Hofegänger

Hofegänger (auch Hofgänger) waren Gutstagelöhner, die vor allem auf den großen Gütern in Nord- und Ostdeutschland zu finden waren, besonders im 19. Jahrhundert.

Auf den Gütern gab es Inste, die mit ihrer Familie auf einem Hof arbeiteten und Knechte hatten, die Hofgänger (oder Scharknechte). Sie standen in einem herrschaftlichen Verhältnis zum Gutsherrn, waren aber keine Lohnarbeiter, denn sie waren am Ertrag des Bodens beteiligt, bekamen aber keinen festgelegten Lohn für ihre Arbeit.

Nach Erzählungen war die Überlassung der Wohnung in einem Tagelöhnerkaten eines Gutes durch den Gutsherren daran gebunden, dass mindestens zwei männliche Arbeitskräfte aus dem Haushalt Dienst am Hofe taten. Hatte eine Familie aber nur den Mann (neben der Frau und den Töchtern bzw. schon ausgezogenen Söhnen) und keinen Sohn im Haushalt, musste die Familie einen arbeitsfähigen Jungen aus einer anderen Familie im Haushalt aufnehmen. Er musste auf Kosten der Familie untergebracht und verköstigt werden und ging dann mit dem Mann des Haushaltes zur Arbeit auf den Gutshof, daher Hofgänger - bezogen auf die Verköstigungspflicht möglicherweise auch Kostgänger genannt.

Siehe auch: Erläuterungen über Hofgänger, Scharknechte und Instleute

Literatur

  • Oswald Menzel: Hofegänger, hrsg. von Horst Knobloch. Norderstedt: Books on Demand 2011. ISBN 978-3-8448-6203-4
  • Horst Knobloch: Waltersdorf. Heute Nielestno. Chronik von Horst Knobloch. Beverstedt: Eigenverlag 2013.
  • Horst Knobloch: Waltersdorf. Dziś Nielestno. Kronika Horsta Knoblocha. Aus dem Deutschen von Izabela Taraszczuk. Beverstedt: Eigenverlag 2013.
  • Hofgängerleben in Mecklenburg: Selbsterlebtes und Selbsterschautes von einem Berliner Arbeitslosen, Glocke, Berlin 1896 (Digitalisat)