Historischer Uhrenturm Düsseldorf

Historischer Uhrenturm

Daten
Ort Düsseldorf-Düsseltal
Baujahr 1904 Teil des ehemaligen Pförtnerhauses der Maschinenfabrik Haniel & Lueg. Erbaut nach Plänen des Düsseldorfer Architekten Hermann vom Endt (1861–1939)

Der Historische Uhrenturm in Düsseldorf[1][2] ist ein denkmalgeschütztes Bauwerk aus dem Jahr 1904.[3] Er war ursprünglich Teil des Torwärterhauses der ehemaligen Maschinenfabrik Haniel & Lueg (1874–1960)[4] und beherbergt seit 1995 das kleinste Kulturinstitut in der nordrhein-westfälischen Landeshauptstadt Düsseldorf.

Lage

Der Uhrenturm befindet sich an der Grafenberger Allee 300, vor dem heutigen Gebäude der Agentur für Arbeit Düsseldorf. Er steht auf einem stadt- und geologisch bedeutsamen Gelände im Stadtteil Düsseltal das bis zur Industrialisierung nur dünn besiedelt war. Zu den ältesten Bauwerken in diesem Gebiet zählten die Speckerhöfe und die Buscher Mühle, letztere ist heute die einzige noch funktionsfähige Wassermühle an der Düssel.[5][6]

Geschichte

Der Kölner Domherr Adam Daemen (1670–1717) stiftete für Trappisten-mönche (Zisterzienser der strengeren Observanz) ein Kloster auf der ehemaligen Rheininsel Löricker Werth in Büderich (Meerbusch -heute Festland). Da die Zisterzienser unter häufigen Überschwemmungen zu leiden hatten, wurde das Kloster 1708 ins Düsseltal verlegt. Zuvor hatte 1707 Kurfürst Johann Wilhelm von der Pfalz, bekannt als Jan Wellem, den Mönchen das Gelände der Speckerhöfe geschenkt.

Diese neue Klosteranlage wurde später als Kloster Düsselthal bekannt und gab dem heutigen Stadtteil Düsseltal seinen Namen.[7] 1714 wurde das Kloster zur Abtei erhoben. Nach der Säkularisation 1803 wurde die Anlage 1804 versteigert. Graf Adalbert von der Recke-Volmerstein erwarb das Gelände 1822 und gründete dort die Rettungsanstalt Düsselthal für Waisen- und Straßenkinder.[8][9]

1872 erwarben Heinrich Lueg zusammen mit seinem Schwager Franz Haniel (1826–1902) und dessen Neffen (Louis) Ludwig Haniel rund 220.000 m² des ehemaligen Klostergeländes und gründeten die OhG Haniel & Lueg, Maschinenfabrik für Eisenbahn-, Bergwerks- und Schiffsgeräte in Düsseltal.[10] Am 12. Februar 1874 wurde der Betrieb mit 225 Arbeitern und Angestellten[11] aufgenommen.[12] Das Werk umfasste Eisengießerei, Hammerschmiede mechanische Werkstatt, Modellschreinerei, Kesselhaus und Magazin. 1898 erfolgte eine Erweiterung um ein Presswerk und ein Stahlwerk. Produziert wurden Maschinen und Anlagen für den Berg-, Hütten- und später den Schiffbau. Ende des 19. Jahrhunderts beschäftigte das Unternehmen 1395 Mitarbeiter. Die gesamte Werkanlage (incl. einer Badeanstalt) wurde als mustergültig und wegweisend in Bezug auf die Fürsorge für die Mitarbeiter bezeichnet.[13] Zu den bedeutendsten Leistungen des Unternehmens zählt die maßgebliche Beteiligung (vor allem an Maschinen und Antrieben) beim Bau des Schiffshebewerks Henrichenburg am Dortmund-Ems-Kanal, das 1899 durch Kaiser Wilhelm II. eingeweiht wurde.

