Hubie and Bertie
Hubie and Bertie sind zwei anthropomorphe Mäuse im Besitz des Time-Warner-Konzerns. Sie sind die Hauptfiguren von sieben Zeichentrickfilmen, die von 1943 bis 1951 als Teil der Looney-Tunes-Reihe von den Studio von Leon Schlesinger für die Warner Brothers-Studios bzw. von den Warner Brothers Studios selbst produziert und in Kinos veröffentlicht wurden.
Figuren und Veröffentlichungsgeschichte
Die Figuren Hubie und Bertie wurden 1942 von dem Cartoon-Regisseur Chuck Jones für die seit 1930 von dem Cartoon-Studio von Leon Schlesinger für die Warner Brothers-Studios produzierte Cartoon-Reihe Looney Tunes entwickelt: Es handelt sich bei den beiden um zwei spitzbübische Mäuse, die harmlos-komische Abenteuer in der fiktiven Welt der Looney Toons erleben. In den ersten vier Kurzfilmen der Reihe waren die beiden dabei noch namenlos: Die Namen Hubie und Bertie wurden ihnen erst in dem 1949 veröffentlichten fünften Film der Reihe gegeben.
Als anthropomorphe Tiere gehen Hubie und Bertie beide auf ihren Hinterläufen und benutzen sie ihre Vorderläufe, nach Menschenart, als Arme. Ihre Gesichter sind expressiv mit vermenschlichten Zügen, großen Ohren und groß schwarzen Nasen. Während die eine Maus ein braunes Fell mit einem in einer helleren Farbe gehaltenen Bauch und Gesicht hat, ist die zweite Maus graufellig. Während Hubie, der meist der tonangebende der beiden ist, im Original mit einem Brooklyn-Akzent spricht, ist Bertie, der als weniger intelligenter Mitläufer porträtiert wird, der zu allen von Hubiet ersonnenen Plänen und Maschinationen stets Ja sagt (wobei er sein unreflektieres Zustimmen zu den Vorhaben seines Partners meist mit der Catchphrase „Yeah-yeah, sure-sure!“ zum Ausdruck bringt), durch einen großen Hasenzahn (buck teeth) erkennbar.
Beide Figuren traten erstmals in dem Cartoon The Aristo-Cat, der am 19. Juni 1943 in die amerikanischen Kinos kam, auf.
Die Cartoons über die beiden Mäuse folgen meist einem wiederkehrenden Muster: Die beiden Mäuse als ausgekochte Schlitzohren laufen einer anderen Figur über den Weg und beschließen, ihrer schelmischen Wesensart folgend, dieser mit mehr oder weniger argen Streichen das Leben schwer zu machen, um sich in mildem Sadismus an den Situationen, in die sie ihr Opfer hineinmanövrieren, und an den Reaktionen, die ihr Opfer hierauf zeigt, zu erheitern. Die meisten dieser Streiche zielen darauf ab, ihr jeweiliges Opfer durch Manipulationen zu verwirren und es dazu zu veranlassen, sein eigenes Selbstverständnis und sein Verständnis der Welt, in der es lebt, in existentiell-grundlegender Weise in Frage zu stellen, da die geistige Verwirrung, die sie in ihm erzeugen und die sich daraus ergebenden Folgen ihnen diebisches Vergnügen bereiten.
Um glaubhaft zu machen, dass die manipulativen Machenschaften von Hubie und Bertie von Erfolg gekrönt sind, lassen die Macher der Cartoons die beiden sich meist Antagonist/Opfer aussuchen, bei denen es sich meist um sehr naive Personen oder Kreaturen handelt, oder die sogar geistig stark unterbelichtet sind oder mit psychischen Problemen zu kämpfen haben: In ihrem Debütcartoon überzeugen die beiden beispielsweise eine unbedarft Katze, die auf der Suche nach Mäusen als Beutetieren ist, die aber nicht weiß, wie Mäuse aussehen, dass sie tatsächlich ein Löwe ist und dass es sich bei der im nahen Garten hausenden Bulldogge um ihr Beutetier handelt, mit dem Ergebnis, dass die Katze mehrere Angriffe auf die ihr kräftemäßig weit überlegene Bulldogge unternimmt, die für diese stets ein schmerzhaftes Ende nehmen.
