Holger Poppenhäger

Holger Poppenhäger (* 3. April 1957 in Kassel; † 13. Oktober 2025) war ein deutscher Jurist und Politiker (SPD). Er war von 2009 bis 2014 Thüringer Justizminister im Kabinett Lieberknecht und von 2014 bis 2017 Thüringer Minister für Inneres und Kommunales im Kabinett Ramelow I. Von 2018 bis zu seinem Tod war er Präsident des Thüringer Landesamtes für Statistik.

Werdegang

Poppenhäger studierte von 1976 bis 1984 Rechtswissenschaften an der Justus-Liebig-Universität Gießen, wo er im Dezember 1980 Vorsitzender des Allgemeinen Studentenausschusses wurde. Nach dem ersten Staatsexamen im November 1984 absolvierte er von 1985 bis 1987 sein Referendariat in Frankfurt am Main und Gießen und im März 1988 das zweite juristische Staatsexamen. Von Mai 1988 bis Februar 1989 arbeitete er als Verwaltungsjurist im Regierungspräsidium Gießen, anschließend von 1989 bis 1994 im Statistischen Bundesamt in Wiesbaden, zuletzt ab 1992 als Referatsleiter in der Gruppe „Statistikrelevante Rechtsangelegenheiten“. 1994 wurde er von der Universität Gießen mit summa cum laude zum Doktor der Rechtswissenschaften promoviert; der Titel seiner Dissertation lautete Die Übermittlung und Veröffentlichung statistischer Daten im Lichte des Rechts auf informationelle Selbstbestimmung.

Ab 1994 war er als höherer Verwaltungsbeamter für den Thüringer Landtag tätig. Daneben hatte er 2002/2003 einen Lehrauftrag an der Staatswissenschaftlichen Fakultät der Universität Erfurt inne. Vom 4. November 2009 bis zum 5. Dezember 2014 war er im Kabinett Lieberknecht Thüringer Justizminister. Ab dem 5. Dezember 2014 war Poppenhäger Thüringer Minister für Inneres und Kommunales im Kabinett Ramelow I. Als Innenminister war Poppenhäger maßgeblich verantwortlich für die Gebietsreform in Thüringen, eines der zentralen Projekte der rot-rot-grünen Koalition. Nach Verzögerungen in der Reform, die von 2018 auf 2021 verschoben worden war, wurde Poppenhäger auf Betreiben des SPD-Landesvorsitzenden Andreas Bausewein am 30. August 2017 als Minister entlassen; unmittelbar danach wurde Georg Maier zu seinem Nachfolger ernannt.[1][2]

Poppenhäger war von 2006 bis 2012 SPD-Kreisvorsitzender in Erfurt, war Mitglied des Forums Demokratische Linke 21. Von 2009 bis 2014 und von 2020 bis 2024 war er Mitglied des Stadtrats von Erfurt. Eine Kandidatur bei der Europawahl 2009 scheiterte. 2010 bis 2015 gehörte er dem Ausschuss der Regionen der Europäischen Union an.[3] Bei der Landtagswahl in Thüringen 2014 kandidierte im Wahlkreis Unstrut-Hainich-Kreis I und auf Platz 20 der SPD-Landesliste, verfehlte jedoch ein Mandat.[4]

Am 28. November 2017 wurde er vom Kabinett mit Wirkung zum 1. Mai 2018 zum Präsidenten des Thüringer Landesamtes für Statistik bestellt. Der Thüringer CDU-Generalsekretär Raymond Walk kritisierte dies im Zusammenhang mit Poppenhägers Entlassung als Versorgung mit Posten.[5] Der Wechsel Poppenhägers in das Amt des Präsidenten des Thüringer Landesamts für Statistik erfolgte indessen nicht zeitgleich mit der Ernennung zum Thüringer Landeswahlleiter. Erst mit Beschluss der Landesregierung vom 14. Dezember 2021 wurde Poppenhäger mit Wirkung vom 1. Januar 2022 zum Landeswahlleiter ernannt.[6] Zuvor war er ab Februar 2021 stellvertretender Landeswahlleiter.[7]

Poppenhäger war ab dem Jahr 2010 Vorsitzender des gemeinnützigen Vereins Theater Waidspeicher e. V. in Erfurt.[8]

Poppenhäger starb im Oktober 2025 unerwartet im Alter von 68 Jahren.[9]

Familie

Holger Poppenhäger lebte seit 1995 in Erfurt, war evangelisch und hatte eine Tochter.