Im Jahr 1901 wurde die Graf-Recke-Straße durch das ehemalige Klostergelände angelegt. Von der Klosteranlage blieb lediglich ein Turm an der Ecke Franz-Wüst-Straße/Max-Planck-Straße erhalten. Der Turm war ursprünglich ein Bestandteil der Klostermauer und diente vermutlich als Zugangsbauwerk, Beobachtungspunkt oder Ausgabestelle von Lebensmitteln an Bedürftige. Als Mythos hat sich im Volksmund die Bezeichnung „Hungerturm“ erhalten, weil dort angeblich spielende Kinder umgekommen sein sollen. 1902 verlegte die Stiftung Düsselthal ihre Einrichtungen nach Wittlaer und gründete dort die Stiftung Neu-Düsselthal, die heutige Graf Recke Stiftung. 1928 wurde Haniel & Lueg in den Konzern Gutehoffnungshütte Oberhausen eingegliedert. Das Werk in Düsseldorf blieb ein bedeutender Standort bis nach 1945.[14] Nach dem Zweiten Weltkrieg stellte das Unternehmen in den 1950er Jahren auf die Produktion von Bohranlagen für die Ölförderung um, die überwiegend im Vorderen Orient eingesetzt wurden. 1960 wurde die Produktion eingestellt und das Werkgelände bis 1986 vollständig abgebaut.

Im Jahr 1973 gründeten der Papierkaufmann Uli Hoffmann und die Tanzpädagogin Fe Reichel auf dem Gelände die „Werkstatt für Tanz, Theater, Malen, Werken und Gestalten“,[15] aus der später das Tanzhaus NRW hervorging. 1992 erwarb die Bundesagentur für Arbeit große Teile des verbliebenen Fabrikareals. Nach dem Abriss der verfallenen Industriegebäude entstand dort das heutige Verwaltungsgebäude der Agentur. Der Uhrenturm blieb erhalten und wurde 1994 unter Denkmalschutz gestellt.

Im Februar 1995 wurde zwischen dem Liegenschaftsamt der Stadt Düsseldorf und der Hermann-Harry-Schmitz-Societät e.V. ein Nutzungsabkommen auf unbestimmte Zeit geschlossen. Mit Unterstützung von Sponsoren – darunter die Jugendberufshilfe Düsseldorf, dem Baukonzern Hochtief sowie ein Arbeitsbeschaffungsprojekt der Bundesagentur für Arbeit – wurde das Gebäude unter Federführung der Leitung der Verwaltung im Düsseldorfer Stadtbezirk 2 aufwändig saniert und für eine kulturelle Nutzung eingerichtet. Auszubildende mit ihren Lehrern der JBH Düsseldorf errichteten ein neues Treppenhaus mit vier Ebenen. Die Societät finanzierte Möblierung sowie technische und bauliche Einrichtungen für den Veranstaltungsbetrieb.

1996 nahm die Societät mit dem neu gegründeten Hermann-Harry-Schmitz-Institut ihre Arbeit im Uhrenturm auf.[16][17] Zum 31. Dezember 2022 wurde die Hermann-Harry-Schmitz-Societät aufgelöst.

Zum 1. Januar 2023 trat die Alde Düsseldorfer Bürgergesellschaft von 1920 e.V. in den bestehenden Pachtvertrag mit der Stadt Düsseldorf ein[3] und nutzt den Uhrenturm seither als Geschäftsstelle und führt das kleinste Kulturinstitut in der Stadt Düsseldorf fort.[7][3][18] Der Hermann-Harry-Schmitz-Museumsraum in der Laterne des Turms bleibt öffentlich zugänglich.[19]

2024 wurde das Archiv der Hermann-Harry-Schmitz-Societät/Institut[20][21]vom Heinrich-Heine-Institut der Stadt Düsseldorf übernommen.[22]

Kulturelle Nutzung (1996–2022)

Die Hermann-Harry-Schmitz-Societät gründete im Oktober 1995 im Uhrenturm mit dem Hermann-Harry-Schmitz-Institut das kleinste Kulturinstitut in der Landeshauptstadt.

Auf den oberen Ebenen wurde eine vom Theatermuseum Düsseldorf eingerichtete Dauerausstellung zu Leben und Wirken von Hermann Harry Schmitz gezeigt.

