Hugo Ernst Käufer

Hugo Ernst Käufer bei der Verdienstkreuzverleihung, 1997
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Hugo Ernst Käufer (* 13. Februar 1927 in Witten; † 9. Mai 2014 in Legden[1]) war ein deutscher Bibliothekar und Schriftsteller.[2]

Leben

Hugo Ernst Käufer stammte aus einer Arbeiterfamilie. Von 1945 bis 1953 war er als Verwaltungsangestellter in Witten tätig. Von 1954 an absolvierte er am Bibliothekar-Lehrinstitut des Landes Nordrhein-Westfalen (heute Fachhochschule Köln) eine bibliothekarische Ausbildung, die er 1957 mit der Diplom-Prüfung abschloss. Von 1957 bis 1966 war er Referent an der Stadtbücherei Bochum. Käufer war von 1966 bis 1977 stellvertretender Direktor[3] und dann von 1977 bis 1987 Direktor der Stadtbücherei Gelsenkirchen. 1967 gehörte er zu den Mitbegründern der Literarischen Werkstatt Gelsenkirchen, aus der 1971 der Werkkreis Literatur der Arbeitswelt hervorging. Käufer lebte in seinen letzten Jahren in Legden und war bis zu seinem Tod Vorstandsvorsitzender der Bochumer Liselotte-und-Walter-Rauner-Stiftung.

Leistungen

Hugo Ernst Käufer, der bis in die 1960er Jahre vorwiegend bibliothekarische und bibliografische Facharbeiten veröffentlichte, verfasste später hauptsächlich Lyrik und Essays. Seit den 1970er Jahren spielte Käufer, „der sich – ungewöhnlich genug für einen Schriftsteller – für die Arbeiten der anderen mehr ins Zeug legte als für sein eigenes Werk“,[4] eine wichtige Rolle als Förderer, Herausgeber und Kritiker von Autoren im Umkreis der neuen Ruhrgebiets- und Arbeiterliteratur, deren Aufschwung maßgeblich ihm zu verdanken ist. Zudem trug er als Herausgeber ihrer Werke dazu bei, dass einige der von der NS-Diktatur in die Emigration getriebenen bzw. verfolgten Autorinnen „wiederentdeckt“ wurden, u. a. Rose Ausländer und Irmgard Keun.[4]