In dem zweiten Cartoon der Reihe (Trap Happy Porky), der am 24. Februar 1945 veröffentlicht wurde, stehlen die beiden während des ersten Teils des Films Lebensmittel von dem etablierten Looney-Tunes-Charakter Porky Pig (Schweinchen Dick).
In dem dritten Cartoon der Reihe (Roughly Squeaking), der am 23. November 1946 veröffentlicht wurde, unternehmen die beiden ein ganz ähnliches Psychospiel, wie im ersten Cartoon, indem sie erneut einen wenig intelligenten Kater davon überzeugen, dass er ein Löwe ist und dass ein Hund ein Elch ist, den er fressen möchte: Es folgt eine Aneinanderreihung von Irrungen und Wirrungen, mit dem Ergebnis, dass der Cartoon damit endet, dass die Katze sich für einen Löwen, der Hund sich für einen Pelikan und ein Vogel, der das Durcheinander beobachtet, sich für einen Erntedankfest-Festschmaustruthahn hält.
Im vierten Cartoon der Reihe (House Hunting Mice), der am 6. September 1947 in die Kinos kam, legen die beiden sich mit einem Haushaltsroboter an.
In dem 1949 veröffentlichten fünften Cartoon der Reihe (Mouse Wreckers) erhielten die beiden Mäuse schließlich eine Art ständigen Gegenspieler mit der in diesem Cartoon neu in die Looney-Tunes-Reihe eingeführten Figur Claude Cat. Bei diesem handelt es sich um einen gelbfelligen Kater, der als Meistermäusejäger ein Haus beschützt, auf das die beiden ein Auge mit der Absicht geworfen haben, in diesem ihr neues Zuhause einzurichten. Um den unliebsamen Hüter des Hauses loszuwerden, traktieren Hubie und Bertie ihn anschließend physisch und mental. Dieser Cartoon erhielt eine Nominierung für den Academy Award (Oscar).
In den letzten beiden Cartoons der Reihe The Hypno-Chondri-Cat (1950) und Cheese Chasers (1951) nahmen die beiden dann jeweils erneut den Kater Claude aufs Korn: In dem ersten Cartoon machten sie ihn Glauben, dass er an diversen schweren Gebrechen erkrankt sei und schließlich sogar, dass er an diesen verstorben sei und jetzt in den Katzenhimmel emporfahren würde (tatsächlich schwebt er aufgrund von Ballons, die sie ihm unbemerkt umgebunden haben in den [physischen] Himmel). In dem letzten Cartoon quälen sie Claude dann, ausnahmsweise unabsichtlich, indem sie ihn, nachdem sie bei der Ausplünderung einer Speisekammer viel zu viel Käse gefressen haben, elendig krank werden und daraufhin beschließen, sich Erlösung von ihrer Qual zu verschaffen, dazu zu veranlassen versuchen, sie zu fressen. Claude weigert sich aber, die beiden zu fressen, da er fürchtet, dass sie aufgrund ihres Zustandes giftig sind. Um den vermeintlich bedrohlichen Nagern zu entgehen, beschließt der in Panik verfallene Claude daher, ebenfalls Suizid zu begehen, zu welchem Zweck er versucht, eine Bulldogge dazu zu veranlassen, ihn anzugreifen, worauf die Bulldogge ihrerseits ob des ungewohnten Verhaltens einer Katze (die sich ihr mit dem Wunsch zerrissen zu werden, aufdrängt, anstatt zu fliehen) mit Verwirrung reagiert.
