Hochverarbeitete Lebensmittel

Als hochverarbeitete Lebensmittel (englisch Ultra-processed food, Highly-processed food, UPF) werden industriell hergestellte Lebensmittel bezeichnet, die lange haltbar, schmackhaft, sofort verzehrfertig und bequem zu essen sein sollen. Diese Lebensmittel sind für die Hersteller besonders profitabel, da sie sich automatisiert aus haltbaren Zutaten mit definierten Eigenschaften herstellen lassen. Hochverarbeitete Lebensmittel enthalten oft viele Zutaten, die von einem typischen Verbraucher nicht als Lebensmittel identifiziert würden und auch nicht einzeln verkauft werden.[1]

Definition und Verbreitung

Der Begriff hochverarbeitete Lebensmittel (highly- bzw. ultra-processed foods) ist nicht eindeutig definiert.[2]

Zu den hochverarbeiteten Lebensmitteln zählen die meisten als Fast Food, Junkfood und Convenience Food bezeichneten Produkte sowie die als Snacks gegessenen Knabberartikel, Müsliriegel und Süßwaren.

Der Verzehr hochverarbeiteter Lebensmittel ist zwischen verschiedenen industrialisierten Ländern trotz vergleichbarem Bruttosozialprodukt sehr unterschiedlich. In einer 2021 veröffentlichten Studie wurde der Verzehr von hochverarbeiteten Lebensmitteln in 22 europäischen Ländern untersucht. Durchschnittlich lag der UPF-Anteil an der Energiezufuhr bei 27 %. Am geringsten war dieser Wert in Portugal, Rumänien und Italien mit unter 14 %, während Schweden mit etwa 44 % sowie Großbritannien (ebenso wie die USA) mit über 50 % die Spitze bilden. Über die 22 untersuchten Länder hinweg gemittelt trugen feine Backwaren am meisten zur Energiezufuhr mit hochverarbeiteten Lebensmitteln bei, auf den folgenden Plätzen lagen Wurstwaren, Fertiggerichte, Margarine und Saucen.[3]

Gesundheitliche Auswirkungen

Hochverarbeitete Lebensmittel gelten laut Deutscher Gesellschaft für Ernährung (DGE) als wenig gesund und nicht nachhaltig.[4]

Ernährungswissenschaftliche Erhebungen in verschiedenen Ländern ergaben, dass ein erhöhter Verzehr hochverarbeiteter Lebensmittel (UPF) mit einer geringen Qualität der Ernährung einhergeht. Der UPF-Anteil an der Ernährung wurde dabei als Prozentsatz an der Gesamtenergieaufnahme gemessen. Metaanalysen gut konzipierter Kohortenstudien zeigen, dass bei gleicher Gesamtenergieaufnahme ein hoher UPF-Anteil das Risiko der Erkrankung an chronischen, nicht-ansteckenden Krankheiten signifikant erhöht. Zu diesen Krankheiten gehören Adipositas, Diabetes, Bluthochdruck, Fettstoffwechselstörung, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Depressionen.[5][6][7]

Die NutriNet-Santé-Studie, an der in Frankreich mehr als 170.000 Menschen teilnehmen, ergab bei hochverarbeiteten Lebensmitteln (UPF) einen durchschnittlichen Anteil von 18 % der verzehrten Lebensmittel nach Gewicht und 36 % an der Energiezufuhr. Ein über diesem Durchschnitt liegender Verzehr von hochverarbeiteten Lebensmitteln war korreliert mit männlichem Geschlecht, jüngerem Alter, geringerer Bildung, Rauchen und Übergewicht bzw. Adipositas.[8]

2025 griff ein Bericht des Kinderhilfswerks UNICEF eine Serie von Studien des Fachjournals The Lancet auf. Hochverarbeitet Lebensmittel fördern eine unausgewogene Ernährung und verdrängen so wichtige Nährstoffe. Sie fördern darüber hinaus Übergwicht und können die kognitive Entwicklung und das Wachstum beeinträchtigen. Die Autoren kommen daher zu dem Schluss, dass die derzeitige Evidenz ausreicht, um gesundheitspolitische Maßnahmen zur maximalen Eindämmung des Konsums von UPFs zu fordern.[9][10]

Nachhaltigkeit

Hochverarbeitete Lebensmittel werden in der Regel aus Zutaten hergestellt, die aus vier ertragreichen Pflanzenarten stammen: Mais, Weizen, Soja und Ölsaaten. Zutaten tierischen Ursprungs in hochverarbeiteten Lebensmitteln stammen fast immer aus der Massentierhaltung, wo dieselben Pflanzenarten verfüttert werden. Diese Einschränkung der Zutaten hat einen negativen Einfluss auf die Biodiversität. Bestehende Praktiken der Landnutzung und der Anbau traditioneller und regionaler Pflanzensorten werden durch Monokulturen verdrängt. Traditionelle und regional-typische Lebensmittel aus frischen und minimal verarbeiteten Zutaten werden durch maschinell erzeugte Produkte ersetzt. Hochverarbeitete Lebensmittel werden darum als nicht nachhaltig angesehen.[11]

