Ignaz Georg Stollberg

Ignaz Georg Stollberg (* 22. Februar 1853 in Wien[1]; † 17. März 1926 in München[1]; eigentlich **Gedalje Isak Stolzberg**[2]) war ein österreichischer Schauspieler, Regisseur und Theaterdirektor (Intendant), der vor allem durch seine Leitung des Münchner Schauspielhauses Bekanntheit erlangte.

Leben und Wirken

Herkunft und Ausbildung

Ignaz Georg Stollberg wurde als Gedalje Isak Stolzberg in Wien geboren. Er war der Sohn eines Kaufmanns. Ursprünglich jüdischen Glaubens (mos.)[1] führte er ab 1874 den Namen Ignaz Georg Stollberg. Im Jahr 1896 konvertierte er zum Protestantismus.[3]

Neben einer kaufmännischen Lehre nahm Stollberg Schauspielunterricht beim Direktor des Theater in der Josefstadt, Johann Fürst, wo er ab 1873 in kleineren Rollen auftrat.[1]

Karriere als Schauspieler und Regisseur

Seine frühen Engagements als Schauspieler führten ihn 1875 nach Brünn (Brno) und 1876–1877 nach Neusohl (Banská Bystrica). Nach einem Engagement bei der van Hellschen Truppe wechselte er 1878 an das Carltheater (Wien) und 1880 an das Residenz-Theater (Dresden). In den Folgejahren war er vor allem in der Rolle des Liebhabers und Bonvivants in Breslau (1881–1884), Dresden (1884–1885), Chemnitz (1885–1886), Bremerhaven (1886–1887) und Hannover (1887–1888) zu sehen.[1]

Ab 1888 spielte Stollberg in Berlin, wo er sich auch neuen Charakterrollen widmete, unter anderem am Adolf-Ernst-Theater, dem Schauspielhaus Berlin (1890–1891) und dem Belle-Alliance-Theater (1891–1892). Seine Regiekarriere begann ebenfalls in Berlin im Jahr 1891 beim Verein Freie Volksbühne.[1]

Nach einem Engagement am Theater am Schiffbauerdamm pachtete Stollberg 1893 das Burgtheater (Weimar) und gründete ein Jahr später ein eigenes Ensemble in Erfurt. 1894 war er als Hilfsregisseur von Otto Brahm am Deutschen Theater Berlin tätig.[1]

Intendanz in München

1895 kam Stollberg als Oberregisseur an das Deutsche Theater nach München.[1] Im Jahr 1898 übernahm er gemeinsam mit Cajetan Schmederer die Leitung des Münchner Schauspielhauses an der Maximilianstraße (die späteren Münchner Kammerspiele).[3][1] Er leitete dieses Haus bis 1919[1] und institutionalisierte dort den Naturalismus in München.

Die Doppeldirektion Stollberg und Schmederer führte von 1899 bis 1915 auch das Staatstheater am Gärtnerplatz, welches sie zunächst als Sprechtheater betrieben, dann jedoch in eine Operettenbühne umwandelten.[1]

Stollbergs Regiestil war dem Naturalismus verpflichtet, zeigte in der Betonung der Stimmung jedoch auch impressionistische Züge. Er förderte maßgeblich die zeitgenössische Dramatik von Autoren wie Henrik Ibsen, August Strindberg, Gerhart Hauptmann, Arthur Schnitzler und Frank Wedekind. Zu seinen gespielten Rollen gehörten unter anderem Hoffmann in Gerhart Hauptmanns Vor Sonnenaufgang und Torvald Helmer in Ibsens Nora.[1]

Ignaz Georg Stollberg war seit 1896 mit Grete Kramme verheiratet.[3]

Ehrungen

Die **Stollbergstraße** im Münchner Stadtbezirk Altstadt-Lehel (Graggenauer Viertel) wurde **1968** nach Ignaz Georg Stollberg benannt, da sie am ehemaligen Münchner Schauspielhaus (heute Münchner Kammerspiele) verläuft, das er lange leitete.[4]

Einzelnachweise

  1. a b c d e f g h i j k l Stollberg, Ignaz Georg; eigentlich Stolzberg. In: Österreichisches Biographisches Lexikon 1815–1950 (ÖBL). Band 13. Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Wien 2010, S. 318 (biographien.ac.at – Biographie mit ausführlichen Karriere-Details.).
  2. Ignaz Georg Stollberg. In: Literaturportal Bayern. Abgerufen am 6. Oktober 2025 (Nachlass-Informationen; nennt Geburtsort Lemberg (abweichend zu ÖBL) und Geburtsnamen Gedalje Isak Stolzberg.).
  3. a b c GND 117286842
  4. Hans Dollinger: Die Münchner Straßennamen. 8. aktualisierte Auflage. MünchenVerlag, München 2016, ISBN 978-3-7787-2143-8, S. 303 (Enthält die Erstnennung 1968 und die Erklärung der Benennung nach Ignaz Georg Stollberg.).