Homayoun Ershadi
Homayoun Ershadi (persisch همایون ارشادی; * 26. März 1947 in Isfahan; † 11. November 2025[1]) war ein iranischer Schauspieler und Architekt.
Leben
Homayoun Ershadi wurde in Isfahan, einer sehr alten Stadt im Zentrum des Irans, geboren. Sein Vater war für die Streitkräfte des Iran tätig. Er absolvierte zunächst den verpflichtenden zweijährigen Militärdienst.[2] Im Jahr 1970 schloss er sein Studium der Architektur an der Università Ca' Foscari di Venezia ab.[2][3] Anschließend arbeitete er als Architekt im Iran. Nach der Iranischen Revolution 1979 zog er nach Kanada, ließ sich mit seiner Frau in Vancouver nieder und arbeitete dort weiter in seinem Beruf. Anfang der 1990er Jahre trennte er sich von seiner Frau und kehrte nach Teheran zurück.
Bei einer Autofahrt durch Teheran stoppte er etwas länger an einer roten Ampel, wo der oft mit Laiendarstellern arbeitende Regisseur Abbas Kiarostami an seine Scheibe klopfte und ihm eine Rolle in seinem nächsten Film Der Geschmack der Kirsche anbot.[3] Ershadi stimmte sofort zu und übernahm im Film die Hauptrolle des Herr Badii, der mit dem Auto durch Teheran fährt und einen Helfer für seinen geplanten Suizid sucht. Der Film hatte seine Uraufführung im Mai 1997 bei den Internationalen Filmfestspielen von Cannes, wo er als erster iranischer Film mit der Goldenen Palme, dem Hauptpreis des Festivals, ausgezeichnet wurde. Im Jahr 2012 wählten mehrere Kritiker und Regisseure ihn in der Umfrage „Sight & Sound“ des British Film Institute zu einem der besten Filme aller Zeiten.[4]
Nach mehreren Rollen in iranischen Filmen übernahm er 2007 in Marc Forsters Literaturverfilmung Drachenläufer die Rolle des Baba. 2012 trat Ershadi in Kathryn Bigelows Action-Thriller Zero Dark Thirty in der Rolle des Hassan Ghul auf. Sein Schaffen umfasst mehr als 90 Film- und Fernsehproduktionen.
Ershadi betrieb in späteren Jahren zusammen mit seiner Schwester und seinem Bruder eine Kunstgalerie in Teheran. Er kehrte oft nach Kanada zurück, um seine beiden Kinder und seine Enkelkinder zu sehen. Er starb im Alter von 77 Jahren an den Folgen einer Krebserkrankung.[4]
Filmografie (Auswahl)
- 1996: Kakadu
- 1997: Der Geschmack der Kirsche (Ta'm-e gīlās)
- 1998: Derakht-e golabi
- 2001: Danza con los sueños
- 2002: Mozahem
- 2003: Jayi digar
- 2003: Die fünfte Reaktion (Vakonesh panjom)
- 2005: Roya-ye khis
- 2005: Sima-ye zani dar doordast
- 2006: Az dourdast
- 2006: Parvandeh-ye Havana
- 2006: Color of Friend
- 2007: Drachenläufer (The Kite Runner)
- 2009: Agora – Die Säulen des Himmels (Agora)
- 2010: Aal
- 2011: Eine iranische Frau (Aynehaye rooberoo)
- 2011: Yeki az ma do nafar
- 2012: The Queen
- 2012: Yek Satr Vagheiat
- 2012: Ye Asheghane-ye Sadeh
- 2012: Narenji Poush
- 2012: Check
- 2012: The Sinners
- 2012: Zero Dark Thirty
- 2012: Eternal
- 2013: Che khoobe ke bargashti
- 2013: One, Two, Three, Five
- 2014: A Most Wanted Man
- 2014: Nakhasteh
- 2014: Panj Setareh
- 2014: Ashbah
- 2014: Be Tehran Khoosh Amadid
- 2015: The Sea and the Flying Fish
- 2015: Utopia
- 2015: Chaharshanbe Khoon Be Pa Mishavad
- 2016: Ali and Nino
- 2016: The Last Inhabitant
- 2016: Aspirin (Miniserie, 6 Episoden)
- 2016: Mohey
- 2016: Ma hameh gonahkarim
- 2017: Italy Italy
- 2017: Enzeva
- 2017: Dead End of Trust
- 2017: Lina
- 2017: Waiting for Kiarostami
- 2018: Sarv Zire Ab
- 2018: Khargioush
- 2018: Hattrick
- 2019–2020: Mankan (Fernsehserie, 22 Episoden)
- 2020: No Choice
Weblinks
- Homayoun Ershadi bei IMDb
- From Architecture to Afghanistan: Homayoun Ershadi on ‘The Kite Runner’ ( vom 14. Dezember 2007 im Internet Archive) – Interview (englisch, 2007)
Einzelnachweise
- ↑ Iranian actor Ershadi dies at 78 after battle with cancer. In: alarabiya.net. 11. November 2025, abgerufen am 11. November 2025 (englisch).
- ↑ a b voices.yahoo.com: AC Interview: Homayoun Ershadi Talks About The Kite Runner ( vom 29. Juli 2014 im Internet Archive) (englisch).
- ↑ a b Homayoun Ershadi’s strange trip to stardom bei Minnesota Public Radio, 21. Dezember 2007.
- ↑ a b Alex Traub: Homayoun Ershadi, 78, Dies; ‘Kite Runner’ and ‘Taste of Cherry’ Star auf nytimes.com vom 16. November 2025 (englisch)