Ihr seid doch auch nicht besser

Ihr seid doch auch nicht besser
Studioalbum von Egotronic

Veröffent-
lichung

13. September 2019

Label(s) Audiolith Records, Last Exit Music (MC)

Format(e)

CD, LP, MC, Digital

Genre(s)

Punk, Electropunk, Indie-Rock

Titel (Anzahl)

14

Länge

41:51

Besetzung

  • Kilian Teichgräber-Mittwoch: Synthesizer
  • Christian Schilgen: Gitarre
  • Ben Schleicher: Schlagzeug
  • Konrad Evas: Bass

Produktion

Chronologie
Keine Argumente
(2017)
Ihr seid doch auch nicht besser Stresz
(2021)
Singleauskopplungen
9. Juli 2019 Linksradikale
7. August 2019 Kantholz
10. September 2019 Der Bürgermeister

Ihr seid doch auch nicht besser ist das neunte Studioalbum der deutschen Electropunk-Band Egotronic. Es wurde am 13. September 2019 vom Hamburger Independent-Label Audiolith Records veröffentlicht.

Hintergrund

Ein Großteil des Albums entstand in einer Phase eines starken Rheuma-Schubs von Torsun Burkhardt. Während des Schreibens und Aufnehmens stand er unter dem Einfluss von starken Schmerzmitteln. Zugleich war er in dieser Zeit zornig, so dass einige Songs wieder härter ausfielen als auf dem Vorgängeralbum Keine Argumente.[1]

Das Album erschien am 23. September 2019 über Audiolith Records sowohl digital als auch als CD und LP. Eine MC-Version wurde über Last Exit Music veröffentlicht.

Titelliste

  1. Wann fangen wir an – 2:02
  2. Linksradikale – 3:49
  3. Gewalt – 2:48
  4. Die Quintessenz der Dinge (feat. Alles Scheisze) – 2:45
  5. Ihr seid doch auch nicht besser – 3:26
  6. 1 Like für euch (feat. Martin Shitler) – 2:24
  7. Wie Dr. House – 3:03
  8. Hundesohn – 3:28
  9. Berlin Im Winter – 3:21
  10. Kantholz – 3:02
  11. Nacht im Ghetto – 2:09 (Razzia-Cover)
  12. Der Bürgermeister – 2:50
  13. Was ein Mann (feat. Die Supererbin) – 3:16
  14. Adieu SPD – 3:31

Musikstil und Texte

Musikalisch wurde der Sound nach dem Album Keine Argumente wieder etwas punkiger und dreckiger, wobei auch weiterhin New Wave und Elektronische Musik mit dem Punkstil vermischt werden. Das Album ist vor allem von Wut geprägt, da Burkhardt einen erneuten Rheuma-Schub während der Aufnahmen hatte, der ihn extrem belastete. Dementsprechend ist der Gesang aggressiv gehalten, während die Refrains und Chöre eher melodisch und hymnisch angelegt sind.[2] Auf seine gesundheitlichen Probleme ging er im Song Wie Dr. House ein.[1]

Ein weiteres großes Thema war der Rechtsruck in der Gesellschaft, auf den Burkhardt mit den Stücken Linksradikale und Kantholz reagierte. Zu Linksradikale wurde ein Video gedreht, das eine Geburtstagsfeier des Ex-Welt-Kolumnisten Matthias Matussek, bei dem auch Mitglieder der Identitären Bewegung sowie Rechtspopulisten anwesend waren, satirisch bearbeitete und Szenen nachstellte. Eine Szene aus dem Video wurde auch zum Albumcover. Er ließ dabei eine Scharfschützin mit dem Namen „Lady Death“ anrücken, die beim Nachfolge-Video zu Kantholz dann tätig wurde, aber nur den roten Punkt des Zielfernrohrs auf die Protagonisten zeigen ließ.[3] Beide Videos führten zu einem Shitstorm gegen Audiolith und zum Teil Morddrohungen gegenüber den Schauspielern, die sich überwiegend aus Burkhardts privatem Umfeld rekrutierten.[1] Das Stück selbst basiert auf der nicht aufgeklärten Kantholz-Attacke gegen Frank Magnitz, bei der es sich vermutlich nur um einen Sturz gehandelt habe, und verarbeitet außerdem ein Zitat von Wiglaf Droste aus dessen Text „Mit Nazis reden“.[4][5]