Nach Cheese Chasers wurden Hubie und Bertie nicht mehr als „Stars“ von Zeichentrickkurzfilmen der Looney-Tunes-Reihe verwendet. Stattdessen traten sie fortan nur noch gelegentlich in kurzen Cameos (z. T. als Paar, z. T. jeweils alleine) in Cartoons, in deren Mittelpunkt andere Figuren standen, auf, wobei sie den Part von namenlosen, generischen Mäusen übernahmen, die für kurze Gags gebraucht wurden. So trat in dem Sylvester und Porky Pig-Cartoon Scaredy Cat, in dem die beiden in einem von bedrohlichen Mäuse geplagten Hotel übernachten, kurz eine als Henker der Mäusegemeinschaft fungierende Maus auf, die Hubies Erscheinungsbild stark ähnelte.
Nach dem Ende der Produktion der ursprünglichen Looney Toons in den 1960er Jahren wurden mehrere Jahrzehnte lang keine Medien mehr produziert, in denen die beiden zu sehen sind. Seit den 1990er Jahren sind Hubie und Bertie erneut in kleinen Rollen in diversen Warner Brothers-Cartoon-Produktionen aufgetreten: So als Nebenfiguren in den Zeichentrickserien Tiny Toons Adventures, The Sylvester & Tweety Mysteries und Duck Dodgers, in dem dem Kinofilm Space Jam (1996) und dem Direct-to-Video-Film Tweety's High Flying Adventure (2000).
In der in den 2020er Jahren auf HBO Max veröffentlichten Zeichentrickserie Looney Tunes Cartoons traten die beiden erstmals seit mehr als siebzig Jahren wieder als Hauptfiguren von Cartoons auf, indem sie in den Mittelpunkt mehrerer kurzer Cartoons der Reihe, wie Happy Birthday, Bugs Bunny! und Frame the Feline, gestellt wurden.
Sprecher der Figuren
In den Cartoons der 1940er und 1950er Jahre wurde Hubie im Original nacheinander von von Tedd Pierce (1943), Dick Nelson (1946), Stan Freberg (1947–1949) und Mel Blanc (1950–1951) gesprochen, während als Stimme für Bertie nacheinander Michael Maltese (1943), Mel Blanc (1945, 1949), Stan Freberg (1946–1951) fungierten.
In späteren Cartoons, in denen die beiden Cameo-Auftritte hatten, wurde Hubiet u. a. von Jim Cummings (1995–2000), Bob Bergen (1996), Joe Alaskey (2005), Jeff Bennett (2017), Eric Bauza (2019–2026), Sean Kenin (2021–2023) gesprochen, während Bertie von Jeff Bennett (1995–2000, 2017), Bob Bergen (1996), Steve Kehela (1996), Joe Alaskey (2005), Eric Bauza (2019–2026) und Sean Kenin (2021–2023) gesprochen.
Cartoons der Hubie and Bertie-Reihe
- The Aristo-Cat, 1943.
- Trap Happy Porky, 1945.
- Roughly Squeaking, 1946.
- House Hunting Mice, 1947.
- Mouse Wreckers, 1949. (für den Academy Award als bester Kurzfilm nominiert)
- The Hypo-Chondri-Cat, 1950.
- Cheese Chasers, 1951.
Veröffentlichungen auf Heimmedien
Alle sieben Hubie and Bertie-Cartoons wurden von Warner Brothers als DVD und Blu-Ray unter dem Titel Looney Tunes Mouse Chronicles: The Chuck Jones Collection veröffentlicht.
Literatur
- Jerry Beck / Will Friedwald: Looney Tunes and Merrie Melodies: A Complete Illustrated Guide to the Warner Bros. Cartoons, Henry Holt and Co., 1989.
- Jeff Lenburg: The Encyclopedia of Animated Cartoons, Checkmark Books, 1999.
- Jeff Rovin: The Illustrated Encyclopedia of Cartoon Animals, Prentice Hall Press, 1991.