İbrahim Arslan
İbrahim Arslan (geb. 1985) ist ein deutsch-türkischer Überlebender des Brandanschlags von Mölln und Aktivist.
Leben
İbrahim Arslan überlebte 1992 schwer verletzt den Brandanschlag von Mölln.[1] Drei seiner Familienmitglieder kamen beim Anschlag am 23. November 1992 ums Leben. Arslan verlor dabei seine Oma Bahide Arslan, seine Schwester Yeliz Arslan und seine Cousine Ayşe Yılmaz. Im Jahr 2000 zogen er und seine Familie aus dem Haus des Anschlags und verließen die Stadt Mölln.[2]
Nach dem Anschlag wurden zahlreiche Solidaritätsbriefe an die Überlebenden des Anschlags geschickt. Die Stadtverwaltung öffnete und archivierte die Briefe. Erst 27 Jahre später erfuhr Arslan von der Existenz der Briefe, von denen viele an ihn persönlich gerichtet waren. Die Entdeckung der Briefe und Arslans Suche nach den Verfassern thematisiert der Dokumentarfilm Die Möllner Briefe, der anlässlich der 75. Berlinale 2025 Premiere feierte.[3]
Seit 2007 ist Arslan in der Anti-Rassismus-Arbeit aktiv.[4] Auf Veranstaltungen, Konferenzen und in Schulen berichtet er als politischer Bildungsreferent aus der Perspektive der Betroffenen von rechter Gewalt.[5]
In Mölln findet jährlich am Jahrestag des Anschlags eine von der Stadt organisierte Gedenkveranstaltung statt, die Arslan kritisiert, weil die überlebenden Familien nicht im Mittelpunkt stehen würden. Seit 2012 organisiert Arslan eine eigene Veranstaltung unter dem Motto "Gedenken Möln 1992 - reclaim and remember".[6]
Auszeichnungen
Das von der Bundesregierung initiierte Bündnis für Demokratie und Toleranz – gegen Extremismus und Gewalt (BfDT) zeichnete Arslan 2017 als Botschafter für Demokratie und Toleranz aus.[7]
Die Stiftung Pro Asyl zeichnete Arslan 2023 mit dem Menschenrechtspreis aus.[8] Auch vom Verein Gegen Vergessen für Demokratie e.V. wurde Arslan 2023 für sein Engagement gewürdigt.[9]
Einzelnachweise
- ↑ ndr.de: Brandanschlag von Mölln: Rechtsextreme Täter müssen 1993 für viele Jahre hinter Gitter. Abgerufen am 11. Oktober 2025.
- ↑ Kira Ayyadi: „Die Möglichkeit zu sprechen gibt uns unsere Freiheit zurück“. In: Amadeu Antonio Stiftung. 22. November 2022, abgerufen am 11. Oktober 2025 (deutsch).
- ↑ Martina Priessner, Ibrahim Arslan, Barbara Haack, Martina Priessner& Ibrahim Arslan & Barbara Haack: Die Möllner Briefe. In: Politik und Kultur. 25. September 2025, abgerufen am 11. Oktober 2025.
- ↑ Kira Ayyadi: „Die Möglichkeit zu sprechen gibt uns unsere Freiheit zurück“. In: Amadeu Antonio Stiftung. 22. November 2022, abgerufen am 11. Oktober 2025 (deutsch).
- ↑ Der zweite Anschlag, eine Anklage der Betroffenen: Universität zu Lübeck. Abgerufen am 11. Oktober 2025.
- ↑ Matin: Ibrahim Arslan: „Die Opfer-Perspektive muss gestärkt werden“. In: P Magazin: Kultur, Feiern, Leben in Darmstadt. 19. Januar 2017, abgerufen am 11. Oktober 2025.
- ↑ Bundeszentrale für politische Bildung: „Sie erfüllen unsere Demokratie mit Leben“: Botschafter für Demokratie und Toleranz ernannt | Presse. 24. Mai 2017, abgerufen am 11. Oktober 2025.
- ↑ Bundeszentrale für politische Bildung: „Sie erfüllen unsere Demokratie mit Leben“: Botschafter für Demokratie und Toleranz ernannt | Presse. 24. Mai 2017, abgerufen am 11. Oktober 2025.
- ↑ Politischer Extremismus. In: Gegen Vergessen - Für Demokratie e.V. Abgerufen am 11. Oktober 2025.