Ingeborg Schröbler
Ingeborg Henriette Schröbler (* 25. Mai 1908 in Laubegast; † 17. Juni 1975 in Berlin) war eine deutsche Germanistin und Hochschullehrerin.[1]
Leben und Wirken
Nach ihrer Reifeprüfung 1928 in Annaberg studierte Ingeborg Schröbler von 1928 bis 1933 Germanistik, Geschichte, Anglistik und Philosophie, zunächst an der Universität Marburg (1928/29), dann an der Universität Heidelberg (1929/30) und bis 1933 an der Universität Leipzig. Im Jahre 1934 promovierte sie in Leipzig bei Theodor Frings und legte im gleichen Jahr das Staatsexamen für den höheren Schuldienst ab. Von 1935 bis 1938 arbeitete sie im Schuldienst. Am 13. September 1937 beantragte sie die Aufnahme in die NSDAP und wurde rückwirkend zum 1. Mai desselben Jahres aufgenommen (Mitgliedsnummer 5.168.208).[2] Von 1938 bis 1946 war sie Mitarbeiterin beim Projekt „Althochdeutsches Wörterbuch“ der Deutschen Akademie München (Arbeitsstelle Leipzig). 1943 habilitierte sie sich an der Universität Leipzig. Von 1942 bis 1945 war sie als wissenschaftliche Hilfskraft bzw. Dozentin für Ältere Germanische Philologie tätig. Nach dem Zweiten Weltkrieg arbeitete sie zunächst bis 1949 freiberuflich. An der Freien Universität Berlin konnte sie sich 1950 umhabilitieren. Bis 1975 lehrte sie dort, zunächst als Dozentin bzw. außerplanmäßige Professorin. Von 1960 bis 1975 hatte sie dann eine ordentliche Professur für Ältere Germanistik inne.
Ingeborg Schröbler veröffentlichte zur deutschen mittelalterlichen Literatur (u. a. zu Notker III.) und zur mittellateinischen Literatur.
Veröffentlichungen (Auswahl)
- Wikingische und spielmännische Elemente im zweiten Teile des Gudrunliedes (= Rheinische Beiträge und Hülfsbücher zur germanischen Philologie und Volkskunde, Bd. 20). Niemeyer, Halle/S. 1934 (= Dissertation Universität Leipzig).
- Beowulf und Homer. In: Beiträge zur Geschichte der deutschen Sprache und Literatur, Bd. 63 (1939), S. 305–346.
- Zu Himmel und Hölle. In: Altdeutsches Wort und Wortkunstwerk. Georg Baesecke zum 65. Geburtstage, 13. Januar 1941. Niemeyer, Halle/S. 1941, S. 138–152.
- Die St. Galler Wissenschaft um die Jahrtausendwende und Gerbert von Reims. In: Zeitschrift für deutsches Altertum und deutsche Literatur, Bd. 81 (1944), S. 32–43.
- Zum Brief Notkers des Deutschen an den Bischof von Sitten. In: Zeitschrift für deutsches Altertum und deutsche Literatur, Bd. 82 (1948/50), S. 32–46.
- Bemerkungen zur ahd. Syntax und Wortbedeutung. In: Ebd., S. 240–251.
- Interpretatio christiana in Notkers Bearbeitung von Boethius' Trost der Philosophie. In: Zeitschrift für deutsches Altertum und deutsche Literatur, Bd. 83 (1951/52), S. 40–57.
- (Hrsg.): Georg Baesecke / Das mittelhochdeutsche Gedicht vom Fuchs Reinhart nach den Casseler Bruchstücken und der Heidelberger Hs. Cod.pal.germ. 341 (= Altdeutsche Textbibliothek, Bd. 7). 2. Aufl. Niemeyer, Halle/S. 1952.
- Notker III. von St. Gallen als Übersetzer und Kommentator von Boethius' De consolatione philosophiae (= Hermaea, N.F., Bd. 2). Niemeyer, Tübingen 1953 (= Habilitationsschrift Universität Leipzig).
- Glossen eines Germanisten zu Gottschalk von Orbais. In: Beiträge zur Geschichte der deutschen Sprache und Literatur, Bd. 77 (1955), S. 89–111.
- Zu den carmina rhythmica in der Wiener Handschrift der Bonifatiusbriefe (Monum. Germ. AA XV, 517 ff.). Oder über den Stabreim in der lateinischen Poesie der Angelsachsen. In: Beiträge zur Geschichte der deutschen Sprache und Literatur, Bd. 79 (1957), S. 1–42.
- Otloh von St. Emmeram und Hieronymus. In: Ebd., S. 355–362.
- Das mittelhochdeutsche Gedicht vom "Recht". In: Beiträge zur Geschichte der deutschen Sprache und Literatur, Bd. 80 (1958), S. 219–252.
- Zu L. Fuks' Ausgabe der ältesten bisher bekannten Denkmäler jiddischer Literatur. In: Zeitschrift für deutsches Altertum und deutsche Literatur, Bd. 89 (1958/59), S. 135–162.
- Fulda und die althochdeutsche Literatur. In: Fuldaer Geschichtsblätter, Jg. 1962, S. 141–165.
- Von den Grenzen des Verstehens mittelalterlicher Dichtung. In: Germanisch-romanische Monatshefte, Bd. 44 (1963), S. 1–14.
- Ikonographische Bemerkungen zur Komposition der Vorauer Bücher Mosis und zu bildlichen Darstellungen der Rolandssage. In: Zeitschrift für deutsches Altertum und deutsche Literatur, Bd. 100 (1971), H. 4, S. 250–269.
- Da von wizze wir alle wol, daz sant Johannes ein swert truoc ("Renner", v. 9012f.). Zur Ikonographie des Clemensgrabes im Bamberger Dom. In Hans Fromm u. a. (Hrsg.): Verbum et Signum. Beiträge zur mediävistischen Bedeutungsforschung [Friedrich Ohly zum 60. Geburtstag überr. 10. Jan. 1974]. Bd. 1. Fink, München 1975, S. 341–353.
Festschrift
- Dietrich Schmidtke (Hrsg.): Festschrift für Ingeborg Schröbler zum 65. Geburtstag (= Beiträge zur Geschichte der deutschen Sprache und Literatur, Bd. 65, Sonderheft). Niemeyer, Tübingen 1973.
Einzelnachweise
- ↑ Nikolaus Henkel: Schröbler, Ingeborg Henriette. In: Christoph König (Hrsg.): Internationales Germanistenlexikon 1800-1850. Bd. 3. De Gruyter, Berlin 2003, S. 1657–1659, ISBN 3-11-015485-4 (mit allen biografischen Daten u. weiteren Literaturangaben); Ingeborg Schröbler. In: FU-Lexikon (abgerufen am 22. November 2025).
- ↑ Bundesarchiv R 9361-IX KARTEI/39600130