Hinzelmeier
Hinzelmeier. Eine nachdenkliche Geschichte (Originaltitel: Stein und Rose) ist ein 1851 erschienenes Kunstmärchen von Theodor Storm.
Inhalt
Ausgangssituation
Die Hauptfigur ist ein Abkömmling der Familie Hinzelmeier, der im Laufe der Geschichte nur bei seinem Nachnamen genannt wird. Zu Beginn ist er noch ein Kind. Seine Eltern sind schon fast achtzig Jahre alt, körperlich und geistig aber noch jung. Der Nachbarschaft ist dieser Widerspruch bekannt und es gibt verschiedene Gerüchte über einen Jungbrunnen oder eine Glückshaube als Grund dafür.
Verlauf der Geschichte
Der jungen Hinzelmeier beobachtet eines Tages, wie seine Mutter auf magische Weise durch eine Wand des Wohnhauses tritt und nach einiger Zeit, nach Rosen duftend, wieder hervorkommt. Seine Frage nach dem Hintergrund der Begebenheit wird vom Vater ausweichend beantwortet. Einige Zeit später tritt der Hauptcharakter zufällig selbst durch eine Wand und gelangt auf den Dachboden, wo er durch das Schlüsselloch der Tür nicht die Treppe, sondern einen geheimen Raum sieht. Darin knien seine Eltern vor einem Schrein, in dem eine blühende Rose steht. Auf diesen Anblick hin fällt er in Ohnmacht.
Nach seiner Genesung erklärt ihm die Mutter, dass den Abkömmlingen seines Geschlechts die Möglichkeit offen steht, einen magischen Rosengarten zu finden. Dort keimt stets eine neue Blume, wenn ein Auserwählter geboren wird. Diese wird immer von einer Jungfer gepflegt. Kann derjenige in den Rosengarten gelangen, bringt es ihm ein glückliches Leben mit der jungen Frau und zeitlebens eine jugendliche Konstitution ein. Versäumt er es jedoch, bekommt das Mädchen – je im Abstand von neun Jahren – zweimal die Möglichkeit, den Garten zu verlassen und selbstständig den Mann aufzusuchen. Dabei entsteht aber nur selten eine Verbindung und die Jungfer muss bei Misserfolg für immer in den Rosengarten zurückkehren. Dem Vater war es als Sechzehnjährigem gelungen, die Rose zu finden; der Nachbar Kasperle hingegen zog vor Jahren in die Welt, ohne dass es ihm glückte.
Auf Vermittlung des Vaters geht der junge Hinzelmeier bei einem Meister in die Lehre und beschließt nach einem Jahr, die Suche nach dem Stein der Weisen zum Lebensziel zu machen. Nach weiteren zwei Jahren spricht ihn der Meister los und zaubert aus einem Barthaar den Raben Krahirius hervor, der den jungen Mann fortan begleitet. Das Tier bekommt für diesen Zweck die Brille des Lehrers mit.
Hinzelmeier gelangt auf seiner Wanderschaft zu einem Bauerngehöft, wo ihm eine schöne junge Frau begegnet, die für ihn offenbar der Eingang zum Rosengarten ist. Als sich jedoch eine intime Begegnung anzubahnen scheint, lässt Krahira die Brille auf Hinzelmeiers Gesicht fallen, der sich augenblicklich allein in einem Felsenkessel wiederfindet. Dort trifft der Teufel gerade Vorbereitungen, die Welt in die Luft zu sprengen, da sie unregierbar geworden ist. Hinzelmeier entzündet das Schießpulver jedoch und lässt den Gehörnten durch die Explosion ins All fliegen.
