Hydraulische Anbaufräse


Hydraulische Anbaufräsen gehören wie auch Hydraulikhämmer, Pulverisierer, Abbruchzangen und viele weitere Werkzeuge zur Gruppe der hydraulisch betriebenen Anbaugeräte, die mit landwirtschaftlichen, forstwirtschaftlichen oder sonstigen selbstfahrenden Arbeitsmaschinen wie Baggern als Trägergerät verwendet werden.

Allgemein versteht man unter einer Fräse ein mit Messern, Meißeln oder Zähnen ausgestattetes rotierendes Werkzeug samt Antrieb zur Material abtragenden Bearbeitung verschiedener Werkstoffe. Während kleinere Fräswerkzeuge überwiegend in Werkstätten zur präzisen Metall- und Holzbearbeitung eingesetzt werden, werden mit hydraulischen Anbaufräsen gröbere Arbeiten im Tunnel-, Kanal-, Straßen- und Bergbau sowie beim Gebäuderückbau eingesetzt. Darüber hinaus finden sich spezielle Geräte auch in der Hüttenindustrie, im Erdbau sowie der Forstwirtschaft.

Typische Anwendungen:

  • als Mauerwerks- und Betonfräsen in Neubau und Sanierung von Bauwerken
  • zum Abtragen von Boden- und Felsmaterial
  • als Baumstumpffräse bzw. Wurzelstockfräse zum Roden des Wurzelstocks nach dem Fällen von Bäumen
  • zum Abschälen von Kunststoffbeschichtungen, Bitumenbahnen/ bituminösen Flächen und ähnlichem.

Auch Unterwassereinsätze sind möglich.

Je nach Material und Einsatzbedingung werden sehr unterschiedliche Meißel verwendet.

Der Schneid- oder Fräskopf hydraulischer Anbaufräsen für mineralisches Material ist meist mit versetzt angeordneten Rundschaftmeißeln bestückt. Den Antrieb übernimmt in der Regel ein Hydraulikmotor mit konstantem Schluckvolumen, oft über ein Kegel-Planetengetriebe.

Die Fräse wird über eine starre oder drehbare Anbaukonsole an das Trägergerät montiert. Die Trägergerätehydraulik versorgt den Hydraulikmotor der Fräse. Der vom Trägergerät bereitgestellte Öldruck steuert Schneidmoment und Drehzahl des Schneidkopfs.

Hydraulische Anbaufräsen gibt es als Einzelfräse oder Fräse mit Längsschneidkopf und als Fräse mit einem Frästrommelpaar, auch als Fräse mit Querschneidkopf bezeichnet. Letztere werden von Kemroc mit einer zwischen den Schneidköpfen verlaufenden Fräskette angeboten, die den Materialaustrag um 40 % erhöht. Der Fräskopfvortrieb ergibt sich aus dem Anpressdruck, den das Trägergerät zur Verfügung stellt.

Hydraulische Anbaufräsen haben ihren Ursprung in elektromechanisch angetriebenen Teilschnittmaschinen, die erstmals um 1910 für den Streckenvortrieb und die Gewinnung von hartem Material im Bergbau entwickelt und eingesetzt wurden. Mitte der 1960er Jahre brachte der britische Hersteller Webster die ersten hydraulisch oder hydrostatisch angetriebenen Teilschnittmaschinen für den britischen Steinkohlebergbau als lärm- und vibrationsarme Alternative zu hydraulischen Meißeln und Felsbrechern auf den Markt. In den 1980er Jahren wurden die ersten hydraulischen Fräsen als Anbaugeräte für Hydraulikbagger angeboten und erstmals außerhalb des Berg- und Tunnelbaubereichs bei vielfältigen Anwendungen im Baubereich verwendet.

Den Weltmarkt für hydraulische Anbaufräsen teilen sich heute hauptsächlich der deutsche Hersteller Kemroc Spezialmaschinen GmbH aus dem thüringischen Leimbach sowie die Erkat Spezialmaschinen und Service GmbH im ostdeutschen Tiefenort. Außerdem auf dem Markt vertreten sind Fräsen des australischen Herstellers Boart Longyear und der italienischen Firma Simex.