Industriemuseum Blaahaus

Das Industriemuseum Blaahaus befindet sich in einem translozierten ehemaligen Arbeiterwohnhaus in Kiefersfelden nahe der bayerisch-österreichischen Grenze. Das von der Gemeinde Kiefersfelden getragene Museum befasst sich mit der Industriegeschichte der Region und dem Alltag der Industriearbeiter.

Gebäude

Das Gebäude wurde 1696 als Wohnhaus für die Arbeiter der Eisenwerke errichtet, die am Hochofen als „Plaameister“ oder „Bläher“ tätig waren. 1996 wurde das sogenannte Blaahaus vom Werksgelände an den heutigen Standort versetzt und seitdem als Museumsgebäude genutzt. Es ist ein geschütztes Baudenkmal.[1]

Geschichte

Am neuen Standort richteten engagierte Bürger Ende der 1990er Jahre das Heimatmuseum im Blaahaus ein. Die Ausstellung zeigte Landschaftsmodelle und eine Sammlung zur Industriegeschichte, Geologie, Almwirtschaft und Jagd. 2020 begann ein Projekt zur Neugestaltung des Museums. Als Alleinstellungsmerkmal und Themenschwerpunkt wurde die industrielle Vergangenheit des ländlichen Raums gewählt. Die Kosten für bauliche Maßnahmen, Haustechnik und Ausstellung beliefen sich auf rund 640.000 €. Nach einjähriger Schließung konnte das Museum mit dem neuen Namen Industriemuseum Blaahaus Kiefersfelden am 16. November 2024 wieder öffnen.[2]

Ausstellung

Die Ausstellung verteilt sich auf zwölf Räume mit einer Gesamtfläche von etwa 400 Quadratmetern. Ein Raum im Erdgeschoss befasst sich mit der Geschichte des Blaahauses; weitere Räume sind für Sonderausstellungen vorgesehen.

Im ersten Obergeschoss werden der Ort und die Verkehrswege dargestellt, die für die Industriegeschichte in Kiefersfelden prägend waren. Historische Filmausschnitte zeigen Trift und Köhlerei, mit der seit dem 17. Jahrhundert Holz aus den umliegenden Wäldern zu Holzkohle verarbeitet wurde. Um 1700 entstand neben der Kohlstatt ein Eisenwerk mit Hochofen und Hammerwerk, das fast zwei Jahrhunderte lang hochwertigen Stahl produzierte. Schautafeln, Lageplan und zwei Modelle veranschaulichen die Anlagen und Produktionsverfahren. Die Sensenindustrie im Kiefersfeldener Ortsteil Mühlbach nutzte die Wasserkraft zum Antrieb der Schmiedehämmer. Die Ausstellung zeigt Filmdokumente, Arbeitsschritte und verschiedene Sensenblätter. Nach dem Ende der Eisenverhüttung wurde 1883 die Marmorindustrie Kiefer gegründet. Neben einem Lageplan der Anlage werden Abbau und Verarbeitung des Natursteins erklärt sowie Produkte gezeigt. Als letzter Kiefersfeldener Industriezweig wird das bis 2002 betriebene Zementwerk vorgestellt und die damit verbundene Umweltbelastung thematisiert.

Im Dachgeschoss sind gesellschaftliche, soziale und kulturelle Themenbereiche zu finden. Mit der Industrialisierung entstanden Werkswohnungen, betriebliche Sozialeinrichtungen und Vereine. Historische Kostüme aus der Zeit der Passionsspiele erinnern an die über 400-jährige Theatertradition. Neben einem Modell des 1833 erbauten Theaterhauses wird die Konstruktion der barocken Dreh- und Klappkulissenbühne gezeigt, auf der die jährlichen Ritterschauspiele stattfinden.

Literatur

Commons: Industriemuseum Blaahaus – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Ehemaliges Arbeiterwohnhaus. In: DenkmalAtlas 2.0. Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege, abgerufen am 2. Januar 2026.
  2. Kim Westphal: Ein Industriemuseum mitten im idyllischen Inntal? Das neu gestaltete Blaahaus in Kiefersfelden. In: Museum heute. Nr. 67. Landesstelle für die nichtstaatlichen Museen in Bayern, Juli 2025, ISSN 0944-8497, S. 7–13, hier: S. 7–9.

Koordinaten: 47° 36′ 26,8″ N, 12° 11′ 42,3″ O