Humboldtstraße 9 (Weimar)
Das Haus Humboldtstraße 9 in der Westvorstadt von Weimar ist ein Wohnhaus in der Humboldtstraße im Stile des Klassizismus.
Geschichte und Beschreibung
Das Haus wurde 1823 von Zimmermeister Carl Schenk errichtet, der gleichzeitig auch Bauherr war, was durch ein Monogramm mit Jahreszahl am Schlussstein des Hauseingangs bezeugt ist. Schenk hatte 1821 das Grundstück von den Erben des Barons Ludwig Jobst Christian von Oldershausen (1740–1811) erworben. Baron von Olbershausen war übrigens auch ab 1791 der neue Eigentümer der Humboldtstraße 11. Es wurde 1885/86, im Zuge der Erbauung des heutigen Goethegymnasium Weimar, zum Direktorenwohnhaus umgebaut. Der Umbau erfolgte unter Julius Bormann, der auch das Gebäude des in der Amalienstraße 4 befindlichen Goethegymnasiums entwarf. Dabei wurde der nördliche Seitenflügel abgebrochen.[1] Auch die Grundstücksmauer verschwand. So wurde der für den Schulhof vorgesehene Platz vergrößert. Die Fassade des mehrstöckigen Wohnhauses weist in der Dachmitte ein Zwerchhaus auf. Außerdem gehörten zu Bormanns Verwänderungen außer dem Wegfall des nördlichen Seitenflügels der Anbau einer Veranda an der südlichen Giebelseite, der Ausbau des Dachgeschosses mit je zwei Dachgauben an beiden Seiten des Zwerchhauses. Es erfolgte die Abtrennung der Geschosswohnungen vom Treppenhaus. Der zweigeschossige Gebäude mit Krüppelwalmdach steht unmittelbar an der Bauflucht der Humboldtstraße. Die verwendeten Baumaterialien sind die zur Bauzeit üblichen: steinernes Erdgeschoss und verputztes Fachwerk im Obergeschoss. Das Zwerchhaus an der achtachsigen Straßenfassade setzt dabei den Hauptakzent. Der Eingang ist ein scharriertes rechteckiges Werksteinpartal mit zweiflügeligem klassizistischen Türblatt und schmalem Oberlicht an der Nordseite. Im nördlichen Teil hat das Gebäude einen Keller mit einem Bruchsteintonnengewölbe. Die Grundrissdisposition mit Stichflur, einer Raumfolge von drei Wohnzimmern an der Straße und rückseitig angeordneten Wirtschaftskammern entspricht dem bürgerlichen Hausbau der Goethe-Zeit, der in dieser Geschlossenheit allerdings nur selten überliefert ist. Erhalten blieb außerdem eine klasszistische Ausstattung u. a. mit halbgewendelter Haustreppe mit Balustergeländer, Türblättern, Dielenfußböden und Stuckleisten an den Decken. An der Grundstücksgrenze sind Reste der 1886 geschaffenen Einfriedung des Schulhofes mit Sandsteinpfosten und Eisengitterzaunn vorhanden.[2]
Das Haus Humboldtstraße 9 steht auf der Liste der Kulturdenkmale in Weimar (Einzeldenkmale).
Einzelnachweise
- ↑ Humboldtstraße 9 auf zeitsprung.de
- ↑ Rainer Müller: Kulturdenkmale in Thüringen: Stadt Weimar. Band 4.1.: Altstadt. E. Reinhold Verlag, Erfurt 2009, S. 401 f.
Koordinaten: 50° 58′ 33,3″ N, 11° 19′ 34,9″ O