Hu Anyan
Hu Anyan (chinesisch 胡安焉, Pinyin Hú Ānyān; * 1979 in Guangzhou) ist ein chinesischer Schriftsteller.[1][2][3]
Leben
Hu wurde 1979 in Guangzhou, einer Stadt in Südchina geboren. Die prägenden Jahre seiner Eltern fielen in die Zeit des maoistischen Chinas: Seine Mutter wurde während der Kulturrevolution aufs Land vertrieben und sein Vater trat mit 16 Jahren der Volksbefreiungsarmee bei.[4]
Hu begann nach seinem Highschool-Abschluss, direkt zu arbeiten. Er hangelte sich von Niedriglohnjob zu Niedriglohnjob und dadurch von Stadt zu Stadt. Hu war Paketzusteller, Kellner, Sicherheitsmann, Mitarbeiter in einem 24-Stunden-Markt, Mitarbeiter in einer Kantinenküche und an einer Tankstelle.
Vorher hat Hu bereits drei Sachbücher auf Chinesisch veröffentlicht. Diese beschreiben fast jede einzelne seiner beruflichen Erfahrungen und seinen Werdegang, der ihn quer durch China von einem Job zum nächsten führte. Unter anderem war er Comiczeichner in seiner Heimatstadt Guangzhou, Inhaber eines Bekleidungsgeschäfts in Nanning, Wachmann in Dali, Fahrradverkäufer in Shanghai und schließlich Lieferfahrer in Peking – der Job, der seine literarische Karriere einleitete.[5]
2009 begann er seine Erfahrungen online in Videoclips zu posten. Sein Bericht über seine Arbeit als Lieferfahrer für ein Logistikunternehmen ging zu Beginn des COVID-Lockdowns viral.[6]
„In China ist es üblich, dass Menschen innerhalb von 20 Jahren 20 bis 30 Jobs ausüben, die weder Aufstiegsmöglichkeiten bieten und für die keine Fachkenntnisse erforderlich sind“[7]
Nach Hus eigener Erfahrung endeten seine meisten Jobs dann, wenn er ausgebrannt, frustriert oder gelangweilt war. 2021 erhielt Hu einen Buchvertrag und zog nach Chengdu, einer Stadt zweiter Ordnung im Südwesten Chinas – diesmal nicht für einen weiteren Gelegenheitsjob, sondern um zu schreiben.
In den Jobs, die er im Buch beschreibt, sei er immer wieder schikanösen Chefs ausgesetzt, schlechten Arbeitsbedingungen und niedrigen Löhnen.
2025 wurde sein Bestseller als I Deliver Parcels in Beijing auch im englischen bzw. in deutschen als Ich fahr Pakete aus in Peking veröffentlicht.[8]
Rezeption
Das Buch Ich fahr Pakete aus in Peking gilt in China als eines der bedeutendsten Memoirs der jüngeren Vergangenheit. 2023 wurde das Buch in China ein Bestseller.[9]
Werke
- Ich fahr Pakete aus in Peking. Suhrkamp Verlag, 2025, ISBN 978-3-518-47515-7.
Einzelnachweise
- ↑ Handelsblatt. Abgerufen am 23. November 2025.
- ↑ Bran Nicol: I Deliver Parcels in Beijing by Hu Anyan: an unforgettable look at gig-economy hardship. 21. November 2025, abgerufen am 23. November 2025 (amerikanisches Englisch).
- ↑ China can’t afford to ignore its army of gig workers. In: The Straits Times. 21. November 2025, ISSN 0585-3923 (straitstimes.com [abgerufen am 23. November 2025]).
- ↑ Rebecca Liu: The Beijing courier who went viral: how Hu Anyan wrote about delivering parcels – and became a bestseller. In: The Guardian. 20. Oktober 2025, ISSN 0261-3077 (theguardian.com [abgerufen am 23. November 2025]).
- ↑ The Interview: Hu Anyan. Abgerufen am 23. November 2025 (englisch).
- ↑ „Ich fahr Pakete aus in Peking“: Die Würde des Expresszustellers. 14. Oktober 2025, abgerufen am 23. November 2025 (österreichisches Deutsch).
- ↑ Rebecca Liu: The Beijing courier who went viral: how Hu Anyan wrote about delivering parcels – and became a bestseller. In: The Guardian. 20. Oktober 2025, ISSN 0261-3077 (theguardian.com [abgerufen am 23. November 2025]).
- ↑ Viola Zhou: “I Deliver Parcels in Beijing”: Chinese literary sensation reaches U.S. 3. November 2025, abgerufen am 23. November 2025 (amerikanisches Englisch).
- ↑ Rebecca Liu: The Beijing courier who went viral: how Hu Anyan wrote about delivering parcels – and became a bestseller. In: The Guardian. 20. Oktober 2025, ISSN 0261-3077 (theguardian.com [abgerufen am 23. November 2025]).