Hollenkamp (Leipzig)
Hollenkamp war der Name eines über 60 Jahre bestandenen Kaufhauses für Herrenbekleidung in der Innenstadt von Leipzig.
Lage und Gestalt
Das Kaufhaus Hollenkamp war das Eckhaus an der Einmündung der Reichsstraße (Nr. 47) in den Brühl (Nr. 32) und damit an diesen belebten Straßen kundengünstig gelegen.
Es war ein viergeschossiges Gebäude in Stahlbetonskelettbauweise im Stil des Historismus mit dem Eingang an der gebrochenen Ecke. Das Erdgeschoss und die ersten beiden Etagen waren schmucklos mit auffallend großen Fenstern. Die dritte, leicht zurückgesetzte Etage wies schmale, durch Säulen getrennte Rundbogenfenster auf. Das Dach trug vier Zwerchhäuser und nach der Reichsstraße wegen der etwas längeren Front ein kleineres fünftes. Die Ecke wurde durch einen quadratischen Turm mit Haube und Laterne betont, dessen Höhe etwa drei Viertel der Fassadenhöhe betrug.
Im Erdgeschoss wurde fertige Herrenkonfektion angeboten, aber auch Hüte, Wäsche, Krawatten, Schirme usw. Die erste Etage enthielt Knaben- und Kindergarderobe sowie die Räume für Bestellungen nach Maß. Die übrigen Etagen waren für Arbeitsräume und Lager vorgesehen. Im Keller befanden sich die Technik für Heizung und Beleuchtung sowie Packräume.[1]
Geschichte
Am 18. Januar 1800 gründeten Heinrich Arnold Hollenkamp (1860–1925) und sein Kompagnon Peter Maria Theodor Hubert Endepols die Firma H. Hollenkamp & Co., welche ins Handelsregister eingetragen wurde.[1] Hollenkamp stammte aus Rüssel, einem Ortsteil der Gemeinde Ankum im Landkreis Osnabrück. Er verbrachte seine Jugend in den Niederlanden und Belgien, wo er auch einen Teil seiner Ausbildung erhielt. Seine Karriere in der Modebranche begann 1875 als Verkäufer in einem Handschuhgeschäft in Amsterdam. Nach weiteren Anstellungen in Antwerpen und Brüssel eröffnete er 1887 sein erstes Bekleidungsgeschäft in Amsterdam, in dem er auch produzierte und das er mehrfach erweiterte und verlegte. 1897 erhielt er die niederländische Staatsbürgerschaft.
Die im Januar 1899 in Leipzig gegründete Firma nahm bereits im Mai des gleichen Jahres im oben beschriebenen Gebäude ihren Betrieb auf. Dieses wurde nach Plänen des Leipziger Architekten Leopold Stentzler speziell für die Firma Hollenkamp & Co errichtet. Dafür war ein erst im zweiten Viertel des 19. Jahrhunderts errichtetes fünfgeschossiges Geschäftshaus abgerissen worden, das wegen des Mieters Adolf Heinrich Schletter auch Schletterhaus genannt wurde.[2] Wegen des günstigen Geschäftsverlaufs wurde auf dem Nachbargrundstück Brühl 28–30 wiederum nach Plänen Stentzlers ein neues Geschäftshaus errichtet, in welches sich die Firma Hollenkamp teilweise einmietete und es 1912 als Eigentum übernahm.[3]
Im Zweiten Weltkrieg wurden die beiden Häuser zerstört.[4] Bereits kurz nach dem Krieg wurden das Erdgeschoss von Hollenkamp wieder genutzt und später die oberen Teile der Ruine beseitigt.[5]
Ab Mitte der 1960er Jahre wurde der Sachsenplatz konzipiert, für den Hollenkamp weichen musste. An dessen Stelle entstand 1969 der Informationspavillon Leipzig-Information. Die Firma Hollenkamp mietete sich 1968 in der Lützner Straße 45/47 in Leipzig-Lindenau im ehemaligen Kaufhaus der Gebrüder Held ein, bis sie in den 1970er Jahren von der HO mit einer An- und Verkaufsstelle abgelöst wurde.[6]
2004 wurde auf dem ehemaligen Sachsenplatz der Neubau des Museums der bildenden Künste Leipzig eröffnet, der später von vier Winkelbauten, dem Museumsquartier, umgeben wurde. Der nordöstliche Winkel beinhaltet den ehemaligen Standort des Kaufhauses Hollenkamp.
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Vorgängerbau, Schletterhaus (vor 1899)
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Anbau von 1907
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1. Folgebau, Leipzig-Information (1969)
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2. Folgebau, Hotel „Ibis“ (2022)
Literatur
- Vom Modekarree zum Museumsquartier. In: Sebastian Ringel: Zeitreise Leipzig. Wandel einer Großstadt über Jahrhunderte. Passage-Verlag, Leipzig 2025, ISBN 978-3-95415-153-0. S. 38–39
Weblinks
- Heinrich Arnold Hollenkamp. In: WikiTree.
Einzelnachweise
- ↑ a b Heinrich Arnold Hollenkamp. In: WikiTree. Abgerufen am 4. Januar 2026 (siehe Abschnitt: 1899 Store Opening in Leipzig.).
- ↑ Sebastian Ringel, S. 34
- ↑ Historische Adressbücher Leipzig
- ↑ Bild der Ruine. In: Stadtgeschichtliches Museum Leipzig. Abgerufen am 7. Januar 2026.
- ↑ Nutzung des Erdgeschosses. In: Stadtgeschichtliches Museum Leipzig. Abgerufen am 7. Januar 2026.
- ↑ Lützner Straße 45-47 Hollenkamp. In: Lindenauer Häuserliste. Abgerufen am 7. Januar 2026.
Koordinaten: 51° 20′ 34,5″ N, 12° 22′ 34,7″ O