Horst-Günter Schneider
Horst-Günter Schneider (* 11. Dezember 1928 in Ostpreußen)[1] ist deutscher ehemaliger Handballschiedsrichter. Er zählt zu den prägenden Schiedsrichtern der deutschen und internationalen Handballgeschichte und leitete unter anderem das Finale der Handball-Weltmeisterschaft der Männer 1964.[1] Für seine langjährige Arbeit im Handball wurde er 1992 mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande ausgezeichnet.[1]
Leben
1946 kam Schneider nach Lübeck, absolvierte zunächst eine Ausbildung zum Maurer und arbeitete später als Justizamtsrat[1] bei der Staatsanwaltschaft Lübeck.[2] Beim LBV Phönix spielte er Feld- und Hallenhandball und war ab 1955 unter anderem beim PSV Eutin auch als Spieler-Trainer aktiv.[1]
Karriere als Schiedsrichter
Insgesamt pfiff Schneider rund 3500 Spiele, davon etwa 900 Partien in der obersten Leistungsstufe. Seine aktive Schiedsrichterlaufbahn dauerte 25 Jahre.[1]
Bedeutende Einsätze
1961 leitete Schneider das Endspiel um die deutsche Feldhandball-Meisterschaft in Oberhausen vor rund 33.000 Zuschauern. Während seiner Karriere kam es mehrfach vor, dass er nach turbulenten Spielverläufen unter Polizeischutz vom Spielfeld geführt werden musste, unter anderem nach der vielbeachteten Hinausstellung des Gummersbacher Nationalspielers Hansi Schmidt.[1]
Sein erstes Hallen-Länderspiel leitete Schneider 1961 in Aarhus.[1]
Bei der Hallen-Handball-Weltmeisterschaft 1964 in der Tschechoslowakei war Schneider erstmals bei einem internationalen Turnier im Einsatz. Trotz nur fünf Länderspieleinsätzen zuvor wurde er für fünf WM-Partien nominiert und erhielt schließlich den Auftrag für das Finale zwischen Schweden und Rumänien vor 18.000 Zuschauern in Prag (22:25).[1] In zeitgenössischen Bewertungen wurde er als „bester Schiedsrichter der Meisterschaft“[1] bezeichnet. „Schneider (Lübeck) pfiff in absoluter Endspielform“, lobte zudem die Deutsche Handballwoche.
Bei den Weltmeisterschaften 1967 und 1970 kam Schneider erneut zum Einsatz, unter anderem im Spiel um Platz drei. 1970 wurde erstmals das Modell mit zwei Hauptschiedsrichtern eingeführt, das Schneider zuvor gemeinsam mit Hans Rosmanith vorgestellt hatte.[1]
Regelinnovationen
Während der WM 1967 ließ Schneider nach einem absichtlich ins Publikum geworfenen Ball die verlorene Zeit nachspielen. Diese Entscheidung gilt als Ursprung des modernen Timeouts im Handball.[1]
Auch an der später international etablierten Zweischiedsrichter-Regel (1970) war Schneider maßgeblich beteiligt.[1]
Rückzug und spätere Tätigkeiten
Auf die Nominierung für die Olympischen Spiele 1972 musste Schneider wegen Rückenproblemen verzichten. Kurz darauf beendete er seine aktive Schiedsrichtertätigkeit. Dem Handball blieb er jedoch als Regelreferent, Lehrwart und Prüfer für Schiedsrichterlizenzen erhalten. Viele spätere Schiedsrichter legten bei ihm ihre Prüfung ab.[3]
Schneider gilt bis heute als prägende Figur des Lübecker Handballs und ist regelmäßiger Besucher der Spiele des VfL Lübeck-Schwartau.[1] Zudem ist er Ehrenmitglied des Handballverbands Schleswig-Holstein.[4]
Einzelnachweise
- ↑ a b c d e f g h i j k l m n Lübecker Nachrichten: Ein Handball-Leben mit Pfiff. 10. Dezember 2018, abgerufen am 11. Dezember 2025.
- ↑ Eine Entscheidung mit Pfiff, Zebra-Journal, Kieler Nachrichten, 7. Juni 2024, abgerufen am 11. Dezember 2025
- ↑ Lübecker Nachrichten: Ein Handball-Leben mit Pfiff. 10. Dezember 2018, abgerufen am 11. Dezember 2025.
- ↑ Handballverband Schleswig-Holstein: Ehrenmitglieder. Abgerufen am 11. Dezember 2025.