Horst Möller (Spion)

Horst Möller (* 1937), Deckname Weber, ist ein ehemaliger deutscher Spion. Von 1965 bis 1990 war er inoffizieller Mitarbeiter (IM) der Hauptverwaltung A (HV A) des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS) der Deutschen Demokratischen Republik (DDR).

Leben

Möller, aufgewachsen in einer Fabrikantenfamilie, studierte Volkswirtschaftslehre an der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg. Von 1965 bis 1969 war er Referent für den Iran am Deutschen Orient-Institut in Hamburg. Ab 1970 war er in der Bundesstelle für Entwicklungshilfe (BfE), später im Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung tätig, zuletzt als Regierungsdirektor. Zeitweise war er an das Auswärtige Amt abgeordnet und als Pressereferent an die Deutsche Botschaft Bagdad entsandt. Er war im Nah- und Mittelost-Verein und in der Deutsch-Iranischen Außenhandelskammer, hatte Interesse und Kenntnisse über den Nahen und Mittleren Osten und spricht einige europäische sowie zwei orientalische Sprachen.

1965 wurde Möller von der HV A des MfS der DDR angeworben. Sein späterer Führungsoffizier Wolfgang Hartmann (1929–2009) kam mit ihm kurz vor Ende seines Studiums in Verbindung. Hartmann, der sich als Wolfgang Salzmann ausgab, behauptete, Studenten für eine Nebentätigkeit zu suchen, um eine Umfrage für eine Untersuchung zum Thema Motive der Jura- und Volkswirtschaftsstudenten für die Wahl ihres Studienfachs durchzuführen. Da sich Möller aus Sicht von Hartmann als Antikommunist herausstellte, entschied die HV A, ihn unter falscher Flagge anzuwerben. Demnach sollte Möller nicht für das MfS, sondern für die fiktive Interessengemeinschaft Ostarbeit tätig werden, der Legende nach eine informelle Lobbyorganisation, die von deutschen Großkonzernen finanziert wurde. Möller vermutete später, Hartmann sei ein enger Mitarbeiter von Otto Wolff von Amerongen, Vorsitzender des Deutschen Industrie- und Handelstages und des Ost-Ausschusses der Deutschen Wirtschaft. Wolfgang Salzmann und Möller verbrachten in den 1980er Jahren mit Möllers Ehefrau einen gemeinsamen Urlaub auf Formentera.

Möller lieferte unter anderem Studien zum Grenzverlauf zwischen dem Iran und dem Irak, der inneren Entwicklung im Iran, aber auch zur Erdölförderung der Sowjetunion, um die Legende zu wahren. Möller alias IM Weber wurde, wie auch Knut Gröndahl und Karl-Heinz Rode, vom Referat 5 unter Leitung von Major Jörg Villain der Abteilung I (Regierung) der HV A geführt.

Möller wurde nach einem Hinweis des Mitarbeiters der HV A Werner Roitzsch enttarnt und im November 1990 wegen des Verdachts der geheimdienstlichen Agententätigkeit verhaftet. 1994 wurde er wegen Bestechlichkeit verurteilt, weil ihm nicht nachgewiesen konnte, dass er die Legende der HV A durchschaut hatte.[1][2][3][4][5]

Siehe auch

Literatur

Einzelnachweise

  1. Helmut Müller-Enbergs: Inoffizielle Mitarbeiter des Ministeriums für Staatssicherheit Teil 2: Anleitungen für die Arbeit mit Agenten, Kundschaftern und Spionen in der Bundesrepublik Deutschland (= Abteilung Bildung und Forschung [Hrsg.]: Analysen und Dokumente: Wissenschaftliche Reihe des Bundesbeauftragten für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen Deutschen Demokratischen Republik. Band 10). 3. durchgesehene Auflage. Ch. Links, Berlin 1998, ISBN 978-3-86153-145-6, S. 113 (Fn. 460), 201 (PDF).
  2. Erich Schmidt-Eenboom: Der Schattenkrieger: Klaus Kinkel und der BND. Econ Verlag, Düsseldorf 1995, ISBN 978-3-430-18014-6, S. 83 f. (PDF).
  3. Friedrich-Wilhelm Schlomann: Die Maulwürfe: die Stasi-Helfer im Westen sind immer noch unter uns. aktualisierte Auflage. Frankfurt am Main und Berlin, Ullstein 1994, ISBN 978-3-548-33176-8, S. 129 f.
  4. Rita Klein: Ahnungslos zum Stasi-Spion. In: General-Anzeiger. 14. April 1994.
  5. Rita Klein: Spion wider Willen wurde verurteilt. In: General-Anzeiger. 22. April 1994.