Hochspannungsleitung Zamora–Guanajato

Die Hochspannungsleitung Zamora–Guanajato ist eine rund 100 Meilen (160 km) lange 60-kV-Freileitung zwischen dem Wasserkraftwerk Zamora und der Stadt Guanajuato in Mexiko, die im Jahr 1903 in Betrieb genommen wurde. Die Freileitung war vermutlich die weltweit erste, die durchgehend auf Stahlmasten verlegt wurde. Zur Zeit ihrer Betriebnahme war sie außerdem die leistungsfähigste Hochspannungsleitung weltweit.[1] Sie diente vornehmlich der Versorgung der Bergbauregionen bei Guanajato. Die Baukosten betrugen damals 500.000 mexikanische Peso.[2] Als Bauherren traten US-amerikanische und europäische Firmen auf, die Arbeiter stammten vor allem aus Mexiko.

Bisherige Hochspannungsleitungen wurden nahezu ausschließlich auf Holzmasten verlegt, lediglich für Flussquerungen wie der Carquinez-Straße oder zur Überquerung des San Joaquin Rivers wurden Gittermasten verwendet.[3][4] Bereits 1901 wurde in Juanacatalan bei Guadalajara ein Wasserkraftwerk errichtet, welches die Stadt über eine 17 Meilen lange Freileitung auf Stahlrohrmasten versorgte. Aufgrund der tropischen Klimabedingungen entschied man sich für Stahl anstelle des bis dahin üblichen Holz als Baumaterial.[5]

Die Leitung von Zamora nach Guanajato begann bei einem eigens errichteten Wasserkraftwerk am Fluss Duero in Michoacán und führt über Pénjamo und Irapuato nach Guanajato, wo sie in einem Transformatorhaus endete. Nach Irapuato wurde eine Zweigleitung gebaut. Für den Bau wurden die Masten in Einzelteilen mit Maultieren zu den teils unzugänglichen Standorten in den Bergen gebracht und dort montiert.[6]

Die Leitung ist auf pyramidenförmigen Stahlmasten verlegt, an dessen Spitze sich eine Quertraverse für zwei Leiterseile sowie eine Spitze für das dritte Leiterseil befindet. Es wurden Porzellanisolatoren der Firma Locke benutzt. Ursprünglich hatten die Leitungen keinen Blitzschutz, was sich schnell als Problem herausstellte. An an den Masten wurden nun Blitzableiter installiert, jedoch später wieder entfernt, da der Schutz nicht ausreiche. Um 1907 wurde daher das oberste Seil an einer zusätzlichen Traverse befestigt, um ein Erdseil an der Mastspitze zu befestigen.[7]

Trotz des Alters sind heute noch einige Abschnitte der Leitung in Betrieb, allerdings als Teil des Mittelspannungsnetzes. Entlang der Trasse finden sich außerdem noch zahlreiche unbenutzte Masten.

Bereits 1905 wurde die Leistung der Freileitung mit der Hochspannungsleitung Necaxa – Mexico – Oro de Hidalgo übertroffen.[8]

Einzelnachweise

  1. 1903 - Steel Towers in Mexico
  2. Long Power Transmission in Mexico. Western Electrician, vol. 33, no. 20, p. 365. Chicago, November 14, 1903
  3. High Tension Pole Line Construction Using Fred Locke M-2795. The Journal of Electricity, Power and Gas, vol. 11, no. 8, p. 185-195. San Francisco, CA, United States, August 1901
  4. The Carquinez Straits crossing of the Bay Counties Power Co.. The Engineering Record, vol. 43, no. 25, p. 590-593. New York, NY, United States, Saturday, June 22, 1901
  5. https://reference.insulators.info/publications/view/?id=3414 Electric power in Mexico. Cassier's Magazine, vol. 28, no. 3, p. 171-190, col. 1-2. New York, NY, United States, July 1905
  6. Robert McF Doble: The Guanajuato transmission line. The Journal of Electricity, Power and Gas, vol. 14, no. 9, p. 337-358, col. 1-2. San Francisco, CA, United States, September 1904
  7. Norman Rowe: Lightning Protection of Power Lines in Guanajuato, Mexico. American Institute Of Electrical Engineers, p. 1239-1257, col. 1. New York, 1907
  8. 世界初(最古)の全線鉄塔送電線(ネカクサ(Necaxa)-エル・オロ(El Oro)線)を発見 (japanisch)