Indische Astronomie
Die indische Astronomie hat eine lange Geschichte, die von den Anfängen in der Indus-Kultur bis zum heutigen indischen Raumfahrtprogramm reicht.
Anfänge
Die ältesten Wurzeln der indischen Astronomie liegen in den Sternbeobachtungen der Indus-Kultur.[1] Archäologische Funde liefern Indizien, dass die Indus-Kultur in Harappa möglicherweise spezielle Rundbauten zur Sonnen- und Sternbeobachtung nutzten. Weitere Hinweise auf erste astronomische Aktivitäten auf dem indischen Subkontinent liefern die Veden, die ältesten religiösen Schriften Indiens. Die Beschreibungen der Kalender-Konstellationen in den Veden datieren um die Zeit um 2300 v. Chr., der Blütezeit der Indus-Zivilisation.[2]
Die Anfänge der indischen Astronomie entwickelten sich weiter als eine der Vedangas, den Hilfsdisziplinen des Veda-Studiums. betraf die Astronomie bzw. Astrologie zur Kenntnis des vedischen Kalenders, um die glückverheißenden Tage zu bestimmen. Das Vedanga Jyotisha (ज्योतिष, jyotiṣa, Das Auge der Veden) enthält Details über die Sonne, den Mond, die Nakshatras (Einteilung der Ekliptik in 27 Sterngruppen) und den Lunisolarkalender[3] und beschreibt Regeln für die Verfolgung der Bewegungen von Sonne und Mond zur Bestimmung der glückverheißenden Tage. Gemäß Jyotisha gibt es in einem Yuga oder „Zeitalter“ 5 Sonnenjahre, 67 siderische Mondzyklen, 1.830 Tage, 1.835 siderische Tage und 62 synodische Monate. In den Veden finden sich Beschreibungen der Planeten mit ihren charakteristischen Farben. Das astronomische Jahr umfasst nach diesen Schriften 360 Tage.[1]
Ab dem 4. Jahrhundert v. Chr. wurde die indische Astronomie als Folge der Eroberungen Alexanders der Großen durch die griechische Astronomie beeinflusst.[4] So waren z. B. die Schriften Yavanajataka[5] und Romaka Siddhanta[6] Sanskrit-Übersetzungen eines griechischen Textes, der ab dem 2. Jahrhundert im Umlauf war.[7] Über die griechische Astronomie gelangten Himmelsvorstellungen und astronomische Instrumente in den fernen Osten, darunter Sonnenuhren und die Vorstellung einer kugelförmigen Erde.[2]
Spätere Astronomen erwähnen die Existenz verschiedener Siddhantas während dieser Zeit, darunter einen Text, der als Surya Siddhanta bekannt ist. Dabei handelte es sich nicht um festgeschriebene Texte, sondern vielmehr um eine mündliche Überlieferung von Wissen, deren Inhalt nicht mehr erhalten ist. Der heute als Surya Siddhanta bekannte Text stammt aus der Gupta-Zeit und wurde von Aryabhata übernommen.
Mittelalter
Im 5. bis 6. Jahrhundert erlebte die indische Astronomie eine Blüte mit Aryabhata, dessen Schrift Aryabhatiya die Spitze astronomischen Wissens der Zeit repräsentierte. Unter anderem wurde bereits erkannt, dass die Planeten des Sonnensystems sich in epizyklischen statt in kreisförmigen Bahnen bewegen.[8] Außerdem erkannte Aryabhata, dass sich die Sterne nur scheinbar um die Erde bewegen. Tatsächlich wird der Eindruck einer Bewegung der Sterne durch die Rotation der Erde um ihre Achse erzeugt. Aryabhata vermutete, dass der Mond nicht von selbst leuchtet, sondern dass der Mond das Sonnenlicht reflektiert.[2]
Indische Astronomie beeinflusste entscheidend die muslimische Astronomie, die chinesische Astronomie und die europäische Astronomie.[2] Wichtige Astronomen der klassischen Zeit, die auf dem Werk von Aryabhata aufbauten, waren Brahmagupta, Varahamihira and Lalla.