Mit Der Bürgermeister folgte als drittes Musikvideo im Stil eines alten Nokia-Handyspiels eine Art Disstrack am Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer, damals noch Mitglied bei Bündnis 90/Die Grünen. Im Text wird auf einige seiner rechtsoffenen Kommentare über Bahnwerbespots sowie die Verhaftung eines zu lauten Studenten in der Innenstadt eingegangen.[6]

Nacht im Ghetto ist eine Coverversion von Razzia.[2]

Rezeption

Lars Gebhardt vergab 9,5 von 10 Punkten und urteilte im Ox-Fanzine: „Nein, besser sind wir wirklich nicht. Der unverhohlene Vorwurf, der im Albumtitel steckt, tut weh, streut Salz in die Wunden unserer links-liberalen Befindlichkeit. Und EGOTRONIC knallen dem Hörer genau diese Bigotterie, zwischen Anspruch und Umsetzung eines bewussten und kritischen Lebenswandels, brutal vor die Füße. (…) Also im Endeffekt genau das, was EGOTRONIC schon seit inzwischen neun Alben ausmacht. Da bleiben sich die Berliner treu. Und das ist ein großes Glück.“[2]

Auf Laut.de urteilte Christian Kollasch: „Was könnte im Jahr 2019 eine größere Sound-Antihaltung sein als Videospiel-Sounds aus der C-64-Ära? Das Berliner Quartett Egotronic wedelt auf seinem neunten Studioalbum Ihr Seid Doch Auch Nicht Besser mal wieder heftig mit dem Mittelfinger, den sie vor allem dem rechten Rand der Gesellschaft ins Gesicht drücken. (…) Es dürfte einige geben, die der spezielle Stilmix einfach nur nervt, dennoch steht die Platte - mal wieder - als wichtiges und wortgewaltiges Ausrufezeichen des Protests gegen Rechts.“[7]

Chartplatzierungen

Das Album markierte den ersten Charterfolg für Egotronic und platzierte sich auf Platz 86 der deutschen Charts.

Chartplatzierungen
ChartsChart­plat­zie­rungenHöchst­platzie­rungWo­chen
 Deutschland (GfK)[8]86 (1 Wo.)1

Einzelnachweise

  1. a b c Linus Volkmann: „Scheiß auf Jubiläen“ – 20 Jahre Egotronic. In: Kaput Mag. Abgerufen am 31. Dezember 2025 (deutsch).
  2. a b c Lars Gebhardt: Review: EGOTRONIC - Ihr seid doch auch nicht besser. In: Ox-Fanzine. Oktober 2019, abgerufen am 31. Dezember 2025.
  3. Egotronic rechnen im neuen Musikvideo zu „Kantholz“ mit rechten Partygästen ab. In: Diffus. 8. August 2019, abgerufen am 31. Dezember 2025.
  4. Egotronic: Mit "Kantholz" im Shitstorm – laut.de – News. Abgerufen am 31. Dezember 2025.
  5. Juri Sternburg: Neonazis und "Patrioten" drehen durch, weil Egotronic tun, was sie schon immer tun. In: VICE. 16. August 2019, abgerufen am 31. Dezember 2025 (amerikanisches Englisch).
  6. Egotronic: Disstrack gegen Boris Palmer – laut.de – News. Abgerufen am 31. Dezember 2025.
  7. Christian Kollasch: Wie ein wilder Super Mario mit Iro und Septum. In: Laut.de. Abgerufen am 31. Dezember 2025.
  8. Chartplatzierung in Deutschland. In: offiziellecharts.de. Abgerufen am 31. Dezember 2025.