 1971 ist das öffentliche Defizit der USA und das Handelsdefizit zunehmend außer Kontrolle geraten. Im Haushaltsjahr 2025 allein betrug das Haushaltsdefizit 1,8 Billionen US-Dollar[11] und das Handelsbilanzdefizit lag bei 914 Milliarden US-Dollar (2024).[12] Finanziert wird dieses Zwillingsdefizit über Kapitalimporte. Das Auslandsvermögen der USA fiel von einem leicht positivem Wert in den frühen 1980er Jahren auf minus 26 Billionen US-Dollar im Jahr 2024.[13] Insgesamt muss die Rolle des Dollars als Trade-off bewertet werden: Sie bietet den USA große Vorteile, bringt aber auch strukturelle Probleme mit sich, insbesondere im industriellen Sektor und hinsichtlich der langfristigen makroökonomischen Stabilität.

Bemühungen zur Dedollarisierung

Angesichts der geschilderten Dominanz des Dollars haben in den letzten Jahren verschiedene Länder – vor allem aufstrebende Volkswirtschaften – Anstrengungen unternommen, die Abhängigkeit vom US-Dollar zu verringern. Unter Dedollarisierung versteht man Maßnahmen, die Nutzung des Dollars im internationalen Handel, in Finanztransaktionen und bei Währungsreserven zu reduzieren. Dieses Thema gewann vor allem nach 2022 an Brisanz, als die Sanktionen gegen Russland die Risiken einer Dollarabhängigkeit offenlegten. Immer mehr Länder vereinbaren, bilaterale Geschäfte in ihren eigenen Währungen abzurechnen, um den Umweg über den Dollar zu vermeiden. China und Russland etwa wickeln ihren bilateralen Handel zunehmend in Renminbi und Rubel ab.[1] China hat mit zahlreichen Ländern (vor allem im Kreis der BRICS-Staaten und in Asien, Afrika, Südamerika) Währungsabkommen geschlossen, die den Einsatz des Renminbi im Handel fördern sollen. Ergänzt wird dies durch den Aufbau von alternativen Finanzinstitutionen (wie z. B. die New Development Bank) und neuer Zahlungssysteme.[8] Chinas 2015 gestartetes CIPS (Cross-Border Interbank Payment System) ermöglicht grenzüberschreitende Überweisungen in Renminbi und dient als Alternative zu SWIFT.[1] Auch diskutieren die BRICS+ Länder über die Schaffung einer eigenen gemeinsamen Währung oder zumindest die verstärkte Nutzung alternativer Währungen im gegenseitigen Handel.[14] Die Zentralbanken vieler Schwellenländer haben zudem ihre Goldkäufe verstärkt. Besonders China hat in jüngerer Zeit massiv Gold akkumuliert, um einen Teil seiner Dollarreserven zu diversifizieren.[15]

Trotz dieser vielfältigen Dedollarisierungs-Initiativen gilt der US-Dollar als in absehbarer Zeit kaum verdrängbar und weitgehend alternativlos.[1] Chinas Währung unterliegt strikten Kapitalverkehrskontrollen, und es fehlt an tiefen, freien Finanzmärkten, in denen Renminbi-Anlagen in großem Umfang getätigt werden könnten.[16] Ebenso ist das Vertrauen vieler Marktteilnehmer in Alternativen (z. B. den Euro in Krisenzeiten oder neue digitale Währungen) begrenzt. Die bisher beobachtete Erosion der Dollar-Dominanz verläuft langsam und verteilt sich auf mehrere Alternativen gleichzeitig, ohne dass eine einzelne Währung den Dollar ablöst. Eine Erosion der Dollar-Dominanz war bis Mitte der 2020er Jahre höchstens in Ansätzen festzustellen.[3]

Einzelnachweise

  1. a b c d e f g h i j Derzeit kaum Alternativen zur Dollar-Dominanz in Sicht KfW Research
  2. a b c d e US-Sanktionen gegen Irangeschäfte: Der Dollar als Waffe im Handelskrieg. In: Der Tagesspiegel Online. ISSN 1865-2263 (tagesspiegel.de [abgerufen am 29. Dezember 2025]).
  3. a b c d e Kirsten Wagner: Dedollarisierung: Bröckelt der Thron des US-Dollars? In: Helaba Invest. 16. Januar 2025, abgerufen am 29. Dezember 2025.
  4. In welchen Ländern wird der US-Dollar (USD) verwendet? | Stripe. Abgerufen am 29. Dezember 2025 (österreichisches Deutsch).
  5. a b c Carol Bertaut, Bastian von Beschwitz, Stephanie Curcuru: The International Role of the U.S. Dollar – 2025 Edition. 18. Juli 2025 (federalreserve.gov [abgerufen am 29. Dezember 2025]).
  6. The Weaponisation of the Dollar London School of Economics and Political Science
  7. a b Uwe Vollmer: Re-Industrialisierung durch De-Dollarisierung? Zu den amerikanischen Plänen einer Reform des Weltwährungssystems. In: Wirtschaftliche Freiheit. 4. April 2025, abgerufen am 29. Dezember 2025.
  8. a b Samer Ajour El Zein, José Antonio Clemente-Almendros, Florin Teodor Boldeanu: Understanding De-dollarization Among BRICS Nations: Systematic Review of the Factors and Fallout. In: Revista de Administração Contemporânea. Band 29, 2025, ISSN 1415-6555, S. e240197, doi:10.1590/1982-7849rac2025240197.en (scielo.br [abgerufen am 29. Dezember 2025]).
  9. Money Matters, an IMF Exhibit -- The Importance of Global Cooperation, System in Crisis (1959-1971), Part 4 of 7. Abgerufen am 31. Dezember 2025.
  10. The Debt Crisis of the 1980s
  11. https://bipartisanpolicy.org/wp-content/uploads/2019/03/Budget-Deficit.jpg. In: Bipartisan Policy Center. Abgerufen am 29. Dezember 2025 (amerikanisches Englisch).
  12. U.S. International Trade in Goods and Services, December and Annual 2024 | U.S. Bureau of Economic Analysis (BEA). Archiviert vom Original am 11. Dezember 2025; abgerufen am 29. Dezember 2025 (englisch).
  13. U.S. Net International Investment Position. 30. Juni 2025, abgerufen am 29. Dezember 2025 (englisch).
  14. Paul Munzinger, Victor Gojdka: Brics-Staaten wollen eigene Währung: Ersetzen diese Länder bald den Dollar? 28. August 2023, abgerufen am 29. Dezember 2025.
  15. Why central banks are buying gold amid soaring prices. Abgerufen am 29. Dezember 2025 (englisch).
  16. De-Dollarisierung der Weltwirtschaft? In: Konrad-Adenauer-Stiftung. 23. Mai 2023, abgerufen am 29. Dezember 2025 (amerikanisches Englisch).