Hraschina (Meteorit)

Koordinaten: 46° 6′ 0″ N, 16° 20′ 0″ O
Hraschina
Hauptstück des Meteoriten Hraschina mit einer Masse von 39,2 kg in der Meteoritensammlung des Naturhistorischen Museum Wien
Allgemeines
Offizieller Name
nach MBD
Hraschina
Synonym Agram
Authentizität sicher
Lokalität
Land Kroatien
Region Hrvatsko Zagorje
Gemeinde Hrašćina
Fall und Bergung
Datum (Fall) 26. Mai 1751
beobachtet ja
Sammlung Hauptmasse im Naturhistorischen Museum Wien
Beschreibung
Typ Eisenmeteorit
Klasse IID
Gruppe IID-Eisenmeteorite
Untergruppe Mittlerer Oktaedrit
Masse (total) 49 kg
Referenzen
Meteoritical Bulletin 11916
Mindat (Keswick, VA) 263425

Der Hraschina-Meteorit ist ein historisch bedeutsamer Eisenmeteorit, dessen Fall am 26. Mai 1751 um 18 Uhr bei Hrašćina, einem Ort etwa 20 Kilometer nordöstlich der heutigen kroatischen Hauptstadt Zagreb, beobachtet wurde. Der Fall war von einem hellen Feuerball begleitet, der aus einer Entfernung von bis zu 100 km zu sehen war.

Der Hraschina-Meteorit gilt als Grundstein der wissenschaftlichen Meteoritenforschung und ist von großer wissenschaftshistorischer Bedeutung. Der Fall von Hraschina war der erste gut dokumentierte Eisenmeteorit, dessen Einschlag von einer beträchtlichen Anzahl von Zeugen beobachtet und gemeldet wurde.[1] Erst 8 Jahrzehnte später kam im Jahr 1835 mit dem Meteoriten von Charlotte (in Dickson County, Tennessee, USA) ein zweiter beobachteter Fall eines Eisenmeteorit dazu. Die gründliche Dokumentation des Fall-Ereignisses des Meteorit von Hraschina trug zudem wesentlich dazu bei, dass sich in der Wissenschaft schließlich die Erkenntnis durchsetzte, dass Steine tatsächlich „vom Himmel fallen“ können.[2]

Geschichte

Am 26. Mai 1751 um 18:00 Uhr wurde ein Feuerball über Hrašćina beobachtet und Geräusche ähnlich wie bei Explosionen konnten bis ins ca. 25 km entfernte Varaždin wahrgenommen werden. Auf einer Fläche von schätzungsweise 2.600 km2 konnten die Geräusche des Meteoriten gehört werden.[1] Zahlreiche Personen wurden während ihres Sonntagabendspaziergangs Zeugen des Ereignisses. Baltazar Adam Krčelić, ein Geistlicher, Historiker und bekannter Chronist des Alltagsgeschehens, der sich einige Zeit im Dorf Biškupec aufhielt, hielt Folgendes fest:[3]

„In Biškupec bei Varaždin […] wurde ein ungewöhnliches Phänomen, das einer kleinen Wolke ähnelte, beobachtet – obwohl es keine Wolke war –, das immer blasser wurde, einen lauten Knall von sich gab und sich dann auflöste. In ihrer Unwissenheit glaubte das einfache Volk, der Himmel habe sich geöffnet.“

Östlich von Hrašćina gingen zwei Eisenmassen mit 39,8 kg und 9 kg nieder und wurden später geborgen. Die größere Masse drang 1,4 Meter tief in den Untergrund ein.[1] Die kleinere Masse wurde an der Absturzstelle gespalten und teilweise von den Dorfbewohnern zur Nagelherstellung verwendet,[4] während der Rest in Bratislava weiter gespalten wurde und anschließend für die Wissenschaft verloren ging.[1]

Der naturwissenschaftlich interessierte Kaiser Franz I. Stephan - der Ehemann von Maria Theresia - forderte vom bischöflichen Konsortium in Agram einen Bericht über dieses Ereignis an. Das Zagreber katholische Kapitel schickte den Meteoriten zusammen mit dem Bericht („Protokoll von Bischof Klobuczezky und Generalvikar Wolfgang Kukuljević“) an Kaiserin Maria Theresia nach Wien. Der Meteorit wurde in der Schatzkammer in Wien deponiert und anschließend an das Hofmuseum übergeben, das heute das Naturhistorische Museum Wien ist.[5]