Mitgliedschaften

Auszeichnungen

Veröffentlichungen

Monografien

  • Menschliche Gefährdung in der technischen Welt. Köln 1957.
  • Mensch und Technik im Zeichen der zweiten industriellen Revolution. Eine kleine Bücherkunde. Stadtbücherei Bochum 1958.
  • Wie kannst du ruhig schlafen…. Gedichte. Theodor Kleff, Bochum 1958.
  • China zwischen gestern und morgen. Hagen 1961.
  • Hörspiele nach 1945. Hagen 1961.
  • Zusammen mit Werner Kopp: Afrika zwischen gestern und morgen. Ausgewählte Erlebnisse und Berichte. Schaffstein, Köln 1962.
  • Die Botschaft des Kindes (= Der Vier-Groschen-Bogen, Band 15). Gedichte. Laumann, Dülmen 1962.
  • Weltmacht Sowjetunion. Hagen 1962.
  • Und mittendrin ein Zeichen. (= Stimmen aus Westdeutschland, Band VI). Mit einem Nachwort von Bernhard Rang. Lechte Verlag, Emsdetten 1963.
  • Das Werk Heinrich Bölls 1949–1963. Ein Bücherverzeichnis. (= Dichter und Denker unserer Zeit, Folge 22). Mit zwei Beiträgen von Heinrich Böll. Städtische Volksbüchereien, Dortmund 1963.
  • Das Abenteuer der Linie. Die Graphiker Detlef Rüscher und Manfred Wotke. Edition Galerie Falazik, Bochum 1964.
  • Spuren und Linien. Lyrik. Emsdetten/Westfalen 1967.[3]
  • Report. Lyrik. Krefeld 1968.[3]
  • Zusammen mit Enric Rabasseda: Im Namen des Volkes. Oberhausen 1972.
  • Leute bei uns gibts Leute. (= Lyrikspectrum 1). et cetera-Literarischer Verlag, Leverkusen 1975, ISBN 978-3-88097002-1.
  • Standortbestimmungen. Dortmund 1975.
  • Rußlandimpressionen. Leverkusen 1976.
  • Unaufhaltsam wieder Erde werden. Gelsenkirchen 1976.
  • Demokratie geteilt. Dortmund 1977.
  • Massenmenschen, Menschenmassen. Gelsenkirchen 1977.
  • Stationen 1. Köln 1977.
  • Stationen 2. Köln 1977.
  • Der Holzschneider HAP Grieshaber. Passau 1978.
  • Schreiben und schreiben lassen. Stuttgart 1979.
  • So eine Welle lang. Gelsenkirchen 1979.
  • Autobiographische Notizen. Bovenden 1980.
  • Zusammen mit Adi Rosenauer-Kölbl: Leichter im Gepäck. Hauzenberg 1983.
  • Über das gesunde Volksempfinden und andere Anschläge. Bovenden 1983.
  • Zusammen mit Karl-Heinz Langowski: Zeit wird es – Abreißtexte und Abreißgrafiken. Gelsendruck, Gelsenkirchen 1983.
  • Hugo Ernst Käufer. Neuss 1984.
  • Kehrseiten. Oberhausen 1984.
  • Von Büchern, Bibliotheken, Lesern und Autoren. Gelsenkirchen 1986.
  • Die Worte, die Bilder. Hauzenberg 1986.
  • Bei Licht besehen. Göttingen 1987.
  • Chopins Klavier. Stuttgart 1989.
  • In späten Jahren. Zuidhorn 1989.
  • Kartoffelkrautfeuer. Witten 1991.
  • Die Jäger sind unterwegs. Lahnstein 1995.
  • Botschaften im Wind. Groningen 1996.
  • Immer noch unterwegs. Bochum 1997.
  • Unterdessen. edition prima vista, Gelsenkirchen 1997.
  • Ohne Erinnerung hat die Zeit kein Gesicht. Gedichte mit Zeichnungen von Günter Drebusch. Zusammen mit Peter Hammer Verlag, Wuppertal, beim Marino Verlag, München 1997, ISBN 3-927527-75-0.
  • Das Haus der Kindheit. Edition Wort und Bild, Bochum 1999.
  • Lese-Zeichen. Düsseldorf 2001.
  • Im Steinbruch des Vergessens. Edition Wort und Bild, Bochum 2002, ISBN 3-927430-32-3.
  • Paul Karalus. Düsseldorf 2002.
  • Augapfeltiefe. Edition Wort und Bild. Bochum 2005, ISBN 3-927430-46-3.
  • Sieben Gerechte oder Auschwitz, der Ort, das Tor, der Abgrund. Edition Wort und Bild, Bochum 2005.
  • Im Zeitspalt. Edition Wort und Bild, Bochum 2006, ISBN 3-928781-48-0.
  • Wortwörtlich. Edition Wort und Bild, Bochum 2007, ISBN 3-927430-55-2.

