Institut für Tropenmedizin Tübingen

Das Institut für Tropenmedizin, Reisemedizin, Humanparasitologie (ITM) ist spezialisiert auf Infektionskrankheiten, Tropenkrankheiten und Humanparasitosen. Mit etwa 100 Mitarbeitern betreibt es eine tropen- und eine reisemedizinische Ambulanz sowie Lehre und Forschungsprojekte zu tropenmedizinischen Fragestellungen.

Geschichte

Bereits im 19. Jahrhundert wurden tropenmedizinische Erkrankungen in Tübingen vor allem von Ferdinand Gottlieb von Gmelin (1782–1848), Wilhelm von Rapp (1774–1868) und Wilhelm Griesinger (1817–1868) erforscht. Bei ihnen haben sowohl Theodor Bilharz (Erstbeschreibung 1851 des Pärchenegels Schistosoma in Ägypten) als auch Otto Wucherer (Erstbeschreibung 1868 einer Mikrofilarie, einer Wurmlarve, in Brasilien) studiert.

Am 2. Juli 1917 wurde Gottlieb Olpp zum außerordentlichen Professor für Tropenmedizin der Universität Tübingen ernannt. Das Institut für Tropenmedizin wurde 1956 gegründet. Im Jahr 2006 wurde es formal der Medizinischen Klinik am Universitätsklinikum Tübingen als Abteilung „Innere Medizin VII – Institut für Tropenmedizin, Reisemedizin, Humanparasitologie“ eingegliedert.[1]

2017 wurden "100 Jahre Tropenmedizin an der Universität Tübingen" gefeiert.[2]

Forschung

Am Institut werden Infektionskrankheiten wie Malaria, Schistosomiasis und Tuberkulose erforscht und Medikamente sowie Impfstoffe klinisch getestet. Malariamittel wie Atovaquon-Proguanil, Amodiaquin-Artesunat und Pyronaridin-Artesunat sowie Impfstoffe gegen Malaria und Ebola wurden hier mitentwickelt.[3]

Nach den Erhebungen des Laborjournals sind 11 Wissenschaftler des Instituts unter den 50 meistzitierten Wissenschaftlern des Fachgebiets Parasitologie im deutschsprachigen Raum; Peter G. Kremsner ist seit drei Jahrzehnten der am meisten zitierte Wissenschaftler Deutschlands in diesem Fachgebiet.[4]

Lehre

Am Institut arbeiten fünf berufene Professoren: Peter G. Kremsner seit 1996, Ayola Akim Adegnika[5] seit 2016, Steffen Borrmann seit 2014, Sabine Bélard seit 2022 und Le Hub Song seit 2025.

Zielgruppe der Lehre sind Studierende der Medizin und Biologie. Es werden etwa 25 Lehrveranstaltungen (Vorlesungen, Seminare, Kolloquien, Praktika und Kurse für Studienanfänger, Fortgeschrittene und Post-Graduierte) angeboten.

Institutsdirektoren

Sonstiges

Das Institut für Tropenmedizin ist Teil des Comprehensive Infectious Disease Center (CIDiC) am Universitätsklinikum Tübingen und ein Standort des Deutschen Zentrums für Infektionsforschung (DZIF). Seit 2007 ist das Institut „Kompetenzzentrum für Tropenmedizin in Baden-Württemberg“.[7]

Partnereinrichtungen des Instituts für Tropenmedizin befinden sich in Lambaréné/Gabun (Centre de Recherches Médicales de Lambaréné (CERMEL)), in Brazzaville/Kongo (Fondation Congolaise pour la Recherche Médicale (FCRM)) und in Hanoi/Vietnam (Vietnamese-German Center for Medical Research (VG-CARE)).

Einzelnachweise

  1. P. G. Kremsner: „Tropical medicine at the University of Tübingen“, Wiener klinische Wochenschrift, March 2010, Vol. 122, Suppl 1:1-3. doi:10.1007/s00508-010-1324-2.
  2. 100 Jahre Tropenmedizin an der Universität Tübingen. Abgerufen am 24. Mai 2022 (englisch).
  3. Südwest Presse.Tropeninstitut: Hoffen auf Durchbruch bei Malariaimpfung. URL: Archivierte Kopie (Memento des Originals vom 28. Dezember 2017 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.swp.de
  4. Ralf Neumann: Schmarotzerforscher, Laborjournal online: Zitationsvergleich 2009-2013: Parasitologie. Abgerufen am 11. August 2017.
  5. Kathrin Gießelmann: Ayola Akim Adegnika - Erste Tübinger Forschungsprofessur in Gabun. In: Deutsches Ärzteblatt. Jahrgang 113 (Heft 45), 2016, S. A2059
  6. Archivierte Kopie (Memento des Originals vom 3. März 2018 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.medizin.uni-tuebingen.de
  7. Carsten Köhler als Leiter des Kompetenzzentrums https://www.medizin.uni-tuebingen.de/de/das-klinikum/mitarbeiter/1838