Ikal Angelei

Ikal Lilian Angelei (geboren in Kitale, Kenia) ist eine kenianische Umweltschützerin und Mitbegründerin und Direktorin der Organisation Friends of Lake Turkana (FoLT). Im Jahr 2012 wurde sie für ihren Einsatz gegen das Wasserkraftprojekt Gilgel Gibe III mit dem Goldman Environmental Prize ausgezeichnet.

Frühes Leben und Ausbildung

Angelei wurde in Kitale geboren und wuchs in der konfliktreichen Region des Turkanasees auf. Ihr Vater setzte sich in den 1980er und 1990er Jahren gegen den Bau der Turkwel-Talsperre ein.[1] Angelei studierte an der University of Nairobi, wo sie mit einem Bachelor of Commerce abschloss. Sie hat zudem einen Masterabschluss in Public Policy und Politikwissenschaft von der Stony Brook University im US-Bundesstaat New York.[2][3][4]

Umweltaktivismus

2006 wurde in Äthiopien mit dem Bau des Gilgel-Gibe-III-Staudamms begonnen. Dieser sollte den Fluss Omo aufstauen, der etwa 90 Prozent des Wasserzuflusses in den an der kenianischen Grenze gelegenen Turkanasee ausmacht. Der Turkanasee ist das größte Binnengewässer Kenias sowie einer der größten „Endseen“ der Erde. Die drei am See gelegenen Nationalparks bestehend aus Sibiloi-Nationalpark, dem Nationalpark South Island und dem Nationalpark Central Island wurden 1997 in die Liste des UNESCO-Weltnaturerbes[5] aufgenommen.[6][7]

2008 gründete Angelei mit anderen die Organisation Friends of Lake Turkana (FoLT), um sich für die sozialen, wirtschaftlichen und ökologischen Interessen der indigenen Gemeinschaften rund um den Turkanasee in Nordkenia einzusetzen. Im Jahr 2009 verabschiedeten die lokalen Stämme eine „Erklärung des Volkes des Turkanasees“. Sie beauftragten FoLT als Interessensvertreter, um sich gegen die Fertigstellung des Gilgel-Gibe-III-Staudamms auszusprechen, aufgrund der befürchteten Auswirkungen[8] auf die Wasserversorgung und die Lebensgrundlage von hunderttausenden Bauern, Viehhirten und Fischern der Region.[6][7] Angelei und FoLT konnten das kenianische Parlament überzeugen, eine Resolution zur Forderung einer Umweltverträglichkeitsprüfung zu verabschieden, und das Welterbekomitee der UNESCO zu einer Resolution für einen Baustopp des Staudamms bis zu weiteren Untersuchungen. Darüber hinaus zogen die Weltbank, die Europäische Investitionsbank und die Afrikanische Entwicklungsbank aufgrund ihrer Interventionen ihre Finanzierungszusagen für das Wasserkraftprojekt zurück.[7][9] Für ihren Einsatz wurde Angelei im Jahr 2012 mit dem Goldman Environmental Prize ausgezeichnet, der jährlich an „Umwelthelden“ aus Graswurzelbewegungen vergeben wird, und 2014 mit der Luc Hoffmann Medal for Wetland Science and Conservation von Wetlands International.[6][7]

Die Talsperre wurde dennoch 2016 fertiggestellt und die Stromproduktion in Äthiopien damit fast verdoppelt.[10] Der Bau wurde zu 60 Prozent von der China Exim-Bank finanziert.[11] Seit Juni 2018 stehen die Nationalparks um den Turkanasee aufgrund der Auswirkungen des Gilgel-Gibe-III-Staudamms auf der Liste des gefährdeten Welterbes.[5][12]

Auszeichnungen

Commons: Ikal Angelei – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise

  1. Environmental hero: Ikal Angelei. In: oneearth.org. 25. Oktober 2021, abgerufen am 30. November 2025 (englisch).
  2. Ikal Angelei. In: uraia.or.ke. Abgerufen am 30. November 2025 (englisch).
  3. Ikal Lilian Angelei. In: european-environment-foundation.eu. Europäische Umweltstiftung, abgerufen am 30. November 2025 (englisch).
  4. Ikal Angelei. In: peacetalks.net. Abgerufen am 30. November 2025 (englisch).
  5. a b Lake Turkana National Parks. UNESCO, abgerufen am 30. November 2025 (englisch).
  6. a b c d 2012 Goldman Prize Winner: Ikal Angelei. In: goldmanprize.org. Goldman Environmental Prize, abgerufen am 30. November 2025 (englisch).
  7. a b c d e 2014: Prof. Dr. W.J. Wolff and Ikal Angelei. Wetlands International, abgerufen am 30. November 2025 (englisch).
  8. Horand Knaup: Staudammbau in Äthiopien: Tödlicher Fortschritt am Turkana-See. Der Spiegel, 3. Juni 2012, abgerufen am 30. November 2025.
  9. Sharon Udasin: AJWS-funded project in Ethiopia wins prize. Jerusalem Post, 18. April 2012, abgerufen am 30. November 2025 (englisch).
  10. Staudamm in Äthiopien: Kenia fürchtet um Wasser. In: kurier.at. 17. Dezember 2016, abgerufen am 30. November 2025.
  11. Äthiopien weiht gigantischen Staudamm ein. In: dw.com. Deutsche Welle, 17. Dezember 2016, abgerufen am 30. November 2025.
  12. Lake Turkana National Parks (Kenya) inscribed on List of World Heritage in Danger. UNESCO, 28. Juni 2018, abgerufen am 30. November 2025 (englisch).