Auf den unteren Ebenen fanden rund 60 Wechsel-Ausstellungen mit Arbeiten bildender Künstler[23][24] sowie zahlreiche literarische und musikalische Veranstaltungen statt.[25][26] Alle Veranstaltungen & Ausstellungen im Uhrenturm im Zeitraum 1996–2022 sind in der Klappenbox der Wikipediaseite Hermann-Harry-Schmitz-Societät gelistet.

Geologie

Beim „Tag des offenen Denkmals“ am 8. September 2013 berichteten ehemalige Arbeiter als Zeitzeugen von Testbohrungen auf dem Gelände der früheren Maschinenfabrik, bei denen muschelführendes Wasser austrat und die Grafenberger Allee überflutete.

Laut dem Geologen Wolfgang Schirmer lag das heutige Düsseldorfer Gebiet im Verlauf der Erdgeschichte[27] zeitweise am Ur-Mittelmeer oder an der Ur-Nordsee. Während des Tertiärs, vor rund 35 Millionen Jahren, wurde das Areal zuletzt von der Nordsee überflutet. Dabei lagerten sich feine Meeressande ab, die heute als mehrere Meter mächtige Schichten – unter anderem an der rund 50 Meter hohen „Gelben Wand“ hinter der ehemaligen Gerresheimer Glashütte – erhalten sind.

Der sogenannte „Hardenberg“ entstand 1887 durch den Abbau von etwa 1,6 Millionen Kubikmetern dieser intensiv leuchtenden, gelben Sande zur Aufschüttung des späteren Hauptbahnhofs. Diese charakteristisch gefärbten Sande finden sich auch im Grafenberger Wald an einigen Stellen wieder. Auch bei den Bauarbeiten für das „Drei-Scheitel-Quartiers“ auf dem Gelände des ehemaligen Güterbahnhofs (Fertigstellung 2024) traten sie erneut zutage.

Anfahrt

Der Uhrenturm befindet sich im Stadtbezirk 2 (Düsseltal) an der Grafenberger Allee 312, direkt vor der Agentur für Arbeit Düsseldorf (Nr. 300) und an der Grenze zum Stadtbezirk 7 (Grafenberg).

Er ist über die Haltestelle Schlüterstraße/Arbeitsagentur mit den Straßenbahnlinien U72, U73 und U83 sowie von der Straßenbahnlinie 709 und den Buslinien 725, 733 und 810 an den öffentlichen Nahverkehr angebunden.

Literatur

  • Frank Meyer: Das Buch der Katastrophen – 33 Irrzählungen. von Hermann Harry Schmitz. L+L Verlag, Düsseldorf 1996, ISBN 3-9804825-1-0, S. 358–359.
  • Michael Matzigkeit: Hermann Harry Schmitz – Der Dandy vom Rhein. Droste Verlag, Düsseldorf 2005, ISBN 3-7700-1217-8, S. 203.

