Hinrik Kokerbeke
Hinrik Kokerbeke, auch Heinrich Kokerbeke, Kokerbeck oder Cokerbeke (geboren vor 1379; gestorben nach 1402) war Vogt von Wolfenbüttel sowie Stadthauptmann von Braunschweig und Goslar.
Leben
Kokerbeke wurde von 1379 bis 1381 als Vogt von Wolfenbüttel urkundlich erwähnt. Dieses Amt verdankte der Herzog Otto von Braunschweig-Göttingen. Geverd Reyger (Gebhard Reigher), der Stiftshauptmann von Halberstadt, war sein Schwager. Kokerbeke war mit dessen Schwester Gese verheiratet und vergab unter anderem Kredite an die Städte Braunschweig und Goslar. 1379 sollen Kokerbekes Handlanger seinem Schwager bei Gevensleben Vieh gestohlen haben. In einem Brief forderte ihn dieser auf es ihm zurückzugeben.[1] Im Jahr 1381 war er mit dem Herzog an der Schlacht am Thieder Lindenberg beteligt.[2] Allein im August 1381 wurden Kokerbeke zahlreiche Verbrechen zugeschrieben, so soll er unter anderem am 1. August mit seinen Helfern die Meier von Wendezelle, Lengede, Kissenbrück, Hedeper und an weiteren Orten erschlagen haben, insgesamt waren es 15 Tote. Zudem presste er den Bürgern 1200 lothige Mark ab. Am 2. August nahm Kokerbeke vor dem St. Michaelistor Corde van Evensen 3 Pferde ab und erschlug dessen Ohm Henning. Am 3. August nahm er sich bei St. Leonhard 10 Pferde aus 2 Pfluggespannen und fing den Bürger Bekedöre in der Altenwik, der ihm 6 Mark Auslöse zahlte.[3]
Dem Vogt wurden zahlreiche Übergriffe gegen die Bürger des Braunschweiger Landes sowie hohe Steuerforderungen zur Last gelegt. Auch soll er einen mit einem Siegel der Stadt Braunschweig versehenen Brief des Stadtrates in den Dreck geworfen und mit Füßen getreten haben. Als Vogt der herzoglichen Residenz hatte er sowohl gerichtliche, als auch fiskalische und militärische Befugnisse. Er führte auch Korrespondenzen mit auswärtigen, wie beispielsweise mit der Stadt Goslar, wenn der Herzog abwesend war. Nach dem Rückzug Herzog Ottos nahm Kokerbeke eine Stellung als Stadthauptmann in Goslar an.
Am 30. August 1386 war er bei einer Gerichtsverhandlung unter dem Vorsitz des Goslarer Vogtes Hans von Vlotede zugegen, die unter anderem mit seinem Siegel beurkundet wurde. Am 28. September 1388 unterschrieb er einen Schuldbrief, in dem er Hans Gronewold und Hans von Kissenbrügge sein Vogteigeld überließ, das er von dem Grafen Otto von Schauenburg zu Lehen hatte. Die Schuld belief sich auf 75 Mark. Das Vogteigeld sollte so lange an die beiden Herren bezahlt werden, bis diese Schuld beglichen sei. Ein weiterer Schwager war Hans von Here, der in diesem Zusammenhang ebenfalls erwähnt wurde.[4]
Im Jahr 1393 geriet er mit einigen anderen bei Witzenhausen in Gefangenschaft und Bischof Ernst I. von Hohnstein stellte die Geldmittel für seine Freilassung zur Verfügung.[5] 1397 wurde er zum Stadthauptmann von Braunschweig gewählt und hatte dieses Amt noch 1402 inne. Er führte ein Siegel zeigte einen Handschuh im Schild. 1399 war er noch immer auch Stadthauptmann in Goslar und in eine Strafsache mit Tile Sluter dem Knecht des Ritters Burchard von Gadenstedt (von 1390 bis 1407 Pfandinhaber des Schlosses Lutter am Berge) verwickelt. 1402 soll er die Streitmacht bei der Erstürmung der Burg Hausfreden angeführt haben, bei der die Burg erstürmt und zerstört wurde.
Literatur
- Ulrich Schwarz: Hinrik Kokerbeke. In: Horst-Rüdiger Jarck, Dieter Lent u. a. (Hrsg.): Braunschweigisches Biographisches Lexikon. 8. bis 18. Jahrhundert. hrsg. im Auftrag der Braunschweigischen Landschaft e. V. Appelhans Verlag, Braunschweig 2006, ISBN 3-937664-46-7, S. 351.
Einzelnachweise
- ↑ Gebhard Reigher fordert Kokerbeck auf, das bei Gevensleben geraubte Vieh zurückzugeben. In: Georg Bode, Uvo Hölscher (Hrsg.): Urkundenbuch der Stadt Goslar und der in und bei Goslar belegenen geistlichen Stiftungen (= Geschichtsquellen der Provinz Sachsen und angrenzender Gebiete). Band 45, 5. Teil: 1366 bis 1400. Otto Hendel Verlag (Hermann Hillger), Berlin 1922, S. 152 (Textarchiv – Internet Archive).
- ↑ Wilhelm Bornstedt: Otto der Quade, Kokerbeke und die Schlacht am Thieder Lindenberge 1381. Keddig, Braunschweig 1982.
- ↑ Eine Finanzreform des vierzehnten Jahrhunderts. In: Die Grenzboten; Zeitschrift für Politik, Literatur und Kunst. F. L. Herbig, Leipzig / Berlin 1909, S. 445–457, hier 448–449 (Textarchiv – Internet Archive).
- ↑ Heinrich Kokerbeke überläßt Hans Gronewold und Hans von Kissenbrügge sein Vogteigeld, das er von dem Grafen von Schauenburg zu Lehen hatte, mit dessen Genehmigung. In: Georg Bode, Uvo Hölscher (Hrsg.): Urkundenbuch der Stadt Goslar und der in und bei Goslar belegenen geistlichen Stiftungen (= Geschichtsquellen der Provinz Sachsen und angrenzender Gebiete). Band 45, 5. Teil: 1366 bis 1400. Otto Hendel Verlag (Hermann Hillger), Berlin 1922, S. 324 (Textarchiv – Internet Archive).
- ↑ Urkundenbuch des Hochstifts Halberstadt und seiner Bischöfe. S. Hirzel, Leipzig 1883, S. 371, Urkunde 3079 (Textarchiv – Internet Archive).