Hinrich Sachs

Hinrich Sachs (geboren am 12. November 1962 in Osnabrück) ist ein in der Schweiz lebender, deutscher Künstler und Autor. Zu seinen künstlerischen Ausdrucksformen zählen vor allem Installationen, Printmedien und Veranstaltungen. In den 1990er Jahren war Sachs einer der ersten Künstler im deutschsprachigen Raum, der Effekte postkolonialer Verhältnisse im öffentlichen Raum, in ethnografischen Sammlungskontexten und in Ausstellungssituationen thematisiert hat. Sein Arbeitsschwerpunkt liegt auf der Untersuchung gesellschaftlicher Mehrsprachigkeit.

Leben

Hinrich Sachs wuchs im baskischen Donostia/SanSebastián auf. Sein Studium absolvierte er an der Hochschule für bildende Künste Hamburg bei Claus Böhmler und Franz Erhard Walther und hat an der Universität Hamburg bei Marianne Schuller literaturwissenschaftliche Seminare besucht. Mit einem Stipendium des Deutschen Akademischen Austauschdienstes ging er 1991/92 an Universität Paris VII.[1]

Sachs lehrt seit 1997 an verschiedenen Universitäten und Akademien und war von 2006 bis 2016 Professor für Fotografie Kungliga Konsthögskolan (Royal Institute of Art) in Stockholm. Von 2005 bis 2011 Mitglied der Eidgenössischen Kunstkommission.

Er lebt seit 1999 in Basel, Schweiz.

Werk

Zur Ausstellung des Künstlers im Moderna Museet in Malmö von 1999 zu Anna Gili schreibt die renommierte schwedische Kunsthistorikerin und Kuratorin Maria Lind, dass Hinrich Sachs in seinen Arbeiten oft sozial oder intellektuell herausfordernde Situationen in Form von Installationen inszeniert, die eine breite Öffentlichkeit einbeziehen und auf Kommunikation und Austausch beruhen.[2]

Der Berner Kunstkritiker Hans Rudolf Reust beschreibt im Kunstbulletin[3], den Künstler als einen, der auf mehreren Bühnen zugleich im Rampenlicht und als Stimme aus dem Off agiert und meinst andere Akteure (wie z. B. Mikaela Müller-Trutwin, Virologin 1998[4]) in seine vielschichtigen Arbeiten einbezieht.

Wie in der Laudatio zum Hauptpreis von Pro Litteris 2021 beschrieben[4], spielt im Werk von Hinrich Sachs die Thematisierung und Visualisierung der Bedeutung von Sprachen, ihren Funktionen, ihren Übersetzungen in andere Sprachen und ihre Funktion in schulischen und anderen öffentlichen Medien eine grosse Rolle. Schreiben, Sprechen, Schriftbild und Erzählung (z. B. über die Figuren der TV-Sendung Sesamstrasse oder von Emojis in unterschiedlichen Zusammenhängen).

Anlässlich der Einladung zu einem Vortrag bei Art, Cultur, Technology des MIT in Massachussetts 2025[5] beleuchtet der Künstler seine Reflexionen über bedeutungsgebende Codes wie Bild, Sprache, Ton oder Raum und die Schwierigkeiten von deren Übersetzung bei welcher gerne konzeptuelle kulturelle Unterschiede vernachlässigt, durch die Politik vereinfacht oder instrumentalisiert werden. Als Anschauungsmaterial dienen seine Projekte Kami, Khokha, Bert und Ernie (Weltkulturerbe)[6] sowie Fog Friend Font: Ways of Doing Multilingual Sense[7], in denen Sachs die Verwendung nicht-menschlicher Wesen (Tiere) und ihrer Stimmen, sei es im Bereich der Technologie oder in der Edutainment-Industrie thematisiert und so gängige westliche Vorstellungen vom Subjekt und die Bedeutung der Beziehung zwischen Stimme und Akteur in Frage stellt.