Im 18. Jahrhundert erfuhr die Himmelsbeobachtung einen Aufschwung durch den Bau der Observatorien, die Jai Singh II. unter anderem in Delhi und Jaipur errichten ließ. Das größte davon, das Jantar Mantar in Jaipur, besteht aus vierzehn Bauwerken zur Beobachtung und Messung astronomischer Phänomene.[9] Es wurde 2010 als Weltkulturerbestätte in das UNESCO-Welterbe aufgenommen.[10]
Eine bedeutende einheimische indische astronomische Tradition blieb durch das indische Mittelalter bis ins 16. oder 17. Jahrhundert aktiv, insbesondere als Teil der Kerala School of Astronomy and Mathematics. Mit dem europäischen Einfluss ab dem 18. Jahrhundert wurde die einheimische indische Astronomie durch Astronomie europäischer Tradition ersetzt.
Indische Raumfahrt
Seit den 70er Jahren engagiert sich der indische Staat in der Raumfahrt, unter anderem mit Satellitenstarts, Höhenforschungsraketen und Trägerraketen.[11] Rakesh Sharma nahm am sowjetisch-indischen Raumflug Sojus T-11 im April 1984 teil und war damit der erste indische Kosmonaut im All. Ferner gibt es Projekte zur Erforschung der Planeten des Sonnensystems wie die Mondsonde Chandrayaan-1 und die Mars Orbiter Mission.
Siehe auch
Literatur
- K.V. Sarma: Astronomy in India. In: Helaine Selin: Encyclopaedia of the History of Science, Technology, and Medicine in Non-Western Cultures, 2. Auflage. Springer, Berlin 2008, S. 317–321, ISBN 978-1-4020-4559-2.
Einzelnachweise
- ↑ a b Syed Mohammad Ashfaq: Astronomy in the Indus Valley Civilization. In: Centaurus. 21, Nr. 2, 1977, S. 149–193 (englisch).
- ↑ a b c d Nadja Podbregar: scinexx | Die Vorgeschichte: Indiens astronomische Tradition. Abgerufen am 28. Februar 2018.
- ↑ Jyoti Bhusan Das Gupta: Science, Technology, Imperialism, and War. Pearson Education India, S. 33 (englisch).
- ↑ Satyendra Nath Naskar: Foreign Impact on Indian Life and Culture (c. 326 B.C. to C. 300 A.D.). Abhinav Publications, 1996, ISBN 978-81-7017-298-7 (englisch, google.com [abgerufen am 27. Dezember 2025]).
- ↑ Highlights of Astronomy, Volume 11B: As presented at the XXIIIrd General Assembly of the IAU, 1997. Johannes Andersen Springer, 31 January 1999 – Science – 616 pages. p. 721 [1]
- ↑ Satyendra Nath Naskar: Foreign Impact on Indian Life and Culture (c. 326 B.C. to C. 300 A.D.). Abhinav Publications, 1996, ISBN 978-81-7017-298-7 (englisch, google.com [abgerufen am 27. Dezember 2025]).
- ↑ David Pingree: The Recovery of Early Greek Astronomy from India. In: Journal for the History of Astronomy. Band 7, 1976, S. 109–123 (englisch, sagepub.com [PDF; abgerufen am 27. Dezember 2025]).
- ↑ Takao Hayashi: Aryabhata I. In: Encyclopædia Britannica. 2008 (englisch).
- ↑ Nadja Podbregar: Ein ehrgeiziger Plan: Jai Singh und die Sterne. Abgerufen am 28. Februar 2018.
- ↑ The Jantar Mantar, Jaipur. In: whc.unesco.org. UNESCO World Heritage Centre, abgerufen am 2. März 2018 (englisch).
- ↑ The Space Review: India’s space program looks outwards. Abgerufen am 28. Februar 2018 (englisch).