Hitlers Wohnungen in München
Adolf Hitler lebte in folgenden Wohnungen in München: In der Schleißheimer Straße 34 in der Maxvorstadt vom Mai 1913 bis zum Februar 1914, in der Thierschstraße 41 im Lehel vom Mai 1920 bis zum Oktober 1929 und am Prinzregentenplatz 16 in Bogenhausen vom Oktober 1929 bis zum April 1945.
Schleißheimer Straße 34
Im Männerwohnheim in der Wiener Meldemannstraße hatte Hitler den Kaufmann Rudolf Häusler kennengelernt, mit dem er aus bisher nicht genau geklärten Gründen am 25. Mai 1913 nach München umsiedelte; es ist aber anzunehmen, dass er sich der Wehrpflicht in Österreich entziehen wollte.[1] In der Schleißheimer Straße 34 bewohnten beide bis zum Februar 1914 gemeinsam für 20 Mark Miete ein möbliertes Zimmer in Untermiete im dritten Stock im Haus des Münchener Herrenschneiders Josef Popp mit separatem Eingang. Im Meldebogen gab Hitler an, als Kunstmaler zu arbeiten.[2] Zu Beginn des Ersten Weltkrieges 1914 meldete er sich freiwillig für die Bayerische Armee und war bis Kriegsende an der Westfront eingesetzt.
Thierschstraße 41
Nach der Entlassung aus der Bayerischen Armee am 31. März 1920 kehrte Hitler nach München zurück und zog am 1. Mai 1920 aus der Kaserne des 2. Infanterieregiments in der Lothstraße 29 als Untermieter des Weinhändlers Ernst Reichert in ein Zimmer im ersten Stock ohne Bad im fünfgeschossigen Haus in der Thierschstraße 41 um. Das Zimmer war ihm vom Wohnungsamt zugewiesen worden. Eigentümer war der jüdische Bekleidungs- und Korsetthändler Hugo Erlanger.[3]
Laut seinem Freund Ernst Hanfstaengl war das Zimmer „sauber und nett, wenn auch verhältnismäßig schmal und nicht gerade üppig möbliert. Auf dem Boden lag billiges, abgetretenes Linoleum sowie einige fadenscheinige kleine Teppiche. An der Wand gegenüber dem Bett, das mit seinen Pfosten teilweise noch in das Fenster hineinragte, standen ein Stuhl und ein Tisch sowie ein rohgezimmertes Regal mit Hitlers Bücherschätzen.“[4]
Hitler war beim Ehepaar Reichert laut Aussage der Tochter Antonie als Untermieter beliebt: „Seine Wohnung bezahlte Hitler immer pünktlich. […] Zu seinen Wirtsleuten hatte Hitler uneingeschränktes Vertrauen. Er zählte als Familienmitglied. Nie sperrte er seine Räume ab. Reicherts konnten jederzeit sein Grammophon und seine Bücher in seiner Abwesenheit benützen.“ Die Familie Reichert erlaubte, dass Hanfstaengl Hitler bei Besuchen auf ihrem verstimmten Piano vorspielte. Ernst Reichert war von Hitler so beeindruckt, dass er 1920 in die NSDAP eintrat.
Ab dem 27./28. Februar 1925 mietete Hitler nach seiner Haftzeit in Landsberg 1923/1924, wo ihn Frau Reichert drei Mal besucht hatte, zusätzlich ein zweites Zimmer, das zuvor die Tochter Antonie bewohnt hatte und nutzte den Korridor als Vorzimmer, in dem oft sein Adjutant Julius Schaub auf einem Sofa übernachtete. In der Wohnung empfing Hitler etliche Anhänger und Anhängerinnen, darunter Philipp Bouhler, Wilhelm Frick, Rudolf Heß, Heinrich Hoffmann, Anton Drexler, Kurt Lüdecke, Georg Schott und Winifred Wagner.[5] Während der NS-Diktatur wurde das Haus zu einem Ort der Führerverehrung.1936 brachte der Münchner Stadtrat eine Gedenktafel an dem Gebäude an mit der Aufschrift: „Adolf Hitler lebte vom 1. Mai 1920 bis zum 5. Oktober 1929 in diesem Haus“.[6] Das Haus ist erhalten; die genaue Lage der Wohnung ist nicht bekannt, da es im ersten Stock zwei Wohnungen gibt, die auf den Namen Reichert eingetragen waren.
Prinzregentenplatz 16
Am 5. Oktober 1929 zog Hitler in eine Neunzimmerwohnung mit 397 Quadratmetern am Prinzregentenplatz 16 im zweiten Stock zum Preis von 4176 Reichsmark im Jahr.[7] Die Wohnung hatte seine bisherige Vermieterin Maria Reichert für Hitler gesucht. Das Ehepaar Reichert zog auf Bitten Hitlers ebenfalls als Haushälter widerstrebend in die neue Wohnung ein und lebte in einem abgetrennten Teil zur Grillparzerstraße. Sein Verleger Hugo Bruckmann half Hitler bei der Finanzierung und bürgte dem Vermieter für alle eventuellen Mietrückstände. In die Stockwerke über und unter der Wohnung zogen hochrangige SS-Offiziere ein. 1936 wurde das gesamte Gebäude Eigentum der NSDAP.
