Hugo Richter (Gärtner)

Hugo Richter (* 19. Mai 1853 in Breslau; † 26. April 1937 ebenda) war ein deutscher Gärtner und Gartenarchitekt. Er war mehr als 30 Jahre Städtischer Gartenbaudirektor in Breslau. In seiner Amtszeit entstanden große neue Park- und Grünanlagen, die bis in die Gegenwart das Erscheinungsbild der Stadt prägen.

Leben und Wirken

Hugo Richter war der Sohn eines Steinbildhauers. Seine Ausbildung zum Gärtner absolvierte er von 1869 bis 1872 zunächst in der Kunst- und Handelsgärtnerei Krykon und unter Gartenbaudirektor Julius Schütze in der Gärtnerei des Kommerzienrats Eichborn. Danach besuchte er bis 1874 die Königliche Gärtnerlehranstalt am Wildpark bei Potsdam.[1] In den Jahren 1874 und 1875 arbeitete er in der Gärtnerei des Grafen Henckel von Donnersmarck, danach bis 1878 unter dem ebenfalls aus Breslau stammenden Gartendirektor Hermann Mächtig in der städtischen Gartenverwaltung in Berlin.

Es folgten mehrjährige Arbeitsaufenthalte im Ausland, wie z. B. in der belgischen Gärtnerei Louis van Houtte in Gent, in den Knap-Hill-Nurseries genannten Baumschulen des Rhododendren-Züchters Anthony Waterer in England sowie in Pontchartrain, bei Versailles, in Frankreich.[1] Zurück in Breslau, arbeitete Richter einige Jahre als selbstständiger Gartenarchitekt.

Am 1. August 1890 trat Richter als Nachfolger des verstorbenen Stadtgarteninspektors Loesener[2] die Stelle als Städtischer Gartendirektor von Breslau an.[1] Er betätigte sich vor allem mit der Gestaltung großzügiger Landschaftsparks, die der städtischen Bevölkerung zur Naherholung dienen sollten. Hierbei arbeitete er oft mit dem Botaniker Ferdinand Cohn zusammen. Beispiele seiner Parks sind der 25 ha große Südpark, der heute den Schutzstatus eines Naturdenkmals hat, und der Jahrhundertpark in direkter Nachbarschaft zur Jahrhunderthalle.[3] Des Weiteren plante er den Coseler Wald, den Leerbeuteler Grüngürtel und zahlreiche größere städtische Plätze sowie die Erweiterung des Scheitniger Parks.

Seit ihrer Gründung und bis zu seinem Ruhestand war Richter Vorsitzender der Gruppe Schlesien–Posen in der Deutschen Gesellschaft für Gartenkunst (DGfG). Er war Mitglied des Breslauer Verschönerungsvereins und zahlreicher schlesischer gartenfachlicher Vereine und Verbände.

In Anerkennung seiner Verdienste erhielt Richter mehrere Auszeichnungen. Für die Gestaltung des Jahrhundertparks wurde ihm 1913 der Ehrentitel „Königlicher Gartenbaudirektor“ verliehen. Außerdem war er Träger des Kronenordens vierter Klasse und des Roten Adlerordens vierter Klasse.[1]

Nach 31 Jahren im Dienste der Stadt Breslau trat Richter am 1. Juli 1921 in den Ruhestand. Seinen Lebensabend verbrachte er bis zu seinem Tode 1937 in Obernigk.

Hugo Richter starb am 26. April 1937 wenige Wochen vor Vollendung seines 84. Lebensjahres. Seine letzte Ruhestätte fand er seinem Wunsch entsprechend in der Familiengruft auf dem Rotkretschamer Friedhof.

Ehrungen

  • Kronenorden 4. Klasse
  • Roter Adlerorden 4. Klasse
  • 1913: Ernennung zum Königlichen Gartenbaudirektor

Schriften

  • Landschaftliche Schönheitspflege der Breslauer Stadtverwaltung unter Oberbürgermeister Georg Bender. In: Festgabe des Vereins für Geschichte Schlesiens: Zum siebzigsten Geburtstage seines Ehrenmitgliedes Oberbürgermeisters a. D. Dr. phil. et med. h. c. Georg Bender am 31. Dezember 1918. Ferdinand Hirt, Breslau 1919, S. 62–78 ([schlesien3.html Digitalisat]).

Literatur

  • Iwona Bińkowska: Natura i miasto. Publiczna zieleń miejska we Wrocławiu od schyłku XVIII do początku XX wieku [Natur und Stadt. Öffentliches Stadtgrün in Breslau vom Ende des 18. Jahrhunderts bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts]. Muzeum Architektury, Wrocław 2006, ISBN 83-89262-29-0.
  • Jerzy Ilkosz: Die Jahrhunderthalle und das Ausstellungsgelände in Breslau das Werk Max Bergs. Schriften des Bundesinstituts für Kultur und Geschichte der Deutschen im Östlichen Europa, Band 28, R. Oldenbourg, München 2006, ISBN 978-3-486579864.

Einzelnachweise

  1. a b c d Richter, Hugo. (PDF-Datei) In: gartentexte-digital.ub.tu-berlin.de. S. 197, abgerufen am 27. Oktober 2025 („Biografien in den Festschriften der Gärtnerlehranstalt am Wildpark in Potsdam 1899, 1913 und 1924“ (S. 38 der PDF-Datei)).
  2. Bericht über die Verwaltung der städtischen Promenaden, Parks, Alleen und sonstigen gärtnerischen Anlagen in dem Jahre vom 1. April 1889 bis 31. März 1890. In: Statistisches Amt der Stadt Breslau (Hrsg.): Breslauer Statistik: im Auftrage des Magistrats der Königl. Haupt- und Residenzstadt Breslau ... Band 13. E. Morgenstern, Breslau 1891, S. 163.
  3. Roman Smolorz: Kultur- und Stadtleben in Breslau in drei Tagen. In: Universität Regensburg (Hrsg.): Der Archivkurs des Sommersemesters 2011. Ein Bericht. 2011, S. 24, 25 (Digitalisat [PDF] mit Fotos).