Einzelnachweise

  1. Architekten- und Ingenieur-Verein zu Düsseldorf (Hrsg.): Düsseldorf und seine Bauten. L. Schwann, Düsseldorf 1904, S. 544–548. (Reprint: Grupello-Verlag Düsseldorf, 1990, ISBN 3-928234-00-5).
  2. Heribert Wolf: Maschinenfabrik Haniel & Lueg. In: Jan Wellem, Zeitschrift der Alde Düsseldorfer Bürgergesellschaft von 1920 e.V., 98. Jahrgang, 2022, Heft 1, S. 6.
  3. a b c Marc Ingel: Denkmäler in Düsseldorf | Uhrenturm wird in neue Hände übergeben. In: rp-online.de. 26. November 2022, abgerufen am 25. Dezember 2025.
  4. Ute Neubauer: Der verwandelte Uhrenturm der Alde Düsseldorfer. ddorf-aktuell.de, 26. Mai 2025, abgerufen am 16. November 2025.
  5. Das Tor, Düsseldorfer Heimatblätter, Bürgerverein Düsseldorfer Jonges e.V., 36. Jahrgang, Heft 3, 1970, S. 66.
  6. Die Bilker Sternwarte, Zeitschrift der Bilker Heimatfreunde e.V., 54. Jahrgang, Heft 10, 2008, S. 314–315.
  7. a b Jan Wellem, Zeitschrift der Alde Düsseldorfer Bürgergesellschaft von 1920 e.V., 97. Jahrgang, Heft 4, 2022, S. 4–5.
  8. Geschichte der Graf Recke Stiftung, auf graf-recke-stiftung.de, abgerufen am 16. November 2025.
  9. Architekten- und Ingenieur-Verein zu Düsseldorf (Hrsg.): Düsseldorf und seine Bauten. L. Schwann, Düsseldorf 1904, S. 244–245. (Reprint: Grupello-Verlag Düsseldorf, 1990, ISBN 3-928234-00-5).
  10. Industriekultur Düsseldorf - FKI | Uhrenturm. Abgerufen am 5. Januar 2026 (deutsch).
  11. Hugo Weidenhaupt (Hrsg.): Düsseldorf: Geschichte von den Anfängen bis ins 20. Jahrhundert. Band 3: Peter Hüttenberger: Die Industrie- und Verwaltungsstadt. Patmos Verlag, Düsseldorf 1989, ISBN 3-491-34223-6, S. 11.
  12. JanWellem. Zeitschrift der Alde Düsseldorfer Bürgergesellschaft von 1920 e.V., 98. Jahrgang, 2022, Heft 1, S. 6–9.
  13. Architekten- und Ingenieur-Verein zu Düsseldorf (Hrsg.): Düsseldorf und seine Bauten. L. Schwann, Düsseldorf 1904, S. 247. (Reprint: Grupello-Verlag Düsseldorf, 1990, ISBN 3-928234-00-5).
  14. Handbuch der deutschen Aktiengesellschaften, 46. Jahrgang, Bd. 1, 1941, S. 553–555.
  15. Chronik, auf tanzhaus-nrw.de, abgerufen am 16. November 2025.
  16. Christine Wolff: Viel Kunst auf vier kleinen Etagen. In: Rheinische Post. 13. Juli 2012.
  17. Laura Ihme: Das kleinste Museum der Stadt. In: Rheinische Post. 9. September 2013.
  18. Alde Düsseldorfer eröffnen eine Geschäftsstelle im Uhrenturm. In: rp-online.de. 24. April 2023, abgerufen am 16. November 2025.
  19. Kultur im Uhrenturm vorm Arbeitsamt. duesseldorf-entdecken.de, 18. September 2023, abgerufen am 16. November 2025.
  20. Sammlung Hermann-Harry-Schmitz-Societät. Abgerufen am 10. Januar 2026.
  21. Sammlung Hermann Harry Schmitz. Abgerufen am 8. Januar 2026.
  22. Heinrich-Heine-Institut Düsseldorf. Bestand: Archiv der Hermann-Harry-Schmitz-Societät/Institut, 2024. Der Bestand befindet sich in Erschließung (noch nicht katalogisiert).
  23. Anonym: Der Künstler Akira Komoto hat eine Doppelausstellung (gemeinsam mit Yuri Nagawara) in Deutschland/Düsseldorf. In: Chūnichi Shimbun, Seki (Gifu)/Japan, 8. Oktober 1999.
  24. Ulrike Merten: Ein Quergeist im Uhrenturm. In: NRZ, 3. April 2012.
  25. Judith Pohl: Shakespeare zwischen Leben, Liebe, Lust und Leid. Sonette-Neuübersetzungen von Hans-Werner Scharf. In: Rheinische Post. 24. August 2017.
  26. Andreas Rossmann: Stadtschreier. In: FAZ, 11. November 1995.
  27. Hugo Weidenhaupt (Hrsg.): Düsseldorf: Geschichte von den Anfängen bis ins 20. Jahrhundert. Band 1: Wolfgang Schirmer: Von der ersten Besiedlung zur frühneuzeitlichen Stadt. Patmos Verlag, Düsseldorf 1988, ISBN 3-491-34221-X, S. 47–78.