Im Namen des Vaters (Film)

Film
Titel Im Namen des Vaters
Originaltitel In the Name of the Father
Produktionsland Irland, Großbritannien, USA
Originalsprache Englisch
Erscheinungsjahr 1993
Länge 133 Minuten
Altersfreigabe
Stab
Regie Jim Sheridan
Drehbuch
Produktion Jim Sheridan
Musik Trevor Jones
Kamera Peter Biziou
Schnitt Gerry Hambling
Besetzung

Im Namen des Vaters (Originaltitel In the Name of the Father) ist ein Filmdrama des irischen Regisseurs Jim Sheridan über den britischen Justizskandal der Guildford Four. Der Film startete am 29. Dezember 1993 in ausgewählten US-Kinos[1] und am 17. März des Folgejahres in Deutschland.[2]

Handlung

Als der im Belfast der 1970er Jahre lebende Kleinkriminelle Gerry Conlon von Soldaten der britischen Armee für einen Heckenschützen gehalten wird, verursacht er auf seiner Flucht vor den Soldaten einen Aufruhr, der auch Mitglieder der IRA in Bedrängnis bringt. Sie wollen ihn dafür bestrafen, was Gerrys Vater Giuseppe jedoch im letzten Augenblick verhindern kann.

Giuseppe rät seinem Sohn, sich nach London abzusetzen, wo seine Tante lebt, um weiteren Konflikten mit der IRA aus dem Weg zu gehen. Zusammen mit seinem Freund Paul Hill macht er sich auf den Weg nach London, wo sie mit der Londoner Hippie-Szene in Kontakt kommen. Sie ziehen in ein Haus, das von einer Kommune besetzt worden ist. Dort lernen sie Carole Richardson und Paddy Armstrong kennen. Nach einem Streit ziehen sie wieder aus und nehmen zunächst eine Parkbank in Beschlag, die jedoch ein obdachloser Landsmann für sich beansprucht. Als sie mit dem Bettler sprechen, explodieren zwei Pubs. Aufgrund einer Beschuldigung vonseiten eines der Hausbesetzer geraten Gerry und Paul in Verdacht, die Explosionen verursacht zu haben, und werden inhaftiert.

Die neuen Anti-Terror-Gesetze der britischen Regierung geben der Polizei die Möglichkeit, die Beschuldigten sieben Tage ohne Anklage festzuhalten. In dieser Zeit werden Geständnisse erzwungen und weitere Personen festgenommen, und zwar Carole Richardson, Paddy Armstrong, Gerrys Vater Giuseppe, Gerrys Tante, ihr Mann sowie deren beiden halbwüchsigen Söhne. Aufgrund fingierter Ermittlungsergebnisse erfolgt für die vier Hauptangeklagten eine Verurteilung zu lebenslanger Haft, während die anderen Angeklagten zu teilweise langen Haftstrafen verurteilt werden. Aus dem Gefängnis heraus versuchen Gerry und sein Vater, der sich mit Gerry eine Zelle teilt, das Verfahren wieder aufzurollen. Aber auch als die Polizei den wahren Hintermann der Explosionen verhaftet und dieser zugibt, für die Attentate verantwortlich zu sein, und Gerry und die anderen Verurteilten ausdrücklich entlastet, geschieht nichts, da die Polizei dies verheimlicht. Während des Aufenthalts im Gefängnis stirbt Giuseppe Conlon.

Die Anwältin Gareth Peirce hilft Gerry, indem sie Akten zusammensucht und lange recherchiert. Bei einem Besuch im Gerichtsarchiv wird der kranke Aktenherausgeber von einem anderen Beamten vertreten. Als die Anwältin diesen um die Akte von Conlon bittet, lässt sie sich auf Nachfrage des Aktenherausgebers, welche der zwei zur Verfügung stehenden Akten sie haben möchte, nicht wie bisher die Akte von Giuseppe, sondern die von Gerry aushändigen. Dort finden sich Papiere, auf denen wörtlich steht: „Not to be shown to the defence“, also: „Darf nicht der Verteidigung gezeigt werden“. In der Akte finden sich schließlich viele Beweise zugunsten von Gerry und der anderen Verhafteten, einschließlich einer entlastenden Aussage des Obdachlosen, den Gerry und Paul am Abend des Bombenanschlags im Park getroffen haben.

Fünfzehn Jahre nach dem ersten Prozess wird der Fall in einem neuen Gerichtsverfahren wieder aufgerollt. Nachdem Peirce die neuen Beweise präsentiert hat, werden alle vier Hauptangeklagten freigelassen. Die anderen Beschuldigten haben ihre Strafen bereits abgesessen. Gerrys verstorbener Vater Giuseppe jedoch wird nicht für unschuldig erklärt, worauf Gerry beim Verlassen des Gerichtsgebäudes in die Menge der draußen wartenden Demonstranten schreit, dass er im Namen seines Vaters weiter kämpfen werde, um auch noch die Unschuld des Vaters zu beweisen.

