Holgers Waschsalon
Holgers Waschsalon[1] war eine Unterhaltungsshow des Hessischen Rundfunks (HR), die von 1991 bis 1995 ausgestrahlt wurde.[2][3][4] Moderiert von Holger Weinert, verband die Sendung einen thematischen Prominententalk mit einem fiktiven Waschsalon als Kulisse. Die Show wurde überregional auch vom NDR, SFB und Radio Bremen übernommen.
Inhalt und Konzept
Die Sendung spielte in einem imaginären Waschsalon, in dem Holger Weinert mit prominenten Gästen Gespräche führte. Die Mischung aus politisch-provokantem und unterhaltsamem Talk, ergänzt durch Klatsch, Musik und spontane Einlagen, machte die Show zu einem beliebten Format der frühen 1990er-Jahre im dritten Fernsehprogramm der ARD. Charakteristisch war die lockere, manchmal freche Gesprächsführung von Weinert. Die Sendung trug mit ihrer unkonventionellen Atmosphäre einen gewissen Kultstatus.
Moderator Holger Weinert
Holger Weinert war von 1991 bis 1995 Gastgeber von "Holgers Waschsalon". Nach eigenen Angaben war die Sendung seine bekannteste Moderation, mit der er einem breiten Publikum bekannt wurde. Weinert zeichnete sich durch seinen plaudernden und gewinnenden Moderationsstil aus, der dem damaligen Zeitgeist entsprach.
Produktion und Ausstrahlung
Produziert wurde die Livesendung vom Hessischen Rundfunk. Insgesamt entstanden 46 Folgen, die auch von anderen ARD-Dritten Programmen wie NDR, SFB und Radio Bremen ausgestrahlt wurden, was der Show überregionale Bekanntheit verlieh. Die Sendungen wurden live gesendet, was den spontanen Charakter der Sendung unterstrich.
Peter Reichelt als Producer
Peter Reichelt war 1991 und 1992 verantwortlicher Producer und Redakteur der Sendung. Er leitete redaktionell die Planung und Ausführung und war teilweise auch für die Auswahl von Themen und Gästen zuständig. Daneben war Peter Reichelt Producer und Redakteur der HR-Talkshow "Zeil um Zehn". Reichelt spielte zudem eine wichtige Rolle als Whistleblower im Hessischen Rundfunk, indem er Ende 1991 einen Finanzskandal in der Unterhaltungsabteilung aufdeckte, der 1993 zum Rücktritt des damaligen HR-Intendanten Hartwig Kelm führte.[5][6]
Kampagne „Ausländerhaß — nicht mit uns!“ (1991)
Die Medienkampagne „Ausländerhaß — nicht mit uns!“ wurde 1991 vom Hessischen Rundfunk initiiert. Ihren Ursprung hatte sie in der Live-Sendung "Holgers Waschsalon" vom 23. Oktober 1991[7], die von Peter Reichelt produziert wurde. In der Sendung war die designierte Bundesausländerbeauftragte Cornelia Schmalz-Jacobsen bei Moderator Holger Weinert zu Gast. Dabei wurde der geringe Etat thematisiert, der ihr für Maßnahmen gegen Ausländerfeindlichkeit zur Verfügung stand. Die Redaktion entwickelte daraufhin das Konzept, Werbeagenturen zur Unterstützung einer öffentlichen Kampagne anzufragen.
Innerhalb weniger Tage stellten vier Frankfurter Agenturen – Young & Rubicam, Ogilvy & Mather, Saatchi & Saatchi sowie Leipziger & Partner – unentgeltlich vollständige Materialpakete bereit, darunter Fernsehspots, Plakatmotive und Vorlagen für Printmedien. Eine vom HR eingesetzte Jury wählte mehrere Entwürfe aus, die anschließend produziert und in den Dritten Programmen sowie später in der ARD ausgestrahlt wurden.
Zu den verbreiteten Motiven zählten ein Fernsehspot mit einer Weltkugel und dem Schriftzug „Ausländer raus“, der den Hinweis enthielt, dass Deutsche in vielen Ländern selbst Ausländer sind, sowie Plakatserien, die auf stillschweigende Zustimmung bei rassistischen Übergriffen aufmerksam machten.
Die Kampagne erhielt bundesweite Unterstützung durch Medienunternehmen, Druckereien und Kommunen, die Anzeigen- und Plakatflächen kostenfrei zur Verfügung stellten. Damit entwickelte sie sich zu einer überregional verbreiteten Öffentlichkeitsaktion gegen Ausländerfeindlichkeit, deren Entstehungsimpuls maßgeblich aus der Redaktion von "Holgers Waschsalon" hervorging.
Rezeption und Bedeutung
"Holgers Waschsalon" gilt als ein typisches Beispiel für politische und gesellschaftliche Unterhaltung im öffentlich-rechtlichen Fernsehen der frühen 1990er-Jahre. Die Sendung wurde für ihre unkonventionelle Mischung aus Alltagsszenario und Prominententalk geschätzt und erreichte eine beachtliche Zuschauerzahl. Bekanntheit erlangte auch Lotti Huber, die als Gastauftritt regelmäßig in der Sendung zu sehen war.
Einzelnachweise
- ↑ Peter Reichelt: 23.10.1991 - "Holgers Waschsalon" Live - „Ausländerhaß — nicht mit uns“ - Producer Peter Reichelt. 1. Dezember 2025, abgerufen am 2. Dezember 2025.
- ↑ Peter Reichelt: 11.9.1991 - Holgers Waschsalon - Die HR-Liveshow mit Ingrid van Bergen, Reiner Pfeiffer u. Möllemann. 22. November 2025, abgerufen am 23. November 2025.
- ↑ Peter Alexander Reichelt: "Holgers Waschsalon" - 25.9.1991 - TV-Liveshow im HR3/ARD - von Producer Peter Reichelt - 12. Show. 17. Oktober 2025, abgerufen am 17. Oktober 2025.
- ↑ Peter Alexander Reichelt: "Holgers Waschsalon"-11.9.1991 - Die HR3 11. Liveshow -Gast Rainer Pfeiffer - Producer Peter Reichelt. 17. Oktober 2025, abgerufen am 18. Oktober 2025.
- ↑ Kräftig abgemolken. In: Der Spiegel. 24. Mai 1992, ISSN 2195-1349 (spiegel.de [abgerufen am 17. Oktober 2025]).
- ↑ Gala-Abgang für Hartwig Kelm. In: Die Tageszeitung: taz. 21. Dezember 1992, ISSN 0931-9085 (taz.de [abgerufen am 17. Oktober 2025]).
- ↑ Peter Reichelt: 23.10.1991 - "Holgers Waschsalon" Live - „Ausländerhaß — nicht mit uns“ - Producer Peter Reichelt. 1. Dezember 2025, abgerufen am 2. Dezember 2025.