Inge Katz
Inge Katz verheiratet Inge Berger (* 24. Juni 1924 in Bremen) ist eine deutsche Überlebende des Holocaust. Ihr zu Ehren wurde die Schule Delmestraße in Inge-Katz-Schule umbenannt.
Leben
Inge Katz wurde am 24. Juni 1924 in Bremen als einzige Tochter von Carl und Marianne Katz geboren.[1] Sie wuchs in der Isarstraße auf und in der Familie lebte auch ihre Großmutter Rosa Grünberg. Inge Katz besuchte die Mädchenschule an der Delmestraße, die später ihr zu Ehren in Inge-Katz-Schule umbenannt wurde. Sie und ihre Cousine Ruthie Cohn gehörten zu den wenigen jüdischen Kindern an der Schule und waren die einzigen in ihrer Klasse. Sie waren nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten Diskriminierung und Schikane ausgesetzt. Sie durften nicht mit auf eine Klassenfahrt, nicht mehr in den Turnverein, mussten in der letzten Bankreihe sitzen und wurden in der Schule von den anderen Kindern gemieden. Der Schuldirektor hielt vor den Schülerinnen antisemitische Reden, die er mit dem Satz beendete: „Damit sind natürlich nicht Inge und Ruthie gemeint.“[2]
In der Reichspogromnacht wurde auch das Haus der Familie Katz angegriffen, und Inge zog im Alter von 14 Jahren nach Berlin zu ihrer Tante, um dort ihre Ausbildung zur Schneiderin fortzusetzen, die sie 1938 begonnen hatte. Ihr Vater Carl Katz wurde nach der Reichspogromnacht festgenommen und ins KZ Sachsenhausen gebracht. Er kam jedoch wieder frei und die Familie bemühte sich um eine Ausreise.[3] Er holte Inge Katz 1940 nach Bremen zurück, da er sie in seiner Nähe haben wollte. Die Familie musste die nächste Zeit in Bremen in einem „Judenhaus“ wohnen und sich dieses mit weiteren Familien teilen. Bereits Ende 1941 wurden zunächst Ruthie und ihre Eltern deportiert, sie wurde wenige Tage nach der Deportation im Ghetto Minsk erschossen.[4] Im darauffolgenden Jahr, einen Monat nach dem 18. Geburtstag von Inge Katz, wurde auch sie mit ihrer Familie in das Ghetto Theresienstadt deportiert. Dort starb die Großmutter Rosa Grünberg kurz nach der Ankunft, da sie ihre Medikamente nicht mehr bekam. Inge Katz begann ein Notizbuch zu führen, in das sie alle Namen derer schrieb, die in dem Ghetto starben.[2][3]
Sie lernte im Ghetto auch ihren späteren Ehemann Schmuel Berger, einen tschechischen Juden, kennen. Berger arbeitete in der Bäckerei des Ghettos und brachte ihrer Familie heimlich Brot, welches er mitnehmen durfte. Berger wurde 1944 nach Auschwitz, dann nach Dachau deportiert. Er überlebte, wie auch Inge Katz, und als sie sich 1946 in Bremen wiederfanden, heirateten sie 1947 und wanderten in die Vereinigten Staaten aus. In Bremen fühlten sie sich auch nach dem Krieg und dem Ende der Nazi-Herrschaft nicht angenommen. Sie bekamen zwei Töchter, Hanna und Ruth, benannt nach ihrer Cousine Ruthie.[5] Schmuel Berger starb 2006 in New York, dort lebt Inge Berger noch heute. Ihre Enkeltochter, eines von fünf Enkelkindern, Elise Garibaldi, schrieb ein Buch über das Leben von Inge und Schmuel Berger Roses in a Forbidden Garden: A Holocaust Love Story. Der Titel bezieht sich auf die Rose, die Schmuel Berger für Inge Katz aus dem Garten eines Nationalsozialisten stahl, um sie ihr vor seiner Verlegung ins KZ Auschwitz zu schenken. Sie schrieb ebenfalls ein Buch über Carl Katz.[3][2]
Erinnerungsarbeit
Angestoßen durch das Buch wurde die Umbenennung des Schulzentrums Neustadt, welches Inge Katz besucht hatte, in Inge-Katz-Schule diskutiert. Eigentlich werden Schulen jedoch nicht nach noch lebenden Personen benannt, hier jedoch sprach sich der Senat 2019 für die Umbenennung aus. Das Motto der Schule lautet: „Bei uns sitzen alle in der ersten Reihe.“[2][6]
Ihre Tochter Ruth besuchte gemeinsam mit dem zu der Zeit 93-jährigen Cousin und Auschwitz-Überlebenden Albrecht Weinberg die Schule und sie sprachen mit den Schülerinnen und Schülern über das Buch und die Erlebnisse von Inge Katz. Dabei wurde auch ein Bild von Inge und ihrer Cousine Ruthie in die erste Reihe einer Schulbank gestellt.[7]
Auf der Homepage der Schule findet sich ein Bild von Inge Katz und ein Zitat:[8]
„Nun seid Ihr die heranwachsende Jugend, die auf der Wacht sein muss, dass Menschen geachtet werden, egal woher sie kommen oder welche Religion sie befolgen!“
Auszeichnungen und Ehrungen
2019 wurde ihr zu Ehren die Schule Delmestraße in der Bremer Neustadt in Inge-Katz-Schule umbenannt.[9]
2022 wurde Inge Katz in Bremen mit einem FrauenOrt geehrt.[10]
Literatur
- Elise Garibaldi: Niemals genug. Die Geschichte von Carl Katz. Verlag Edition Falkenberg, Bremen 2023, ISBN 978-3-95494-303-6
- Elise Garibaldi: Rosen in einem verbotenen Garten. Verlag Hentrich&Hentrich, Berlin, 2018, ISBN 978-3-95565-300-2.
Weblinks
Einzelnachweise
- ↑ #lastseen Bildatlas. In: lastseen.org. atlas.lastseen.org, abgerufen am 21. Dezember 2025 (englisch).
- ↑ a b c d Katz, Inge (*1924). In: bremer-frauenmuseum.de. 22. November 2022, abgerufen am 21. Dezember 2025.
- ↑ a b c Holocaust-Überlebende Inge Berger aus Bremen verliebte sich im Ghetto - Bremen Zwei. In: bremenzwei.de. Abgerufen am 21. Dezember 2025.
- ↑ Ruth Cohen, *1923. Stolpersteine-Bremen, abgerufen am 21. Dezember 2025.
- ↑ Bremer Frauenort - Inge Katz. Bremer Frauenmuseum, abgerufen am 21. Dezember 2025.
- ↑ Jan-Felix Jasch und Maurice Arndt: Bremer Schule will sich nach Inge Katz benennen - darf es aber nicht. In: weser-kurier.de. weser-kurier-de, 15. November 2019, abgerufen am 21. Dezember 2025.
- ↑ Rosen in einem verbotenen Garten – Oberschule-Findorff. In: oberschule-findorff.de. 21. Dezember 2018, abgerufen am 21. Dezember 2025 (deutsch).
- ↑ Start. In: iks-bremen.de. www.iks-bremen.de, abgerufen am 21. Dezember 2025.
- ↑ Maximilian Seidenfaden: Schulzentrum Neustadt heißt nun Inge-Katz-Schule. Weser-Kurier, 11. Dezember 2019, abgerufen am 21. Dezember 2025.
- ↑ Der digitale Stadtplan FrauenOrte Neustadt. In: bremer-frauenmuseum.de. 2024, abgerufen am 21. Dezember 2025.