Humboldtstraße 23 (Weimar)

Das Haus Humboldtstraße 23 ist eine zweigeschossige späthistoristische Villa in der Weimarer Westvorstadt.

Geschichte

Zur Bauzeit hieß die Humboldtstraße Luisenstraße.[1] Die Villa wurde 1898/99 von dem Architekten und Bauunternehmer Rudolf Zapfe nach eigenem Entwurf errichtet. Das Gebäude ist vollständig unterkellert und verputzt und weist einen differenzierten Grundriss auf und hat dementsprechend einen rhythmisch gegliederten Fassadenaufriss. Die verwendeten Baumaterialien sind die zu dieser Zeit üblichen: Keller- und Erdgeschoss sind aus Bruck- und Backstein, während das Obergeschoss aus Holzfachwerk mit gemauertem Vorlagemauerwerk besteht. Das gaubenbesetzte Mansarddach ist ziegelgedeckt. Straßenseitig liegt der Akzent auf dem dreiseitig gebrochenem Vorbau an der Nordwestecke. Dessen Lage betont der über der Traufe angeordnete Schweifgiebel. Der wiederum wird von einer Steinvase bekrönt zugleich links- und rechtsseitig über der Traufe flankiert. Die Putzfassade ist barockisierend. In der Behandlung der Oberflächen und Details wie geschweiften Umrissen der Verdachungen sind Einflüsse des Jugendstils zu erkennen, welche wenig später bei Zapfe weitaus stärker zur Geltung kommen. Das wohl naheliegendste Beispiel hierfür ist sein eigenes Wohnhaus Humboldtstraße 21/21a. Für die Fassade von Humboldtstraße 23 sind die hinsichtlich Größe, Form und Gliederung verschieden gearteten Fenster von besonderer Bedeutung. Der Hauseingang befindet sich in einem eingeschossigen Vorbau an der Nordwestecke; von der Veranda an der Gartenseite ist der Garten über eine Freitreppe zu betreten. Der Grundriss und die Ausstattung der Erbauungszeit blieben weitgehend erhalten. Das Zentrum der Raumstruktur bildet die Diele; Wohn- und Speisezimmer sowie Salon liegen an der West- und Südseite, während die Wirtschafts- und Sanitärräume an der Nordseite angeordnet sind. Zur Ausstattung zählen u. a. alle Innentüren mit den bemerkenswerten Beschlägen, die Parkettfußböden und Stuckdecken in den Haupträumen, die Bleiverglasung der Fenster des Treppenhauses und die zweiläufige Podesttreppe mit Balustergeländer. Die Haustür hat eine sternförmig aufgedoppelte Brettschalung. Straßenseitig begrenzt ein Metallgitterzaun mit gemauerten und verputzten Pfosten, die mit pyramidalen Ziegeldeckern enden, das Grundstück.[2]

Einzelnachweise

  1. Gitta Günther, Rainer Wagner: Weimar. Straßennamen. RhinoVerlag, Ilmenau 2012, S. 78. ISBN 978-3-939399-49-0
  2. Rainer Müller: Kulturdenkmale in Thüringen: Stadt Weimar, Bd. 4.2.: Stadterweiterung und Ortsteile. E. Reinhold Verlag, Erfurt 2009, S. 751.

Koordinaten: 50° 58′ 28,1″ N, 11° 19′ 24,1″ O