Herstellung, Verpackung und Transport verarbeiteter Lebensmittel verbrauchen deutlich mehr Ressourcen und Energie als traditionelle pflanzliche Lebensmittel und sind mit erhöhten Treibhausgasemissionen verbunden.[12] Im Vergleich mit tierischen Lebensmitteln sind pflanzliche Ersatzprodukte (Pflanzliche Milch, Käseersatz, Fleischersatz etc.) hingegen mit geringeren Emissionen, Ressourcen- und Energieverbrauch verbunden.[13][14][15]

Einzelnachweise

  1. Episode Can RFK Jnr ‘make America healthy again?’, BBC Podcast The Inquiry. In: bbc.co.uk
  2. Fardet A, Rock E: Ultra-processed foods: A new holistic paradigm? In: Trends in Food Science & Technology. 93. Jahrgang, November 2019, ISSN 0924-2244, S. 174–184, doi:10.1016/j.tifs.2019.09.016.
  3. Mertens, E., Colizzi, C. & Peñalvo, J.L.: Ultra-processed food consumption in adults across Europe. In: European Journal of Nutrition. Vol. 61, S. 1521–1539 (2022). doi:10.1007/s00394-021-02733-7 (Online publiziert am 3. Dezember 2021)
  4. Angela Bechthold: Hochverarbeitete Lebensmittel. Deutsche Gesellschaft für Ernährung, 12. Mai 2022, archiviert vom Original (nicht mehr online verfügbar) am 16. April 2023; abgerufen am 8. Mai 2024 (Onlineversion eines Beitrags aus der Ausgabe Januar 2022 des DGE-Wissenschaftsmagazins).
  5. Costa CDS, Faria FR, Gabe KT, Sattamini IF, Khandpur N, Leite FHM, Steele EM, Louzada MLDC, Levy RB, Monteiro CA: Nova score for the consumption of ultra-processed foods: description and performance evaluation in Brazil. In: Rev Saude Publica. (5. April 2021) 14;55:13. doi:10.11606/s1518-8787.2021055003588.
  6. Leonie Elizabeth, Priscila Pereira Machado, Marit Kolby Zinöcker, Phillip Baker, Mark Lawrence: Ultra-Processed Foods and Health Outcomes: A Narrative Review. In: Nutrients, Band 12, Nr. 7, 30. Juni 2020, doi:10.3390/nu12071955
  7. Giuditta Pagliai, Monica Dinu, Maria Pia Madarena, Marialaura Bonaccio, Licia Iacoviello, Francesco Sofi: Consumption of ultra-processed foods and health status: a systematic review and meta-analysis. In: British Journal of Nutrition, Band 125, Nr. 3, 14. Februar 2021, S. 308–318, doi:10.1017/S0007114520002688
  8. Julia, C., Martinez, L., Allès, B., Touvier, M., Hercberg, S., Méjean, C., & Kesse-Guyot, E.: Contribution of ultra-processed foods in the diet of adults from the French NutriNet-Santé study. In: Public Health Nutrition, Vol. 21 Nr. 1 (2018), S. 27–37. doi:10.1017/S1368980017001367 (Online veröffentlicht am 13. Juli 2017.)
  9. Mauro Brero, Harriet Torlesse, Joan Matji, Victor Aguayo: Ultra-processed Foods and Children: State-of-the-art review. UNICEF, Dezember 2025, S. 16–17, sowie 25, abgerufen am 3. Dezember 2025 (englisch).
  10. science ORF at/Agenturen red: Hochverarbeitete Lebensmittel gefährden Kinder. 3. Dezember 2025, abgerufen am 3. Dezember 2025.
  11. Leite FHM, Khandpur N, Andrade GC, Anastasiou K, Baker P, Lawrence M, Monteiro CA: Ultra-processed foods should be central to global food systems dialogue and action on biodiversity. (Commentary) In: BMJ Global Health. Vol. 2022 Nr. 7 (8. März 2022), S. 1–4. doi:10.1136/bmjgh-2021-008269
  12. Seferidi P, Scrinis G, Huybrechts I, Woods J, Vineis P, Millett C: The neglected environmental impacts of ultra-processed foods. In: The Lancet. Planetary Health. 4. Jahrgang, Nr. 10, Oktober 2020, S. e437–e438, doi:10.1016/S2542-5196(20)30177-7, PMID 33038314 (englisch). – "Comment" article, NOT peer-reviewed
  13. Arne Astrup, Carlos A. Monteiro: Does the concept of "ultra-processed foods" help inform dietary guidelines, beyond conventional classification systems? NO. In: The American Journal of Clinical Nutrition. 116. Jahrgang, Nr. 6, 1. Dezember 2022, ISSN 0002-9165, S. 1482–1488, doi:10.1093/ajcn/nqac123, PMID 35670128.
  14. MC Daas, RE Vellinga, MGM Pinho, JMA Boer, WMM Verschuren, YT van der Schouw, P Van't Veer, S Biesbroek: The role of ultra-processed foods in plant-based diets: associations with human health and environmental sustainability. In: European Journal of Nutrition. 63. Jahrgang, Nr. 8, Dezember 2024, S. 2957–2973, doi:10.1007/s00394-024-03477-w, PMID 39180555, PMC 11519232 (freier Volltext).
  15. Hannah Ritchie, Max Roser: How much of global greenhouse gas emissions come from food? In: Our World in Data. 18. März 2024 (englisch, ourworldindata.org).