Der Physiker Ernst Chladni nutzte im Jahr 1794 des Protokoll von Bischof Klobuczezky als Grundlage für die These, dass Meteoriten ihren Ursprung im Weltraum haben. Gestützt wurde diese These auch von der Tatsache, dass die frisch gefallenen Meteoriten von Hraschina eine Schmelzkruste aufwiesen. Viele Gelehrte gingen damals davon aus, dass Meteoriten einen vulkanischen Ursprung hatten. Diese These war deshalb zunächst sehr kontrovers, setzte sich aber nach dem Meteoritenfall von L’Aigle im Jahr 1803 und den Untersuchungen von Jean Baptiste Biot allmählich durch.[6]

Im Jahr 1808 entdeckte Alois von Beckh-Widmanstätten die Widmanstätten-Struktur, als er eine Scheibe des Meteoriten erhitzte.[2][6][7] Publiziert wurden diese Entdeckung aber erst im Jahr 1820 von Carl von Schreibers.

Erst später wurde bekannt, dass der in Italien lebende englische Chemiker William Thomson die Struktur bereits unabhängig von Widmanstätten im Jahr 1804 entdeckt und beschrieben hatte. Bis heute wird die Bezeichnung ‚Widmanstätten-Struktur‘ verwendet.[6]

Klassifikation und Zusammensetzung

Hraschina ist ein Eisenmeteorit vom chemischen Typ IID und strukturell ein mittelgrober Oktaedrit.

Zusammensetzung[8]:

Sammlung

Die Hauptmasse mit 39 Kilogramm wird im Naturhistorischen Museum Wien aufbewahrt und ist eines der Kernstücke der Meteoritensammlung (Saal 5), wo der Meteorit zu den „Top 100“-Objekten des Museums zählt.[9][6]

20 Gramm befinden sich im Museum für Naturkunde in Berlin, 9,8 Gramm im Natural History Museum in London und einige andere kleinere Stücke in anderen Institutionen.[10]

Einzelnachweise

  1. a b c d Report of the Thirty-First Meeting of the British Association for the Advancement of Science. John Murray, London 1862, S. 32–33 (englisch, google.com [abgerufen am 30. August 2011]).
  2. a b Hraschina. Historic Falls, archiviert vom Original am 15. November 2011; abgerufen am 28. Juli 2011 (englisch).
  3. Ljiljana Marks: Baltazar Adam Krčelić: Chronicler of Everyday Life. In: Narodna Umjetnost. 38. Jahrgang, Nr. 1, Juni 2001, ISSN 0547-2504, S. 140 (englisch, srce.hr [PDF]).
  4. Meteoritsko slavlje u Hrašćini (Memento des Originals vom 4. April 2012 im Internet Archive) (deutsch: Meteorite celebration in Hrašćina) In: Vjesnik, 18. Mai 2011. Abgerufen am 23. Juli 2011 (kroatisch). 
  5. Török, J. (1882): A Magyar Birodalom meteoritjei (II. rész). Természettudományi Közlöny, 14, 495–514.
  6. a b c d L. M. V. Martel: Better Know a Meteorite Collection: Natural History Museum, Vienna, Austria. Planetary Science Research Discoveries. Hawai‘i Institute of Geophysics and Planetology, Mai 2009, abgerufen am 28. Juli 2011 (englisch).
  7. The history of meteoritics and key meteorite collections: fireballs, falls and finds (= Geological Society special publication. Nr. 256). The Geological Society, London 2006, ISBN 978-1-86239-194-9.
  8. Natural History Museum: Catalogue of meteorites: with special reference to those represented in the collection of the Natural History Museum. 5. Auflage. Band 1. Cambridge University Press, 2000, ISBN 978-0-521-66303-8, S. 243.
  9. Meteorit von Hraschina. In: nhm.at. Mai 2021, abgerufen am 28. November 2025.
  10. Martin Horejsi: Hraschina put the H in Historical! In: Meteorite-Times Magazine. Martin Horejsi's Meteorite and Tektite Books (englisch, meteorite-times.com [abgerufen am 28. Juli 2011]).