Instruktionspsychologie

Als Instruktionspsychologie versteht man die Psychologie des Lernens unter Einflüssen des Lehrens. Neben einem wissenschaftlichen Verständnis des Lernens ist dafür ein wissenschaftliches Verständnis von Lehren nötig. Die Instruktionspsychologie erarbeitet entsprechend Erkenntnisse über die Wirksamkeit von Lehrprozessen. Der Begriff Instruktion bezieht sich dabei auf formale Lernprozesse, insbesondere den Unterricht.

Die Instruktionspsychologie ist ein Teilbereich der Pädagogischen Psychologie.[1] Anders als die ihr thematisch sehr ähnliche Didaktik ist sie kein Teilbereich der Erziehungswissenschaft.

Instructional Design zur Erreichung gesetzter Lehrziele ist eine spezielle Form von Instruktionspsychologie.

Geschichte und Formen

Der Begriff Instruktionspsychologie stammt aus dem Programmierten Unterricht, das wiederum verhaltenspsychologischen Ansätzen und im weiteren Sinne dem Behaviorismus zuzuordnen ist. Seit der kognitiven Wende in der Psychologie der 1960er Jahre wurde er kognitivistisch umgedeutet. Seit 1980 gibt es auch konstruktivistische Interpretationen, jeweils in Übereinstimmung mit zu dieser Zeit aktuellen lernpsychologischen Ansätzen.[2] Entsprechend diesen Ansätzen wird das Ziel von Instruktion behavioristisch als Veränderung von Verhalten angesehen, kognitivistisch als Etablierung neuer kognitiver Strukturen (insbesondere Wissen und Fertigkeiten) und konstruktivistisch als die Befähigung zu eigenständigem Problemlösen.[3] Der Fokus verschiebt sich damit auch von den Lehrenden zu den Lernenden.

Gegenstände und Inhalte

Die instruktionspsychologischen Themenstellungen beziehen sich auf „Was-Fragen“ und „Wie-Fragen“.[4] Beziehungen gibt es zur deskriptiv gedachten empirischen Unterrichtsforschung, zur präskriptiven Instruktionsforschung und zur normativen Erziehungsphilosophie. Instruktionspsychologische Fragestellungen werden ebenso im Rahmen der Didaktik angesprochen.

Konkret sind Themen der Instruktionspsychologie

  • Bestimmung von Lehrzielen einschließlich gewünschter Verhaltensweisen (eher behavioristisch gedacht) oder Kompetenzen (eher kognitivistisch gedacht)
  • Bestimmung von Lehrinhalten, wobei es hier nicht um curriculare Inhalte geht, sondern um kognitionspsychologische Hierarchisierungen von Leistungen, etwa Lernzieltaxonomien oder Wissensarten (deklaratives Wissen, prozedurales Wissen, metakognitives Wissen)
  • Lehrstoffanalyse, d. h. die Aufteilung den Lehrziels in einzelne, konkrete Teilschritte (rational oder empirisch)
  • Lehrfunktionen, d. h. Wissen um die Auswirkungen von Lehrtätigkeiten
  • Diagnose und Evaluation von Lernerfolgen, Bedeutung individueller Unterschiede
  • Medien und Technologien

Grundlagen

Grundlagen für die Instruktionspsychologie sind psychologische Lern- und Gedächtnistheorien, das Wissen um effektive Lehr- und Unterrichtsmethoden und Medien[5] sowie normative Annahmen über die Ziele von formalem Lehren.

Literatur

  • Karl Josef Klauer, Detlev Leutner: Lehren und Lernen: Einführung in die Instruktionspsychologie. 2., überarb. Aufl., Beltz Verl., Weinheim, Basel 2012, ISBN 978-3-621-27667-2.
  • Klaus-Jürgen Bruder: Taylorisierung des Unterrichts: Zur Kritik der Instruktionspsychologie. In: Kursbuch. (ISSN 0023-5652). Bd. 24 (1971), S. 113–130.
  • Detlev Leutner: "Instruktionspsychologie". In Detlef H. Rost (Hrsg.), Handwörterbuch Pädagogische Psychologie. 4. Aufl. Beltz Verl. Weinheim, Basel, 2010. S. 289–298.

Einzelnachweise

  1. Roland Brünken, Stefan Münzer, Birgit Spinath: Pädagogische Psychologie - Lernen und Lehren. Hogrefe Verlag, 2019, ISBN 978-3-8409-2214-5, doi:10.1026/02214-000 (hogrefe.com [abgerufen am 21. Oktober 2025]).
  2. Otto Ewert, Joachim Thomas: Das Verhältnis von Theorie und Praxis in der Instruktionspsychologie. In: Franz E. Weinert (Hrsg.): Psychologie des Lernens und der Instruktion. Hogrefe, Göttingen 1996, S. 89–118.
  3. Detlev Leutner: Instruktionspsychologie. In: Detlef H. Rost (Hrsg.): Handwörterbuch Pädagogische Psychologie. 4. Auflage. Beltz, 2010, S. 289–298.
  4. Karl Josef Klauer, Detlev Leutner: Lehren und Lernen. Einführung in die Instruktionspsychologie. BeltzPVU, Weinheim 2007, S. 14.
  5. W. Echterhoff: Instruktionspsychologie. In: Markus Antonius Wirtz (Hrsg.): Dorsch - Lexikon der Psychologie (18., überarbeitete Auflage). Hogrefe AG, Bern 2017, S. 800.