Ausstellungen, Performances, Vorträge (Auswahl)

  • 1991 Beitrag[8] am Belluard Festival International
  • 1992 Nos sciences naturelles[9], Fri-Art, Fribourg
  • 1994 Muttersprache. Ein Projekt im Hamburgischen Museum für Völkerkunde.
  • 1999 Anna Gili, designer, visits Hinrich Sachs, Moderna Museet Malmö
  • 2002 Als Gast von Hinrich Sachs: Leonore Mau.[10] Fotografin, Kunsthalle Basel, kuratiert von Hinrich Sachs
  • 2004: Kami, Khokha, Bert and Ernie (First version), including two performance events, Marres Contemporary Art Center, Maastricht[11], NL
  • 2005: Kami, Khokha, Bert and Ernie (Second version in the context of the groupshow The Need to Document)[12], Kunsthaus Baselland, CH, 2005
  • 2009 Kami, Cookiemonster, Bert and Ernie (Version with audio scenes in Arabic, in the context of the groupshow A Fantasy to Allan Kaprow), Contemporary Image Collective[13], Cairo, EG
  • 2012 Kami, Cookiemonster, Bert and Ernie (Expanded version, with audio scenes in Swedish and Arabic, including two discursive events), Tensta konsthall[14], Stockholm, SE
  • 2018 Hinrich Sachs: Wat men weet /That we know (Workshop)[15], Duitsland Instituut, Gerrit Rietveld Akademie, Amsterdam
  • 2019 Kami, Cookiemonster, Bert and Ernie (Version in French, as a video, featuring the snail character Trépido, last seen on French TV in 1982, in the context of the exhibition Catherine, Masahiko, Rex et les autres, with Simon Starling)[16], Le Plateau, Paris, FR
  • 2022/23 Non hay puntada sin hilo Hinrich Sachs in Zusammenarbeit mit Josune Urrutia und Leire Vergara, San Telmo Moseoa[17], San Sebastian, Spanien
  • 2024 Kinderwort – oder die Freiheit im Spiel. Ausstellung zum Thema Muttersprache[18], Haus der Wissenschaft der Universität Siegen

Auszeichnungen

Werke in Sammlungen

Publikationen über den Künstler (Auswahl)

  • Lionel Bouvier, Eva Schidt, Olav Westphalen. Hinrich Sachs: Don't tell me the result - I'm videoing it! Katalog und Bearbeitung: Thomas von Tschitzki. Engish, Französisch, Deutsch. Salon-Verlag Köln 1997, ISBN 3-932189-91-4; ISBN 978-3-932189-91-3
  • Barnaby Drabble, Peter Pakesch (Hrsg.): Hinrich Sachs. Kunsthalle Basel 2002. Schwabe Verlag Basel, 2002, ISSN 1421-1726
  • Jonathan Josten: Eine Kartoffel als Bohrmaschine. Zur Ausstellung von Hinrich Sachs im Haus der Wissenschaft in Siegen, Siegener Zeitung, 26. Februar 2024[20]
  • Uta M. Reindl: Duchamps Urenkel X mit Hinrich Sachs,[21]»Als Gast von Hinrich Sachs: Dr. Mikaela Müller-Trutwin, Virologin«, Bonner Kunstverein, Kunstformum International, Bd. 144, 1999 Dialog und Infiltration

Publikationen als Autor

  • Hinrich Sachs: Die Biografie in 12 Teilen. Mit einem Nachwort von Marianne Schuller, Hamburg 1991
  • Hinrich Sach: Muttersprache - ein Projekt von Hinrich Sachs, 1994[22] - Hamburgischen Museum für Völkerkunde
  • Als Gast von Hinrich Sachs: Dr. Mikaela Müller-Trutwin, Virologin: 15. Dezember 1998 - 7. Feburar 1999, Bonn: Kunstverein 1999
  • Hinrich Sachs; a cura di Silvio San Pietro; [testi: Michael Erlhoff … et al.], Milano: Edizioni l'Archivolto 2001, ISBN 8876851224
  • Stefan Banz und Hinrich Sachs: Da battle for da past is for da future, Stefan Banz und Hinrich Sachs, Schweizer Kunst. - Schweizer Kunst = Art suisse = Arte svizzera = Swiss art 2003, doi:10.5169/seals-626506
  • Hinrich Sachs: Ferien vom Ich. Interviews, Essays und Fragmente; herausgegeben von Angelika Schallenberg und Eva Schmidt, Köln, DuMont, 2010. ISBN 978-3-832193-09-6
  • Hinrich Sachs: Lost once more : five stories = Sehr verfahren : fünf Geschichten, Christoph Keller Editions, Zürich: JRP/Ringier, 2010,
  • Hinrich Sachs, Ruth Buchanan et al.: Lost once more / Five Stories, (mit Geschichten von Ruth Buchanan, Mark von Schlegell, Birgit Kempker, Burkhard Strassmann und Hans-Christian Dany). Christoph Keller Editions, JPR / Ringier Kunstverlag, English, 2010; ISBN 978-3-037641-33-0
  • Ear mind eye pad, Zurich: Rollo Press; Milan: Humboldt Books, First edition, 2019
  • Hinrich Sachs (Ed.), Frederik Ehlin: Fog Fried Font: Ways of Doing Multilingual Sense. English, Inuktitut and partially other languages. Edition of 150. Humbold Books Milan, 2019, ISBN 9783906213279, Rollopress, ISBN 978-3-906213-27-9
  • Hinrich Sachs (Autor), Katrine Clante (Illustration): Who Invented one and zero, Humbold Books Milan, 2019, ISBN 8899385629, ISBN 978-8899385620

