Hyäne (Schiff, 1879)
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Die Hyäne war ein Kanonenboot der Kaiserlichen Marine. Wie die Schwesterschiffe Iltis und Wolf war sie für den Einsatz in überseeischen Kolonien entworfen und in Dienst gestellt worden.
Bau
Das Schiff lief am 27. Juni 1878 in Wilhelmshaven vom Stapel. Es besaß eine Länge von 42 m und eine Wasserverdrängung von 495 Tonnen, 95 Mann Besatzung, jeweils zwei Kanonen von 12,5 und 8,7 cm Kaliber und drei Revolverkanonen Kaliber 3,7 cm.
Einsatz
Das Schiff spielte in der Kolonialpolitik des Deutschen Reichs eine Rolle.
1882 besuchte das Kanonenboot im Rahmen einer ausgedehnten Südseeexpedition für fünf Tage die Osterinsel. Kapitänleutnant Wilhelm Geiseler hatte den Auftrag der kaiserlichen Admiralität, wissenschaftliche Untersuchungen für die ethnologische Abteilung der königlich preußischen Museen in Berlin vorzunehmen. Die Expedition erbrachte u. a. detailgenaue Beschreibungen der Sitten und Gebräuche, Sprache und Schrift der Osterinsel sowie exakte Zeichnungen verschiedener kultischer Objekte, von Moais, von Hausgrundrissen und einen detaillierten Lageplan der Kultstätte Orongo. Vom 26. Dezember 1882 bis zum 5. Januar 1883 beteiligte sich das Schiff und seine Mannschaft an einer Strafexpedition auf der Insel Luf, die das Hauptdorf zerstörte und die Lebensgrundlage seiner Bewohner vernichtete.[1]
Im November 1884 lief das Schiff unter Korvettenkapitän Langemak Häfen im Bismarck-Archipel und Neuguinea an, die Bartholomäus von Werner mit der Kreuzerkorvette Ariadne bereits 1878 als deutschen Besitz reklamiert hatte, um dort die Reichsflagge zu hissen. Am 1. Oktober 1886 unternahm Langemak eine Erkundungsfahrt entlang der von der Deutsch-Ostafrikanischen Gesellschaft beanspruchten Somaliküste.
Am 4. August 1892 markierte man unter dem Kommando von Hauptmann Curt von François nördlich der Mündung des Swakop eine Landungsstelle zur Errichtung eines Hafens. Dieses Datum gilt als der Gründungstag der Stadt Swakopmund im heutigen Namibia.
In Kamerun war das Schiff unter Kapitänleutnant Wilhelm Reincke an der Niederschlagung einer Meuterei der Polizeitruppe (sogenannter Dahomey-Aufstand) vom 15. bis 23. Dezember 1893 beteiligt. Kaiser Wilhelm II. honorierte dies mit der Vergabe von Orden im Februar 1894 und der Anrechnung eines Kriegsjahres im Februar 1914.
Im Juli 1897 verließ Hyäne Kamerun und langte im Oktober in Wilhelmshaven an, wo sie umgehend außer Dienst gestellt wurde. Die dortige Kaiserliche Werft erhielt nach einer schiffbaulichen Untersuchung die Order, das Schiff zum Vermessungsschiff umzubauen. Dazu wurde die Bewaffnung und der größte Teil der Takelage bis auf kleine Stützsegel entfernt. Zum 1. April 1899 stellte sie wieder in Dienst. Bis 1914 fuhr das Schiff in dieser Rolle, wobei 1901 nach der schweren Havarie des Linienschiffs Kaiser Friedrich III. die Untiefe Adlergrund nördlich Rügen neu vermessen wurde. Zudem fanden ab 1912 regelmäßig Fortbildungslehrgänge für Offiziere und Vermessungspersonal statt.
Mit Kriegsbeginn 1914 stellte das Schiff seinen Dienst ein und wurde als Wachschiff und Kriegsfeuerschiff vor der Eidermündung eingesetzt. Im Juli 1916 wurde sie von dieser Position abgezogen und führte wieder Vermessungsaufgaben, zuerst in der Nordsee und später hauptsächlich in der östlichen Ostsee (hier vor allem vor Libau, Windau und ab Herbst 1917 vor Arensburg), durch. Eine Außerdienststellung zum 3. Dezember 1918 bedeutet aber nicht das Ende als Vermessungsschiff, denn ab Mai 1919 kam Hyäne erneut zu Vermessungsaufgaben in der Kieler Bucht zum Einsatz. Diese Tätigkeit hielt bis Oktober 1919 an, wohl dass Schiff im Juli an die Cuxhavener-Brunsbütteler-Dampfer AG verkauft worden war. Erst Mitte Oktober kam es zur endgültigen Außerdienststellung in Wilhelmshaven.[2][3]
Hyäne wurde für die Reederei zum Dreimastschoner umgebaut und erhielt den neuen Namen Seewolf. Nach einem Ladungsbrand vor Dieppe am 2. Mai 1924 wurde das Schiff auf Grund gesetzt. Nach der Bergung erfolgte unmittelbar das Abwracken.
Verbleib
Am 7. April 1920 wurde das Schiff aus der Liste der Kriegsschiffe gestrichen, nach dem es bereits am 15. Juli 1919 für 200.000 Mark an die Cuxhaven-Brunsbüttel-Dampfer AG verkauft worden war. Diese betrieb das Schiff als Dreimastschoner mit Hilfsmotor unter dem Namen Seewolf, bis es am 2. Mai 1924 im Hafen von Dieppe durch einen Ladungsbrand sank. Danach wurde es als Totalschaden gehoben und abgewrackt.
Literatur
- Friedrich Hünemörder: Deutsche Marine- und Kolonialgeschichte im Rahmen einer Geschichte der Seefahrt und des Seekrieges. Robert Cordes, Kiel 1903.
- Walter Nuhn: Kolonialpolitik und Marine. Die Rolle der Kaiserlichen Marine bei der Gründung und Sicherung des deutschen Kolonialreiches 1884–1914., 360 Seiten, Bernard U. Graefe Verlag, ISBN 3-7637-6241-8
- Hermann Knüfken: Von Kiel bis Leningrad - Erinnerungen eines revolutionären Matrosen 1917-1930., 474 Seiten, Basisdruck Verlag, ISBN 978-3861-63110-1
Weblinks
- Die Hyäne auf deutsche-schutzgebiete.de
- Die deutsche Verwaltung Neuguineas 1884-1914 auf uni-bayreuth.de ( vom 27. September 2007 im Internet Archive)
Fußnoten
- ↑ Götz Aly: Das Prachtboot. Wie Deutsche die Kunstschätze der Südsee raubten. S. Fischer, Frankfurt am Main 2021, ISBN 978-3-10-397036-4, S. 47 ff., 197 f.
- ↑ Hans H. Hildebrandt/Albert Röhr/Hans-Otto Steinmetz: Die deutschen Kriegsschiffe. Biographien - ein Spiegel der Marinegeschichte von 1815 bis zur Gegenwart. o. O., Mundus o. J. Bd. 4 S. 192
- ↑ Erich Gröner: Die deutschen Kriegsschiffe 1815-1945. Bd. 1, edition erich groener, Dabendorf 2024 S. 231