Publikationen

  • mit Manfred Baldus, Joachim Linck, Joachim Lindner, Matthias Ruffert (Hrsg.): Die Verfassung des Freistaats Thüringen. Handkommentar, Nomos, Baden-Baden 2013, ISBN 978-3-8329-7245-5.
  • Informationelle Gewaltenteilung, Zulässigkeit und Grenzen der Nutzung personenbezogener Daten für statistische Zwecke und Zwecke des Verwaltungsvollzugs, Neue Zeitschrift für Verwaltungsrecht 1992, 149.
  • Zur Regelungstiefe statistischer Rechtsgrundlagen, Neue Zeitschrift für Verwaltungsrecht 1992, 241.
  • Die Feststellung der amtlichen Bevölkerungszahl der Gemeinden – zur Feststellungsbefugnis der statistischen Ämter durch Bescheid, Neue Zeitschrift für Verwaltungsrecht 1993, 444.
  • Die Übermittlung und Veröffentlichung statistischer Daten im Lichte des Rechts auf informationelle Selbstbestimmung, Dissertation, Berlin 1995.
  • Bereichsspezifischer Datenschutz und statistische Geheimhaltung bei der Gebäude- und Wohnungszählung 1995, Landes- und Kommunalverwaltung 1995, 313.
  • Erläuterungen zum Gesetz über die Statistik für Bundeszwecke, in: Das deutsche Bundesrecht, Stand: 761. Lieferung Juli 1996, VIII Z 10, S. 15.
  • Datenschutz von A–Z, Stichworte Mikrozensus, Statistikgeheimnis und Volkszählung, in: Bäumler / Breinlinger / Schrader (Hrsg.), Neuwied 1999.
  • Parlamentarisches Fragerecht und Verantwortlichkeit der Landesregierung in Thüringen, Teil I, Thüringer Verwaltungsblätter 2000, 121.
  • Parlamentarisches Fragerecht und Verantwortlichkeit der Landesregierung in Thüringen, Teil II: Die Problematik der natürlichen und juristischen Personen des Privatrechts, Thüringer Verwaltungsblätter 2000, 152.
  • gemeinsam mit Dr. Hans Walter Sebastian Dette: Der Thüringer Landtag, Aufgaben und Arbeitsweise, in: Thüringer Landtag (Hrsg.), September 2000.
  • Rezension: Roland Johne, Die deutschen Landtage im Entscheidungsprozess der Europäischen Union, Zeitschrift für Gesetzgebung 2002, 393.
  • Datenschutz in der amtlichen Statistik, in: Roßnagel (Hrsg.), Handbuch Datenschutzrecht, München 2003.
  • Rezension: Müller-Terpitz, Bundesrat und Europäische Union, Zeitschrift für Gesetzgebung 2003, 94.
  • Die Parlamentarische Kontrolle des Verfassungsschutzes in Thüringen, Thüringer Verwaltungsblätter 2004, 1.
  • Ein Plädoyer für den Ankauf weiterer Steuer-CDs, Deutsche Richterzeitung 2013, 240.
  • Der Ausschuss der Regionen: Visionen für das europäische Mehrebenensystem, Fachzeitschrift Der Landkreis, Heft 4/2014.
  • Égalité: Das Thüringer Gesetz zur Einführung der paritätischen Quotierung ist verfassungswidrig, Thüringer Verwaltungsblätter 3/2021.
  • Der Zensus 2022 in Thüringen, Thüringer Verwaltungsblätter 1/2022.
  • gemeinsam mit Dr. Thomas Gößl: Rezension: Das Bundesstatistikgesetz als Grundgesetz der amtlichen Statistik – Kommentierung von Jürgen Kühling, C.H.Beck 2023, Neue Zeitschrift für Verwaltungsrecht 03/2024.
  • Rezension: Paritätische Aufstellung von Kandidaten für Bundestagswahlen – eine verfassungsrechtliche Untersuchung; Valentin Martin Heimerl, Thüringer Verwaltungsblätter 3/2024.
Commons: Holger Poppenhäger – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise

  1. Entlassung von Poppenhäger – Protokoll einer Demontage. Thüringer Allgemeine, 31. August 2017, abgerufen am 31. August 2017.
  2. Holger Poppenhäger: Thüringens Innenminister muss wegen Gebietsreform gehen. In: zeit.de. 30. August 2017, abgerufen am 31. August 2017.
  3. Liste der Mitglieder der deutschen Delegation im Ausschuss der Regionen (Memento vom 16. Juli 2011 im Internet Archive)
  4. Wahlkreis Unstrut-Hainich-Kreis I beim Landeswahlleiter Thüringen.
  5. Ehemaliger Innenminister Poppenhäger soll Landesamt für Statistik leiten. In: mdr.de. 28. November 2017, abgerufen am 29. November 2017.
  6. Holger Poppenhäger. In: Thüringer Staatsanzeiger (ThürStAnz). Nr. 1, 2022, S. 3.
  7. Holger Poppenhäger. In: Thüringer Staatsanzeiger (ThürStAnz). Nr. 13, 2021, S. 603.
  8. Rechtsträger und Förderung. 2023, abgerufen am 22. April 2023.
  9. Fabian Klaus: Holger Poppenhäger: Ein Mann der leisen Töne und klaren Prinzipien. In: thueringer-allgemeine.de. 14. Oktober 2025, abgerufen am 14. Oktober 2025.