Einzelnachweise

  1. MMP: Hinrich Sachs. Abgerufen am 15. Dezember 2025 (amerikanisches Englisch).
  2. MMP: Hinrich Sachs. Abgerufen am 21. November 2025 (amerikanisches Englisch).
  3. Hinrich Sachs — Unikkaalaurit! | Kunstbulletin. Abgerufen am 21. November 2025.
  4. a b ProLitteris-Preis 2021: Die Verwertungsgesellschaft ProLitteris prämiert einen Künstler und eine Künstlerin: Hinrich Sachs und Axelle Stiefel – ProLitteris. Abgerufen am 21. November 2025.
  5. Hinrich Sachs – Art, Culture, and Technology (ACT). Archiviert vom Original am 8. September 2025; abgerufen am 21. November 2025 (amerikanisches Englisch).
  6. Kami, Khokha, Bert and Ernie (expanding). In: Hinrich Sachs. Abgerufen am 15. Dezember 2025.
  7. Fog Friend Font: Ways of Doing Multilingual Sense. In: Hinrich Sachs. Abgerufen am 15. Dezember 2025.
  8. Belluard Bollwerk. Abgerufen am 15. Dezember 2025.
  9. Friart – Nos sciences naturelles. 1992, abgerufen am 15. Dezember 2025.
  10. Persönliche Pläne/Als Gast von Hinrich Sachs: Leonore Mau, Fotografin | Kunstbulletin. Archiviert vom Original am 17. Juli 2025; abgerufen am 15. Dezember 2025.
  11. Homepage EN. Abgerufen am 15. Dezember 2025 (amerikanisches Englisch).
  12. Kunsthaus Baselland. Abgerufen am 15. Dezember 2025.
  13. A Fantasy for AK : Kaisa Lassinaro. Abgerufen am 15. Dezember 2025.
  14. Kami Khokha, Bert and Ernie (World Heritage) | CCA Islands. In: CCA Islands | 瀬戸内海の3つの島を拠点にする、新たなアートのプラットフォーム. 23. Februar 2024, abgerufen am 15. Dezember 2025 (japanisch).
  15. Hinrich Sachs: Wat men weet/That We Know. Abgerufen am 15. Dezember 2025.
  16. Simon Starling - Catherine, Masahiko, Rex et les autres. 25. März 2019, abgerufen am 15. Dezember 2025 (französisch).
  17. El Museo San Telmo presenta "No hay puntada sin hilo", de Hinrich Sachs - Museo San Telmo. Abgerufen am 15. Dezember 2025.
  18. Kinderwort – oder die Freiheit im Spiel. Abgerufen am 15. Dezember 2025.
  19. Als Gast von Hinrich Sachs: Leonore Mau, Fotografin. Abgerufen am 15. Dezember 2025.
  20. „Das ist eine akribische, minutiöse Arbeit des Künstlers“. Abgerufen am 15. Dezember 2025.
  21. Duchamps Urenkel X mit Hinrich Sachs. In: kunstforum.de. Abgerufen am 15. Dezember 2025 (deutsch).
  22. Muttersprache - ein Projekt von Hinrich Sachs. Abgerufen am 15. Dezember 2025.