1936 besuchte Albert Speer die Wohnung und beschrieb sie als Unterkunft eines „Privatmannes von mittlerem Einkommen, etwa eines Filialleiters einer Depositenkasse“ und bemerkte: „Nichts verriet, dass der Inhaber dieser Wohnung seit drei Jahren Reichskanzler war.“[8]
Hitler verwendete die Wohnung auch für diplomatische Verhandlungen. Am 25. September 1937 traf er sich dort mit Benito Mussolini und am 30. September 1938 mit dem britischen Premierminister Neville Chamberlain.[6]
Seine Nichte Geli Raubal zog 1929 mit in die Wohnung und lebte in einem dreieckigen Raum gegenüber des Wohnzimmers. Am 18. September 1931 erschoss sich Raubal im Alter von 23 Jahren aus unbekannten Gründen mit Hitlers Pistole. Das Zimmer musste auf Befehl Hitlers genau in dem Zustand bleiben, wie es im Augenblick ihres Todes war.[6] Das Zimmer ist heute eine Abstellkammer.
Wenn Hitler nach der Machtübernahme München besuchte, wurde die Wohnung regelmäßig von einer Menschenmenge belagert. Daher gab er im Spätsommer 1937 die Anweisung, eine Sperre gegenüber dem Haus zu errichten, damit das Volk ihn nicht mehr „umringen“ könne.[9] In den Folgejahren wohnte er immer weniger in dieser Wohnung und hielt sich zumeist auf den Obersalzberg bei Berchtesgaden oder in Berlin auf. Ende August 1942 wurde das Haus bei einem Fliegerangriff leicht beschädigt.
Nachkriegszeit
Als die US-Truppen im April 1945 München einnahmen, fanden sie die Wohnung so vor, wie Hitler sie hinterlassen hatte. Das 179. Regiment der 45. US-Infanteriedivision richtete in seinem Wohnhaus einen Kommandoposten ein. Am Nachmittag des 30. April 1945 ließ sich die US-Kriegsberichterstatterin Lee Miller nach einem Besuch im KZ Dachau von ihrem Kollegen David E. Scherman in Hitlers Badewanne in einer später ikonisch gewordenen Aufnahme fotografieren.[10] Etwa zur gleichen Zeit beging Hitler im Führerbunker in Berlin Suizid.
Nach dem Krieg erbte der Freistaat Bayern das Gebäude und richtete dort die Zentrale Bußgeldstelle ein, um rechtsextreme Nachmieter zu verhindern. Heute befinden sich in der Wohnung die Sonder- und Verfügungsdienste der Polizeiinspektion 22, in den oberen Stockwerken arbeiten Kontakt-, Jugend-, Zivilbeamte und unter dem Dach Politessen.[8]
In den 1990er-Jahren untersuchten Sachverständige des bayerischen Landesamts für Denkmalpflege die Wohnung. Sie bewerteten sie als ein Wohnumfeld, „das von einer im Grundsatz bürgerlichen Lebensauffassung zeugt. Die konservative, auf Repräsentation bedachte Materialwahl weist … auf die Ideologie des Dritten Reiches hin.“ Das Amt entschied, auch das Eichenfurnier zu belassen. Die Täfelung stehe für die „Biederkeit“ der Nazis.
Einzelnachweise
- ↑ Hitler und Bayern – Übersiedlung nach München. In: Historisches Lexikon Bayerns. Abgerufen am 4. Dezember 2025.
- ↑ Adolf Hitler: »Aufriß über meine Person«, Teil 2. In: Der Spiegel. 8. April 1973, ISSN 2195-1349 (spiegel.de [abgerufen am 4. Dezember 2025]).
- ↑ Paul Hoser: Thierschstraße 41. Der Untermieter Hitler, sein jüdischer Hausherr und ein Restitutionsproblem. In: Institut für Zeitgeschichte (Hrsg.): Vierteljahrshefte für Zeitgeschichte 65, 2017 H2.
- ↑ Hitlers Leben in München: Spannende neue Erkenntnisse. In: tz.de. 11. April 2017, abgerufen am 4. Dezember 2025.
- ↑ Klaus Wiegrefe: Adolf Hitler hatte in München bis 1929 einen jüdischen Vermieter. In: Der Spiegel. 8. April 2017, ISSN 2195-1349 (spiegel.de [abgerufen am 4. Dezember 2025]).
- ↑ a b c Adolf Hitlers Münchner Wohnung • de.knowledgr.com. Abgerufen am 4. Dezember 2025.
- ↑ 9 Zimmer, Küche, Bad, Hitler. In: Focus online. (focus.de [abgerufen am 4. Dezember 2025]).
- ↑ a b Tim Pröse: Daheim bei Hitler. In: Focus online. 2007 (focus.de [abgerufen am 4. Dezember 2025]).
- ↑ Prinzregentenplatz 16. Abgerufen am 4. Dezember 2025.
- ↑ Marc von Lüpke: Lee Miller: Model, Partylöwin, Fotografin und Kriegskorrespondentin. In: Der Spiegel. 29. April 2015, ISSN 2195-1349 (spiegel.de [abgerufen am 4. Dezember 2025]).