Entstehung

Die Gefängnisszenen wurden im Kilmainham Gaol, einem stillgelegten viktorianischen Gefängnis in Dublin, gedreht.

Rezeption

Kritiken

Quelle Bewertung
Rotten Tomatoes (Tomatometer) 94 %[3]
Metacritic (Metascore) 84/100[4]
Prädikat der FBW besonders wertvoll[5]
AllMovie [6]
CinemaScore A[7]
James Berardinelli [8]
Filmstarts [9]

Im Namen des Vaters erhielt ein sehr gutes Presseecho, was sich auch in den Auswertungen US-amerikanischer Aggregatoren widerspiegelt. So erfasst Rotten Tomatoes fast ausschließlich wohlwollende Besprechungen und ordnet den Film damit als „Verbrieft Frisch“ ein.[3] Metacritic ermittelt aus den vorliegenden Bewertungen „Einhelliges Lob“.[4] Es folgen einige repräsentative Pressestimmen:

„Der in die Skandalchronik der britischen Justiz als der ‚Guilford Four‘-Fall eingegangene Prozeß dient als Hintergrund für einen für Gerechtigkeit und Verständnis plädierenden Film, der durch große emotionale Kraft berührt. In Inszenierung, Kamera, Schnitt und schauspielerischen Leistungen gleichermaßen beeindruckend.“

„Daniel Day-Lewis porträtiert eindrucksvoll den unschuldig angeklagten Gerry Conlon, der nicht nur für sich, sondern auch für seinen Vater kämpft.“

Sascha Keilholz: critic.de[10]

Im Namen des Vaters ist ein beeindruckendes Stück Filmgeschichte über ein Stück jüngere Zeitgeschichte, das bis heute nichts an Aktualität eingebüßt hat. Großes Kino: politisch bedeutsam, emotional bewegend und erstklassig inszeniert.“

René Malgo: filmstarts.de[9]

James Berardinelli beschrieb den Film als „einen beißenden Angriff auf die britische Regierung, verpackt in eine erschütternde Geschichte von Kummer, Isolation und unterdrückter Liebe“ und kürte ihn zu einem Höhepunkt seines Jahrgangs.[11]

Auch das Publikum war sehr angetan. So vergaben US-Kinobesucher einen CinemaScore von A entsprechend der deutschen Schulnote 1.[7] Außerdem setzten ihn die Nutzer der Filmdatenbank IMDb auf Platz 202 ihrer Top 250 beliebtesten Filme.[12]

Auszeichnungen

Auf der Berlinale 1994 gewann der Film den Goldenen Bären, und bei der Oscarverleihung 1994 war er nominiert für:

Kontroverse

Mit seiner Thematik der „Guildford Four“ löste Im Namen des Vaters Spannungen in den britisch-irischen Beziehungen aus. Aus dramaturgischen Gründen wurden mehrere kleine zu einer größeren Rolle verschmolzen, was in Großbritannien für Anschuldigungen und Kritik über den Wahrheitsgehalt des Films sorgte.[1]

Belege

  1. a b In the Name of the Father. In: American Film Institute. Abgerufen am 18. Oktober 2025 (englisch).
  2. a b Im Namen des Vaters. In: Lexikon des internationalen Films. Filmdienst, abgerufen am 17. Oktober 2025.
  3. a b Im Namen des Vaters. In: Rotten Tomatoes. Fandango, abgerufen am 15. Januar 2026 (englisch, aggregiert aus 50 Kritiken).
  4. a b Im Namen des Vaters. In: Metacritic. Abgerufen am 30. August 2025 (englisch, aggregiert aus 16 Kritiken).
  5. Jury-Begründung. In: Deutsche Film- und Medienbewertung (FBW). Abgerufen am 17. Oktober 2025.
  6. Jason Clark: Kritik zu Im Namen des Vaters (Memento vom 15. Oktober 2019 im Internet Archive) bei AllMovie (englisch)
  7. a b Archiv (Memento vom 9. August 2019 im Internet Archive) bei CinemaScore
  8. James Berardinelli: Review. In: Reelviews. 1994, abgerufen am 17. Oktober 2025 (englisch).
  9. a b Kritik von Rene Malgo zu Im Namen des Vaters auf Filmstarts.de, zuletzt abgerufen am 13. November 2010.
  10. Sascha Keilholz: Kritk. In: critic.de. Abgerufen am 18. Oktober 2025.
  11. James Berardinelli: Rewinding 1994 – The Year in Film. In: Reelviews. 2. Januar 1995, abgerufen am 17. Oktober 2025 (englisch, Platz 2 seiner Bestenliste 1994): „a scathing attack on the British government wrapped around a wrenching story of heartbreak, isolation, and repressed love“
  12. Top 250 Movies. In: IMDb. Amazon, abgerufen am 17. Oktober 2025 (Wertung ).