Il pleut, il pleut, bergère

Il pleut, il pleut, bergère ist ein in Frankreich bekanntes Kinderlied des Dichters und Revolutionärs Fabre d’Églantine, ursprünglich Teil einer nicht erhaltenen Opéra-comique Laure et Pétrarque („Laura und Petrarca“) aus dem Jahre 1780. Die Musik stammt vom Komponisten Louis-Victor Simon (1764–1820).

Text

Das Lied enthält insgesamt sechs Strophen.[1] Erste Strophe mit Übersetzung:

Französischer Text

Il pleut, il pleut bergère
Presse tes blancs moutons
Allons sous ma chaumière
Bergère, vite allons
J’entends sur le feuillage
L’eau qui tombe à grand bruit.
Voici venir l’orage,
Voici l’éclair qui luit.

Deutsche Prosaübersetzung

Es regnet, es regnet, Hirtin,
Treibe deine weißen Schafe zusammen.
Gehen wir unter meine strohgedeckte Hütte,
Hirtin, gehen wir schnell.
Ich höre auf dem Laub
Das Wasser, das sehr laut herabfällt.
Sieh, hier kommt das Gewitter,
Sieh, hier leuchtet der Blitz.

Geschichte und Interpretation

Das Lied von Fabre d’Églantine war zunächst unter dem Titel Le Retour aux Champs („Die Rückkehr in die Felder“) bzw. L’Orage („Das Gewitter“) bekannt. Die darin erwähnte Hirtin ist eine Anspielung auf Marie-Antoinette, die eine Vorliebe für das Landleben pflegte und bald nach ihrem Umzug von Wien nach Versailles im Park des Schlosses von Versailles einen „Weiler der Königin“ errichten ließ. Beim Pariser Volk war Marie-Antoinette allgemein verhasst.

Das in der ersten Strophe erwähnte Gewitter weist auf die heraufziehende Revolution hin, und die „weißen Schafe“ könnten sich auf die gepuderten Perücken des Hofadels beziehen.[2] Es wird berichtet, dass der Dichter Fabre d’Églantine das Lied anlässlich seiner Hinrichtung auf dem Schafott im Jahre 1794 vor sich hingesummt haben soll.[3]

Im 20. Jahrhundert wurde das Lied unter anderem im französischsprachigen Québec von Ovila Légaré interpretiert. In dieser Version wird die sechste und letzte Strophe, die ein nächtliches Beisammensein des anonymen Solisten mit der Hirtin schildert, aus nicht näher erläuterten Gründen weggelassen.

Melodie

Zitate

Im Finale des ersten Aktes seiner Operette Blaubart zitiert Jacques Offenbach die ersten paar Noten aus Il pleut, il pleut, bergère, während der Protagonist Blaubart die Bäuerin Boulotte zu seiner nächsten Ehefrau kürt.

Es gibt auch einen Kriminalroman Il pleut bergère von Georges Simenon, 1941 erschienen, sowie ein gleichnamiges Theaterstück von René Wheeler, 1956 aufgeführt.

Commons: Il pleut, il pleut, bergère – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Comptine Il pleut bergère (Memento vom 9. Oktober 2025 im Internet Archive), Migros Schweiz, vollständiger Text
  2. Il pleut bergère - Paris le nez en l'air. Abgerufen am 2. November 2025.
  3. 'Il pleut, il pleut bergère', chanson révolutionnaire - RTBF Actus. Abgerufen am 2. November 2025 (französisch).