Ingrid Lorenzen
Ingrid Lorenzen (* 1927 in Marienwerder,[1] Pommern (als Ingrid Friederichsen)) ist eine deutsche Autorin und Hörfunk- und Fernsehmoderatorin, die vor allem für den NDR arbeitete.
Werdegang
Lorenzen floh mit ihrer vier Jahre älteren Schwester im Januar 1945 nach Wuppertal. Ihre Schwester ermöglichte ihr den Besuch der Elberfelder Studienanstalt. Lorenzen machte 1947 Abitur. Danach zog sie nach München, wo ihre Schwester inzwischen in der Verwaltung einer Schuhfabrik arbeitete. Die Eingangsprüfung zur Journalistenschule Anfang 1948 in München verpasste sie durch einen Unfall. Stattdessen wurde sie freie Mitarbeiterin eines Sportreporters und machte so erste journalistische Erfahrungen. U. a. schrieb sie einen Artikel über den ersten Film und Presseball nach Kriegsende im Februar 1949. Diese ersten Erfahrungen ermöglichten ihr ein Volontariat bei Die Neue Zeitung anzufangen. Nach dem Volontariat arbeitete sie seit 1951 für den Hörfunk des NWDR im Landesstudio Flensburg. Mitte der 1950er Jahre heiratete sie den Bankkaufmann Erich Lorenzen. Die Erlebnisse einer gemeinsamen halbjährigen Reise durch den Balkan, den Nahen Osten und Nordafrika nutzte sie für viele Reportagen, z. B. in der NDR-Sendung „Zwischen Hamburg und Haiti“ und für ihr Buch „Stille Wüsten – brodelnde Städte“, welches aber erst 1998 erschien. Seit Februar 1957 moderierte sie ihre erste eigene Radio-Sendung „Hallo Fernfahrer -Zuhause und unterwegs“ im Spätabendprogramm. Durch diese Sendung wurde der damalige Redakteur der Sendung „Zwischen Hamburg und Haiti“ Werner Baecker auf sie aufmerksam und Lorenzen gehörte damit 1957 zu den ersten Moderatorinnen der Sendung Die aktuelle Schaubude. Von 1958 bis 1980 arbeitete sie bei der „Nordschau“. Im Laufe der Zeit spezialisierte sie sich auf Wirtschaftsthemen und redigierte die Sendereihe „Es geht ums Geld“. Bei dieser Gelegenheit machte sie auch unterschiedliche Manager-Porträts, u. a. über Jürgen Ponto (Dresdner Bank), Hans Birnbaum (Salzgitter AG) und Rudolf Leiding (VW). Für ihre Beiträge bekam sie u. a. den „Ernst-Schneider-Preis“, den „Preis des Deutschen Atomforums“ und den „Robert-Mayer-Preis“. 1980 bis 1987 leitete sie die Wirtschaftsredaktion/Fernsehen des NDR und war Moderatorin des ARD-Wirtschaftsmagazins „plusminus“. Sie war an der Konzeption der Live-Sendung „Schaufenster“ beteiligt, die sie dann auch moderierte. Es war eine der ersten Koch-Sendungen im deutschen Fernsehen, denn der Hauptgast bereitete mit professioneller Unterstützung ein Essen vor und gab zwischendurch ausführliche Interviews. Am Ende der Sendung durften die etwa 25 Studiogäste das Gericht probieren. Bei der Premiere am 4. Januar 1984 war die damalige niedersächsische Finanzministerin Birgit Breuel Gast dieser Sendung.[2]
Frühe TV-Panne mit bundesweitem Echo
Da es in den 1950er Jahren noch keine Möglichkeit gab, bei aktuellen Berichten mit Hilfe von Videobändern die Offstimme vor der Ausstrahlung aufzuzeichnen, kam es am 2. Oktober 1958 zu einer bundesweit beachteten Panne. Lorenzen sprach ohne eigenes Verschulden als Off-Stimme bei einer Livesendung den falschen Text zu einem aktuellen Bericht über die Grundsteinlegung des niedersächsischen Landtages. Die Filmaufnahme zeigte, wie der niedersächsische Ministerpräsident Heinrich Hellwege mit drei obligatorischen Hammerschlägen die Grundsteinlegung vollzog. Das kommentierte Lorenzen als Off-Stimme mit den Worten „Dieser pfiffige Blondschopf, der sich durchgedrängt hat, hofft sicher auch eines Tages, Politiker zu werden!“. Der Text war eigentlich für einen späteren Zeitpunkt des Berichts gedacht gewesen und zeigte einen Jungen, der bei der Veranstaltung zuschaute. Manche vermuteten politische Agitation und forderten die Entlassung der Verantwortlichen. Andere waren über die Panne amüsiert und schickten Blumen und anerkennende Briefe. Auch im Spiegel wurde der Fall thematisiert.[3] Der betroffene Heinrich Hellwege, der nur noch wenig Haupthaare hatte, nahm die Sache mit Humor und beendete die Diskussion in einem Telegramm mit den Worten „Bedanke mich, dass Sie mich noch als Blondschopf bezeichnet haben.“
Auszeichnungen
- Robert-Mayer-Preis 1981
- Ernst-Schneider-Preis 1982 (Fernsehen Kurzbeitrag für „Der Strompreis“)
- Preis des Deutschen Atomforums
Bücher
- Wo ist das Ende der Welt, Frieling, Berlin, 2006.
- Klöster, Kirchen und Kastelle, Frieling, Berlin, 2005.
- Mittelmeer a la carte, Frieling, Berlin, 2003.
- Chopin war nicht an Bord, Frieling, Berlin, 2001.
- Tee mit Hern Goethe und andere seltsame Geschichten, Frieling, Berlin, 2000.
- An der Weichsel zu Haus, Frieling, Berlin, 1999.
- Journalistentage, Frieling, Berlin, 1998.
- Stille Wüsten – brodelnde Städte, Frieling, Berlin, 1998.
Einzelnachweise
- ↑ Braunschweiger Zeitung, 1.11.1959.
- ↑ Ingrid Lorenzen, Journalistentage, Frieling, Berlin, 1998.
- ↑ Lustige Hannoveraner. In: spiegel.de. 7. Oktober 1958, abgerufen am 9. Januar 2026.