Herausgeberschaften

  • Zusammen mit Werner Kopp: Das neue China. Ausgewählte Erlebnisse und Berichte. (= Schaffsteins grüne Bändchen, Band 119). Schaffstein, Köln 1960.
  • Zusammen mit Werner Kopp: Die Sowjetunion heute. Ausgewählte Erlebnisse und Berichte. Schaffstein, Köln 1964.
  • Zusammen mit Heinz Protzer: Nordamerika heute. Ausgewählte Erlebnisse und Berichte. Schaffstein, Köln 1967.
  • Beispiele, Beispiele. Recklinghausen 1969.
  • Dokumente, Dokumente. Gelsenkirchen 1969.
  • Friedhelm Baukloh: Texte eines entschiedenen Liberalen. Köln 1972.
  • Revier heute. Recklinghausen 1972.
  • Zusammen mit Hedwig Biewber und Alois Klotzbücher: Dienst an Büchern, Lesern und Autoren. Berlin 1973.
  • Kurt Küther: Ein Direktor geht vorbei. Wuppertal 1974.
  • Zusammen mit Horst Wolff: Sie schreiben zwischen Moers und Hamm. Wuppertal 1974.
  • Das betroffene Metall. Krefeld 1975.
  • Richard Limpert: Fragen so nebenbei. Wuppertal 1975.
  • Sie schreiben zwischen Goch und Bonn. Wuppertal 1975.
  • Reinhart Zuschlag: Tagesgespräche filtern. Darmstadt 1976.
  • Rose Ausländer: Gesammelte Gedichte. Leverkusen 1976.
  • Zusammen mit Hans-Jörg Loskill: Sie schreiben in Gelsenkirchen. Köln 1977.
  • Zusammen mit Walter Neumann: Sie schreiben zwischen Paderborn und Münster. Wuppertal 1977.
  • Wir, Gelsenkirchen 1977.
  • Bibliotheksarbeit in Justizvollzugsanstalten. Berlin 1980.
  • Zusammen mit Volker W. Degener: Sie schreiben in Bochum. Duisburg 1980.
  • Liselotte Rauner: Kein Grund zur Sorge. Oberhausen 1985.
  • Soziale Bibliotheksarbeit. Berlin 1982.
  • Schulter an Schulter. Neuß [u. a.] 1985.
  • Bürger brauchen Büchereien. Gelsenkirchen 1986.
  • Zusammen mit Hartmut Hering und Michael Klaus: Für uns begann harte Arbeit. Oberhausen 1986, ISBN 3-921541-63-8.
  • Annette Ruhmann: Aber unten auf der Erde. Gelsenkirchen 1987.
  • Karl Taefler: Wo wir das Bleiben verteidigen. Gelsenkirchen 1987.
  • Wer nicht hören will, muß sehen. Witten 1990.
  • Zusammen mit Rainer W. Campmann: Augenblicke der Erinnerung. Oberhausen 1991, ISBN 3-921541-69-7.
  • Dialoge. Witten 1992.
  • Himmerod und anderswo. Himmerod 1994.
  • Otti Pfeiffer – eingebaut ins Riesenrad. Düsseldorf 2003.
  • Die Kinder von Buchenwald. Bielefeld 2005.

Literatur

  • Sascha Kirchner (Hrsg.): Das Wesen des Schreibens heißt Überleben ... Düsseldorf 2003.
  • Rita Reichel-Finke: Hugo Ernst Käufer. Gelsenkirchen 1987.
  • Timo Rieg (Hrsg.): Bochumer Bekannte 3. Silvia Cabello, Chris Hopkins, Hugo Ernst Käufer, Rüdiger Künne, Daniel Nipshagen, Felix Oekentorp, Karsten Riedel und Erwin Steden im Porträt. Bochum 2004, ISBN 3-928781-83-9.
  • Klaus Scheibe: Hugo Ernst Käufer. Gelsenkirchen 1997.
  • Werner Streletz (Hrsg.): Hugo Ernst Käufer. (= Nylands kleine Westfälische Bibliothek, Band 34). Nyland-Stiftung, Köln 2012, ISBN 978-3-89528-923-1, PDF-Datei.[5]
  • Karl Taefler (Hrsg.): Anstöße. Gelsenkirchen 1987.

Ausstellung

  • 2014/2015: Ohne Erinnerung hat die Zeit kein Gesicht. Kunstmuseum Bochum.[6]

Einzelnachweise

  1. Jürgen Boebers-Süßmann, Jens Dirksen: Nachruf. Bochumer Publizist und Autor Hugo Ernst Käufer gestorben. WAZ, 9. Mai 2014, abgerufen am 24. Februar 2017.
  2. Hugo Ernst Käufer. In: Kürschners Deutscher Literatur-Kalender 2014/2015. Band I: A–O. Band II: P–Z. Walter De Gruyter Incorporated, 2014, S. 493–494, ISBN 978-3-11-033720-4.
  3. a b c Stadt Gelsenkirchen: Stadtchronik 1968. S. 2 u. 146. Abgerufen am 21. September 2025.
  4. a b Hilmar Klute: Worte fördern. Der Ruhrgebiets-Autor Hugo Ernst Käufer ist tot. In: Süddeutsche Zeitung, 12. Mai 2014.
  5. Bibliothek Westfalica, PDF-Datei. Abgerufen am 22. September 2025.
  6. Kunstmuseum Bochum 2014/2015. Abgerufen am 21. September 2025.