Neun Jahre nach diesem Ereignis langt er auf der Wanderschaft in einem Wirtshaus an, wo ihn der Wirt aufgrund seines Namens für den Vater seines eigenen Vaters hält. Beim Anblick seines Spiegelbildes erkennt Hinzelmeier tatsächlich, wie er gealtert ist und nun deutlich älter als seine Eltern aussieht. Der Wirt informiert ihn, dass ein ärmliches Mädchen, vermutlich eine Blumenverkäuferin, kürzlich nach ihm gefragt habe. Hinzelmeier sucht sie in der Stadt und findet die junge Frau letztlich. Beide werden aber von einer Menschenmenge gestört, die ihm Vorhaltungen macht, da Krahira dem Bürgermeister die Perücke gestohlen habe. Der Vogel lässt erneut die Brille auf Hinzelmeiers Gesicht fallen, der kurz darauf in einer fremden, ländlichen Gegend zu sich kommt. Dort trifft er den Nachbarn Kasperle, der behauptet, den Stein der Weisen in einem nahen Bauernhaus gefunden zu haben. Dieser stellt sich aber als Leberkäse heraus, der von den beiden Männern und dem Raben daraufhin verzehrt wird. Hinzelmeier und Kasperle fühlen sich für die weitere Suche gestärkt und gehen glücklich auseinander.
Nach neun Jahren gelangt er erneut in ein Wirtshaus, wo ihn der Wirt für den Großvater seines eigenen Vaters hält. Auch hier wurde kurz zuvor von einem armen Blumenmädchen nach dem Wanderer gefragt. Nachts träumt Hinzelmeier von seiner Mutter, die ihn an die Rose erinnert. Krahirius setzt dem Schlafenden aber die Brille auf und der Traum verschwindet. Nach dem Erwachen erblickt Hinzelmeier eine weite Ebene, in der er in der Ferne einen großen Stein sieht und diesen für das Gesuchte hält. Auf dem Weg dorthin hört er das Lied über Rosen, das seine Mutter einst sang, doch das Krächzen des Raben lässt es verstummen. Am Stein angekommen, rutscht die Brille von seiner Nase und er erblickt das Rosenmädchen am Horizont. Der Entkräftete kann aber nicht mehr zu ihr gelangen und stirbt. Am nächsten Morgen kommt die jungen Frau an die nämliche Stelle, wirft den Raben in den Himmel empor und pflanzt die Rose ein. Anschließend kehrt sie in den Garten zurück und muss dort für immer verbleiben.
Entstehung
Storm, damals selbst verheiratet und Vater eines Sohnes, verfasste die Geschichte 1850. Sie erschien im darauffolgenden Jahr unter dem Titel Stein und Rose.[1]
Interpretation
In einem Geleitwort zu Theodor Möllers Das Gesicht der Heimat wird im Hinblick auf das Kunstmärchen vermutet, dass alle Menschen dem Stein der Weisen nachjagen, aber nur „die wenigsten der Schönheit der Welt recht inne“ werden. Auf Wanderschaft können Menschen die Brille abwerfen und damit den Alltag hinter sich lassen, jedoch wird sie ihnen bald wieder aufs Gesicht geworfen, wodurch die „Schönheit der Erde“ in ihren Augen erlischt.[2]
Storm selbst sah in einem Brief an Emil Kuh in seiner Geschichte eine „phantastisch-allegorische Dichtung“.[1]
Adaptionen
1952 fand die Kinderoper Timothy auf Grundlage von Storms Geschichte ihre Uraufführung.
Das Werk wurde 1976 von Gernot Eigler fürs bundesdeutsche Fernsehen verfilmt.[3]
Das Puppentheater Lampe adaptierte Hinzelmeier unter dem Namen Stein und Rose für die Bühne.
Weblinks
Einzelnachweise
- ↑ a b Erotische Symbole bei Storm. eversberg.eu, archiviert vom am 30. Dezember 2020; abgerufen am 21. Dezember 2025.
- ↑ Das Gesicht der Heimat. lexikus.de, abgerufen am 21. Dezember 2025.
- ↑ Hinzelmeier. Internet Movie Database, abgerufen am 21. Dezember 2025.